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Ein frühes Beispiel für „Security Economics“ …

… und die Illustration eines gerne gemachten Denkfehlers verdanken wir den Grenztruppen der DDR:

„Im Frühjahr 1989 stellen Ökonomen der Grenztruppen eine groteske Rechnung auf. Sie teilen die Kosten für die Grenze durch die Summe der Festnahmen und stellen fest, dass jede Festnahme 2,1 Millionen Mark kostet. Der Wert eines durchschnittlichen Werktätigen wird mit 700.000 Mark veranschlagt. Also, folgern sie, ist eine Festnahme dreimal so teuer wie der Verlust eines Werktätigen. Das Resümee lautet nicht: ,macht die Grenze auf‘, sondern: ,macht die Grenze billiger‘.“

Der Denkfehler liegt darin, nur die aktiv abgewehrten Angriffe – Festnahmen bei versuchten Grenzübertritten – zu berücksichtigen. Die größte Wirkung entfaltete die  innerdeutsche Grenze jedoch durch Abschreckung. Die meisten, die ohne Mauer vielleicht in den Westen gegangen wären, versuchten es angesichts der geringen Erfolgsaussichten und hohen Risiken gar nicht erst oder nur auf dem legalen und langwierigen Weg per Ausreiseantrag.

Hinter diesem Denkfehler steckt ein grundsätzliches Problem, mit dem man es immer zu tun bekommt, wenn man die Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen messen möchte. Wirksame Maßnahmen führen tendenziell dazu, dass bestimmte Arten von Angriffen insgesamt unterbleiben, weil sie sich nicht mehr lohnen und andere Angriffe oder Ziele attraktiver werden. Wer erfolgreich Sicherheit schafft, kann seinen Erfolg deshalb nicht messen und nachweisen.