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OLG Frankfurt, Az. 23 U 38/05

»Geldautomaten sind sicher«, schreiben die Zeitungen und fassen damit ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 30. Januar 2008 zusammen. Geklagt hatte eine Verbraucherzentrale, es ging um Abhebungen mit geklauten Karten. Unter den Tisch fiel manchmal dieser Satz:

»Das Gericht lehnte weitere Beweiserhebungen ab, die die Verbraucherschutzzentrale zur Möglichkeit von anderen Manipulationsmöglichkeiten beantragte, z.B. zur Frage der Verwendung von auf der Karte gespeicherten Daten zur PIN-Verfikation.«

(gesehen z.B. hier.) Spontanreaktion: Aber genau auf solche Manipulationsmöglichkeiten kommt es doch an! OLG Frankfurt, Az. 23 U 38/05 weiterlesen

Hackertool Kommandozeile?

Der Heise-Ticker berichtet unter der Überschrift 60.000 Dollar Strafe für DNS-Abruf:

»Das Gericht stellte fest, dass Ritz dabei seine „Identität hinter Proxies verbarg, ein UNIX-Betriebssystem verwendete und neben anderen Methoden Shell Accounts einsetzte. Außerdem gab er sich als Mail-Server aus.“ Die auf diese Weise gewonnenen Informationen machte Ritz publik. Diese Information, stellte das Gericht fest, sei nicht öffentlich verfügbar gewesen. Damit habe Ritz die Datensicherheit von Sierra gefährdet, Ritz sei also als Hacker einzustufen, schließlich sei der Befehl „host -l“ dem normalen Anwender nicht bekannt.«

Offenbar ist dem Richter alles suspekt, was er nicht kennt. Und das ist erfahrungsgemäß ziemlich viel, wenn es um Informationstechnik geht und man die Gefühlswelt eines Juristen zum Maßstab nimmt.

Tatsächlich aber ist weder am Kommando host noch an einem Shell-Account irgend etwas ungewöhnlich. Sogar mein iBook, Inbegriff des Schickimickiklickiwerkzeugs und damit juristentauglich, verfügt über beides. Ein Maßstab dafür, ob jemand unlauter gehandelt hat, ist die Benutzung nicht. Zumal das Kommando host ausgesprochen harmlos ist: es fragt öffentlich verfügbare Informationen aus den öffentlichen Servern eines öffentlichen Dienstes ab, denn DNS ist nichts weiter als eine Art automatische Telefonauskunft für das Internet. Nur hat das dem Richter offenbar keiner erklärt, wenn der meint, die Information sei nicht öffentlich zugänglich gewesen. Doch, das war sie.

Bullshit ist die Behauptung des Klägers, er habe aufgrund der Abfrage seine interne Kommunikationsstruktur ändern müssen. Erstens wäre nämlich an dieser Kommunikationsstruktur etwas sehr kaputt, wenn sie auf die Vertraulichkeit öffentlicher Informationen angewiesen wäre. Zweitens wäre anderenfalls das Sicherheitsproblem bereits durch die Veröffentlichung auf dem DNS-Server entstanden, und dafür kann man kaum denjenigen verantwortlich machen, der lediglich hinschaut.

Hoffentlich fragen deutsche Richter jemanden, der sich damit auskennt, bevor sie jemanden verknacken, dessen Werkzeuge sie nicht verstehen.

Nachtrag: Und so finden Kommandozeilenganoven ihre KompliziInnen.