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Sicherheit muss zweitrangig sein, sonst steht sie im Weg

Seit zwei Jahrzehnten träumt Deutschland erfolglos davon, die elektrische Regierung, staatsnahe Systeme wie die Gesundheitstelematik sowie das Internet überhaupt dadurch zu fördern, dass man generische Sicherheitsdienste amtlich entwickelt, standardisiert und reguliert. Sichtbare Zeichen dafür sind das Signaturgesetz, die Gesundheitskarte, DE-Mail sowie die eID-Funktion des Personalausweises.

Gut funktioniert hat das in keinem dieser Fälle. Die elektronische Signatur ist so wenig verbreitet, dass man ein darauf gestütztes Verfahren für den elektronischen Entgelt-Nachweis (ELENA) einstellen musste. Die Gesundheitskarte kann nach mehr als einer Dekade Entwicklungszeit – die Gründung der gematik liegt länger zurück als der erste Spatenstich für BER – kaum mehr als ihre Vorgängerin. De-Mail ist im Gegensatz zum Vorgänger eID noch nicht im Stadium der Ideenwettbewerbe angekommen, leidet jedoch unter vergleichbaren Akzeptanzproblemen.

Gemeinsam ist diesen Fällen der Versuch, eine generische Sicherheitstechnologie für eine Vielzahl noch unbekannter Anwendungen zu schaffen in der Annahme, diese Sicherheitstechnologie sei genau das, was den Anwendungen fehle. Beides ist falsch. Wer mit der Sicherheitstechnologie anfängt, macht den Entwurfsprozess kaputt und bekommt Design around Security statt Security by Design, und Anwendungen müssen zuerst funktioneren, bevor man beginnt, ihre Sicherheit zu optimieren. Sicherheit muss zweitrangig sein, sonst steht sie im Weg weiterlesen