Skihelmzahlen (und Seitenhiebe)

Während die Redaktion der PseudoScienceBlogs ihren festen Standpunkt in der zum Glaubenskrieg erklärten Helmfrage betont, zeigt uns die gute alte Presse, wie eine rationale Sicherheitsbetrachtung aussieht. FAZ.NET informiert uns sachlich darüber, dass 4,2 Millionen Deutsche regelmäßig Ski fahren, dass sich in der letzten Saison 45.000 verletzt haben und dass 6.500 stationär behandelt werden mussten, die meisten davon wegen anderer Verletzungen. Wir erfahren auch, dass Kopfverletzungen nur zehn Prozent der Verletzungen ausmachen, aber nach Expertenansicht besonders gefährlich sind. Da bleiben noch allerlei Fragen offen, aber die Zahlen gestatten zumindest eine grobe Einordnung des Risikos. Leider geistern auch die 85% Wirksamkeit durch den Artikel, die überall auftauchen, wo es um Helme geht, und von denen wohl keiner mehr weiß, wo sie eigentlich herkommen. Aber die bringt der befragte Experte ins Spiel, dagegen kann ein Journalist wenig tun. Wer brauchbare Informationen sucht, liest also besser weiterhin Zeitung und keine hippe Blogillustrierte.

2 Kommentare zu „Skihelmzahlen (und Seitenhiebe)

  1. Kamen die 85 Prozent nicht ursprünglich aus dieser berüchtigten Seattle-Studie?

    Thompson, Rivara, Thompson, A case-control study of the effectiveness of bicycle safety helmets, The New England Journal of Medicine, Vol. 320, 1989, No. 21, pp 1361-7

    So zumindest das SVK-Info-Bulletin 1/04 mit Schwerpunkt Radhelme, siehe dort Seite 6/7.

    Klicke, um auf bulletin_01-04.pdf zuzugreifen

    1. Vermutlich. Die Zahlen gelten dann wohl für alles, was sich Helm nennt. Na ja, immerhin verspricht der FAZ-Artikel keinen Schutz vor 85 Prozent der Todesfälle, sondern lediglich, dass der Helm 85% der Schädel-Hirn-Traumata verhindere oder abmildere. Das ist so vage, dass man es vielleicht sogar so stehenlassen kann.

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