Bonpflicht als Chance

Die Bäcker jammern: Ab Januar 2020 müssen sie zu jedem Einkauf einen Kassenbon erstellen (und zugleich ihre Kassen mit einer manipulationssicheren Protokollierung ausstatten). Das Bundesfinanzministerium antwortet mit dem Hinweis, dieser Pflicht können auch mit der Ausgabe elektronischer Belegen Genüge tun, woraufhin Medien von Lösungen per E-Mail oder Smartphone phantasieren. Dabei könnte alles sehr einfach sein.

Selbst das traditionelle Bäckerhandwerk entdeckt ganz, ganz langsam das elektrische Bezahlen. Das funktioniert heute kontaktlos und bei kleinen Beträgen ohne PIN-Eingabe. Kunden bekommen den zu zahlenden Betrag angezeigt, halten ihre Karte ans Terminal und finden später einen Nachweis auf ihrem Kontoauszug oder ihrer Kreditkartenabrechnung beziehungsweise in den entsprechenden Funktionen ihrer Online-Bank.

In dieses Verfahren ließen sich elektrische Kassenzettel gut integrieren. Aus Nutzersicht handelt es sich um eine detailliertere Version des Verwendungszwecks, der ohnehin übermittelt und angezeigt wird. Eines Tages könnten die für den Zahlungsverkehr eingesetzten Protokolle solch eine Funktion direkt unterstützen. Gegenwärtig tun sie dies vermutlich nicht und Standardisierungsbemühungen in der Finanzwirtschaft dürften etwas länger dauern.

Bis dahin könnte man sich mit einem Verfahren behelfen, das sich aktuelle Versionen des elektronischen Rezepts zum Vorbild nimmt. Bei allen Kartenzahlungen kämen die digitalen Kassenzettel dann in einen Cloudservice, der sie für eine gewisse Zeit, etwa sechs Monate, zum Abruf vorhielte. Käufer erhielten via Abrechnung zu jedem digitalen Kassenbon eine eindeutige, praktisch nicht erratbare Referenznummer, mit der sie ihn aus der Cloud abrufen könnten. Optional könnte man die Kassenbondaten sogar verschlüsseln (dann dürfte man jedoch zum Abruf nicht denselben Schlüssel verwenden wie zum Entschlüsseln).

Als MVP bekämen man also bei Kartenzahlung in der Abrechnung eine Zahlenkolonne zu sehen, mit der wir den Kassenbon abrufen könnten. Mit etwas gutem Willen und nach einigen Jahren Beratung in  verschiedenen Gremien könnte daraus eine Funktion im Online-Banking werden, mit der sich zu jeder Zahlung der zugehörige Kassenzettel abrufen ließe, wahlweise direkt aus der Cloud während der vorgesehenen Speicherdauer dort oder auf Wunsch aus einem automatisch geführten persönlichen Archiv mit selbst gewählter Speicherdauer und nützlichen Verwaltungsfunktionen zum Beispiel zur Erstellung von Steuererklärungen.

So ungefähr dächten wir über dieses Thema nach, wären wir digital auf der Höhe der Zeit. Wir sind es nicht und zahlen bei vielen Bäckern noch bar. Dazu passt der Bon auf Papier.

PS: Einen Monat später sehen das andere ähnlich. (2019-12-17)

PPS: Weitere anderthalb Monate später diskutiert Deutschland weiter über Kassenbons und zunehmend über digitale Lösungen. (2020-01-29)

PPPS: Das Handelsblatt hat herausgefunden, dass die Bonpflicht zu einem Innovationsschub im Handel führt. (2020-01-30)

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