Nazis gucken macht Spaß

Oliver in seiner Eigenschaft als PR-Mann des Fraunhofer SIT meint, das Institut müsste eine Linking Policy haben für den Fall, dass mal Nazis auf die Fraunhofer-Seiten linken. Ich halte das für Quatsch, unter anderem deshalb, weil es viel größeren Ärger gibt, wenn wir auf Nazis linken. Ein Link ist nämlich gerichtet und sagt mehr über seine Quelle als über das Ziel aus: an der Quelle wird er bewusst gesetzt, während das Ziel meist gar nichts weiß von seinem Glück. Das haben sogar die Juristen verstanden und manchmal überinterpretiert, indem sie dazu neigen, aus jedem Link gleich eine Unterstützung und Verbreitung der Inhalte seines Ziels zu konstruieren. Aber ich wollte nicht labern, sondern Nazis verlinken. Also:

Kürzlich gab es mal wieder Geschrei um Nazis im Netz, genauer um Nazi-Videos auf YouTube. Google gelobte Besserung, das heißt schnellere Beseitigung, und erneut war eine Chance auf mehr politische Bildung dank Internet unbedacht vertan. Auch wenn es eklig ist, sollte man sich so etwas nämlich durchaus mal reinziehen. Dann weiß man, wie die Leute ticken und kann ihnen intelligent eins auswischen, falls sie sich vor der Keilerei noch auf eine Diskussion einlassen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit der Zahl der Parlamanete, in die Nazis gewählt wurden; im Parlament prügelt man sich auch als Nazi normalerweise nicht.

Sehr aufschlussreich ist zum Beispiel dieses Video (NSFWNot Safe For Work, lieber dort gucken, wo es keiner in den falschen Hals kriegen kann). Frank Rennicke, Nazi-Sänger und verurteilter Volksverhetzer, lässt sich darin eine gute Viertelstunde lang darüber aus, wie scheiße Nazis doch in Wirklichkeit sind, wie wenig sie taugen, als Menschen im Allgemeinen wie als Nazis im Besonderen, und dass sie sich gefälligst Organisation und Kameradschaft von den Ausländern abgucken sollen. Richtig gelesen, von den Ausländern. ROTFL! Das ist uneingeschränkt sehenswert. Ganz großes Kino. Zitat: »Die wollen Deutschland retten?!?« Da muss man selbst gar nichts mehr sagen, wenn sich Nazis darüber aufregen, wie Nazis Nazis zerfleischen.

So, und jetzt bin ich gespannt, wie lange dieser Versuch hier stehenbleibt.

Ein Kommentar zu „Nazis gucken macht Spaß

  1. Linking-Quelle und Linking-Ziel stehen in einem Verhältnis, das durchaus wechselseitig sein kann. Eine Seite, die auf eine vertrauenswürdige Seite verlinkt, gewinnt an Vertrauenswürdigkeit.

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    Sie profitiert also vom Vertrauen, dass Nutzer in die Zielseite haben. Umgekehrt kann eine Seite auch Vertrauen verlieren, wenn viele vertrauensunwürdige Seiten auf sie verlinken. Siehe Eva-Hermann-Story: Nach Hermanns missverständlichen Geschichtsdarstellungen haben Nazis die Hermann-Seite verlinkt, was die Autorin in der öffentlichen Diskussion in eine Gesinnungsnähe mit diesen Nazikreisen rückte. (Backstage-Analyse von Broder war stechend scharf http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,510511,00.html)

    Das Posting bleibt übrigens, weil ein wenig Verruchtheit PR-technisch immer gut ist.

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