Virales Marketing

Alle schrieben sie darüber und erklärten uns den letzten Schrei: virales Marketing, Werbebotschaften, die, einmal gestreut, sich von Wirt zu Wirt weiterreichen lassen. Die Journalisten, die Blogger, sie waren so stolz darauf, alles durchschaut und verstanden zu haben. Sie waren sich sicher, jede virale Kampagne zu erkennen. Manipulierbar waren die anderen. Augenzwinkernd und selbstironisch reichten sie lustige Videos und Websites herum, stets betonend, dass es sich um virale Aktionen handelte, denn sie waren Subjekte, keine Objekte. Mit großem Tamtam enttarnten sie die Fakeblogs einer Werbeagentur, deren Plumpheit ihren hohen Verstand beleidigte. Sie waren die Avantgarde der Werbekonsumenten, gebildet, bewusst, mächtig und unbesiegbar. Doch als Scientology ein Werbevideo mit Tom Cruise in der Hauptrolle drehte, da reichten sie es alle, alle herum. Sie schrieben darüber, sie kommentierten, sie ereiferten sich, sie analysierten, die Blogger genauso wie die Journalisten. Und keiner von ihnen hatte bemerkt, dass sie gerade Teil einer viralen Werbekampagne waren.

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