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Publikationsrituale mit beschränkter Wirkung

Wer die Wissenschaft als Totschlagargument missbrauchen möchte, der stützt sich gerne auf wissenschaftliche Publikationsrituale. Der jeweilige Gegner möge doch bitte erst mal kollegenbegutachtete Studien vorweisen, heißt es dann, und alle anderen Betrachtungen seien unwissenschaftlich und wertlos. Umgekehrt kann man mit ebensolchen Studien wedeln, die, gleich welcher Qualität sie sein mögen, das veredelnde Siegel tragen.

Das ist in dieser Form nur leider Bullshit. Die wissenschaftlichen Publikationsrituale sind ohne Zweifel sinnvoll und nötig. Aber man darf ihre Wirkung nicht überschätzen. Es handelt sich nämlich bei der Kollegenbegutachtung nicht um eine Qualitätsprüfung, sondern um einen Spamfilter. Was durchkommt, ist noch lange nicht richtig. Das haben jüngst wieder einmal ein paar Spaßvögel gezeigt, indem sie ein Paper aus dem Paper-Generator zu einer Konferenz einreichten. Es wurde angenommen. Was es durch den Review-Prozess schafft, kann also trotzdem Unsinn sein.

Und bevor jetzt jemand nach Ausreden sucht, der Impact Factor einer Publikation ist auch kein zuverlässiges Qualitätsmerkmal, und in der Informatik sind Konferenzen so wichtig wie in anderen Wissenschaften die Journale.

Ergänzung: Michael Nielsen erklärt in seinem Blog drei Mythen über die Kollegenbegutachtung. In den Kommentaren dort findet man außerdem einen Link auf den Artikel: We Are Sorry to Inform You … (PDF), der uns die Gutachterkommentare zu berühmten und bedeutenden Aufsätzen aus der Informatik zeigt. So etwas ähnliches gibt es gibt es auch für die Wirtschaftswissenschaften.

(nach einem Hinweis von Reproducible Ideas, das sich damit einen Platz in der Blogroll verdient hat)