Vorsicht bei der Risikoschätzung

Aus veröffentlichten Statistiken über Krankheiten, Unfälle, Katastrophen oder andere Schadensereignisse kann man schnell und bequem Risikoschätzungen gewinnen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ergibt sich aus der Statistik, und über die Schadenshöhe kann man meistens plausible Annahmen machen. Die Ergebnisse werden nicht perfekt und über alle Zweifel erhaben sein, aber zur Groborientierung genügen sie schon.

Allerdings kann die Schätzung auch gehörig in die Hose gehen, wenn man den Kontext nicht kennt. Diese Angabe zum Beispiel klingt dramatisch:

»Die Zahl der Pilzinfektionen beim Menschen ist in den vergangenen 20 Jahren extrem gestiegen. …«

War früher alles besser? Schlägt die Natur zurück? Werden wir alle sterben? Das Gegenteil ist der Fall. Die gestiegene Zahl der gefährlichen Pilzinfektionen zeigt eine Risikoverringerung an:

»… Grund dafür ist vor allem die Zunahme immungeschwächter Patienten der Krebs- und Transplantations-Medizin.«

(beide Zitate aus: Pilzerkrankungen: Infektion mit Aspergillus fumigatus oft tödlich, Welt Online)

Der Anstieg der Infektionen lässt sich also dadurch erklären, dass die Medizin dem Pilz mehr potenzielle Opfer verschafft. Diese potenziellen Opfer sind Menschen, die früher an etwas anderem gestorben wären. Jetzt bleiben sie am Leben und ein Teil davon fängt sich während der Behandlung eine Infektion ein. Das ist tragisch im Einzelfall, aber positiv in der Gesamtsicht. Man merkt es nur nicht gleich, wenn man die Zahlen ohne Kontext sieht.