Bedenken haben einen schlechten Ruf. Sie lassen sich leicht abtun, da sie in eine ungewisse Zukunft weisen. Für diese Zukunft lässt sich alles und das Gegenteil prognostizieren und ein endgültiger Beweis erst antreten, wenn die Zukunft zur Gegenwart geworden ist. Wer Bedenken als Einwände gegen allzu optimistische Pläne vorbringt, hat es deshalb rhetorisch schwer.
Sicherheit erfordert maßvolle Bedenkenträgerei auch gegen Widerstände. Struktur und Präzision helfen, Diskussionen trotz inhärenter Ungewissheit sachlich zu halten. Angelehnt an die bekannte Risikoformel lassen sich Bedenken zum Beispiel so konkretisieren:
Bedenken = Sicherheitsziele * Gefährdungen
Diese Formel führt ein wenig in die Irre, weil es nicht darum geht, Zahlen zu finden und miteinander zu multiplizieren. Sie teilt jedoch das Problem in zwei einzeln ergründ- und verhandelbare Komponenten:
- Sicherheitsziele beschreiben, welchen Gegen- oder Zustände wir erhalten möchten, unabhängig davon, in welchem Maße sie überhaupt gefährdet sind.
- Gefährdungen (oder Bedrohungen) beschreiben, was von uns ungewollt geschehen könnte.
Wo beides zusammentrifft und eine Gefährdung eines unserer Sicherheitsziele verletzen kann, sind Bedenken berechtigt; die Diskussion bewegt sich dann weiter zu Wahrscheinlichkeiten und Schadenshöhen und damit zur Risikobewertung.
Heuristisch und unbewusst wenden wir die Bedenkenformel im Alltag ständig an, etwa indem wir Geschichten von den gar schröcklichen Folgen der Datenkrakencloudalgorithmen und den angeblichen Vorzügen alternativer IT aus regionalem Anbau ignorieren. Die Alltagsempirie lässt uns schließen, dass das Scheinprobleme und -Lösungen sein müssen, weil weit und breit kein Realitätsbezug sichtbar wird.


