Bombensicher: Knautschzonen für Häuser

Wieder was gelernt. In der taz stand am 11. Januar der Artikel Britannien wird bombensicher! von Sam Wild. Sehr in die Tiefe geht er nicht, was die technische Seite betrifft. Dennoch erfuhr ich daraus etwas, das mir vorher nicht so klar war: gegen Bomben muss man nicht unbedingt Bunker mit dicken Betonwänden bauen.

Wie überall, wo es um Sicherheit geht, empfiehlt sich zunächst eine Analyse. Wovon bin ich oder fühle ich mich bedroht, wie wirkt die Bedrohung und welchen Einfluss haben Randbedingungen? Wenn ich die Bedrohung verstanden habe, kann ich nicht nur geeignete Maßnahmen dagegen entwerfen, sondern ich werde dann auch wissen, wie weit deren Schutz reicht oder eben nicht reicht.

Aus der IT-Sicherheit kennen wir das. Je nach Analyse kommt man dort von ein und demselben Problem oft zu sehr unterschiedlichen und unterschiedlich wirksamen Lösungen. Gegen Angriffe aufs Online-Banking zum Beispiel – Phishing, Pharming, Schadsoftware usw. – gibt es haufenweise Vorschläge, und wenn man lange genug über das Problem nachgedacht hat, wird man »Lösungen« wie .bank oder sogenannte Extended-Validation-Zertifikate schnell als untauglich verwerfen.

An die Bomberei, oder vielmehr ihre Abwehr, geht man am besten genauso heran. Man überlegt sich zum Beispiel, wie eine Explosion eigentlich genau wirkt, auf welche Weise dabei Menschen und Dinge zu Schaden kommen: die Druckwelle kann unmittelbar wirken, sie kann den Menschen durch die Gegend werfen, sie kann Gegenstände herumschleudern und wahrscheinlich noch einiges mehr. Deshalb ist es zum Beispiel schlecht, wenn sich Menschen und eine explodierende Bombe auf verschiedenen Seiten einer Glasscheibe befinden, denn die Scheibe sorgt für Splitterwirkungl. Auf Glas zu verzichten ist allerdings schwierig, deshalb versucht man, Druckwellen zu leiten und mit verformbaren Materialien aufzunehmen. Man gibt dem Gebäude gewissermaßen eine Knautschzone. Da sage noch einer, IT-Sicherheit und Architektur hätten nichts miteinander zu tun.

Wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail, respektive in den bewusst oder implizit gemachten Annahmen. Wenn die Bombe etwa nicht dort explodiert, wo man sie erwartet, sind vielleicht alle Sicherheitsfeatures für die Katz. Und ob es mich sorgen oder beruhigen soll, dass man Gebäude heute gegen Bomben von der Straße statt gegen solche aus der Luft sichern möchte, weiß ich auch noch nicht.

PS: Laut Spiegel Online sollen wir seit Samstag Angst haben vor einem Lkw mit einer Tonne Sprengstoff, der nach Deutschland unterwegs sei. Ach nein, doch nicht.

Ein Kommentar zu „Bombensicher: Knautschzonen für Häuser

  1. Zu Kugelsicheren Autos am besten mal einen Fragen, der was davon versteht – den Papst. http://www.stern.de/politik/panorama/?eid=506708&id=514447&nv=ex_L3_ct

    Beim Schutz einer Person kann man eine Sicherheitsstrategie entwickeln. Aber wenn ich alle Bushaltestellen auf einmal sichern will, habe ich Probleme, denn es gibt ein paar kleine Unbekannte – Explosionsort, Explosionsart (chemisch, Splitterbombe) und die lästigsten weil ständig sich ändernde Parameter, die Menschen. Explosionssicherheit ist für mich deswegen ein Unwort. Das gibt’s gar nicht.

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