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Ein neues Ziegenproblem?

Wissenschaft und Rationalismus, das sagt sich so leicht. Sich daran zu halten, ist viel schwerer. Ob in der Wissenschaft oder anderswo, tatsächlich arbeiten wir fast immer mit Heuristiken und Faustregeln. Die sind nämlich einfacher, als sich jedesmal ganz dumm zu stellen – und führen oft genug zum richtigen Ergebnis. Intuition ist eine feine Sache und meistens führt sie auch zum Ziel. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass das manchmal eben doch in die Hose geht.

Anfällig für Irrtümer sind wir, wo uns die Intuition ein falsches, aber plausibles Modell vorschlägt und dieses Modell zu Ergebnissen führt, die mit unseren Vorurteilen übereinstimmen. Dann ist nämlich fast alles konsistent, und wenn uns jemand das Gegenteil zu beweisen versucht, hat er wahrscheinlich das Experiment manipuliert, so vermuten wir. Was die Wissenschaft vom Aberglauben unterscheidet, ist das Bemühen, solche Fälle zu erkennen und gegebenenfalls Irrtümer auch einzugestehen. Faustregeln sind gut, sofern man merkt, wann sie versagen. Ein neues Ziegenproblem? weiterlesen

Erich fragt: Grenzwert für die Zuverlässigkeit einer Höllenmaschine?

Overcoming Bias stellt zwei Fragen, von denen die zweite gut zu uns passt:

(1) What is the probability that the LHC will destroy the visible universe?

(2) For what answers to (1) should the LHC be prevented from operating?

LHC, das ist der Large Hadron Collider, ein Teilchenbeschleuniger. Wie wahrscheinlich es ist, dass diese Maschine einen Weltuntergang auslöst, weiß ich nicht. Ich kann nicht mal erklären, was sie überhaupt tut.

Interessant finde ich jedoch die zweite Frage: angenommen, wir hätten eine verlässliche Angabe der Wahrscheinlichkeit, ab welchem Wert würden wir vom Betrieb der Anlage Abstand nehmen? Null wäre eine naheliegende, aber falsche Antwort, denn null ist nicht mal die Wahrscheinlichkeit, dass das Absenden dieses Blogeintrags eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, die mit totaler Vernichtung endet. Eins wäre ebenso falsch, denn wenn es eine Maschine gibt, die zuverlässig das Universum zerstört, dann ist ihr Besitzer ein Superschurke und wir sind ihm ausgeliefert. Zu sagen hätten wir dann nichts mehr.

Wo also liegt ein sinnvoller Grenzwert für die Funktionswahrscheinlichkeit von Höllenmaschinen?

Erich experimentiert: der freie Fall

Wenn’s der Wahrheitsfindung dient, lege ich mich auch mit der gesamten Physik seit der Erfindung des Steinwurfs an. Nachfolgend dokumentiert ist der experimentelle Nachweis, dass leichte Gegenstände langsamer fallen als schwere. Als bekennender Ungläubiger bin ich selbstverständlich für alle erforderlichen Experimente gerüstet. Falls sich jemand wundert, was das soll: Hintergrund ist eine Debatte, die mit einer Diskussion über Fahrradhelme begann, sich inzwischen aber recht grundsätzlich mit der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie und dem argumentativen Wert wissenschaftlicher Veröffentlichungen beschäftigt.

Als leichten beziehungsweise schweren Gegenstand wähle ich ein Blatt Papier sowie einen handelsüblichen Jonglierball. [Just am Rande des Darmstädter Jongliertreffs begab es sich übrigens vor einiger Zeit, dass Zweifel über die hier behandelte Frage aufkamen. Die anwesenden Physiker waren jedoch in der Lage, diese Zweifel unter Verwendung eines benachbarten Hörsaals und einiger Formeln zu zerstreuen. Dazu muss man allerdings ein paar Grundlagen der Mathematik sowie die Sinnhaftigkeit der gewählten Abbildung des Problems auf die Konzepte der Mathematik glaubenakzeptieren.] Das Experiment erfordert ferner eine Waage sowie zur Dokumentation eine Digiknipse. Die Waage ist ein Familienerbstück, das mir sonst als Staubfänger dient, die Digiknipse ein Spontankauf aus dem Sommer 2005. Erich experimentiert: der freie Fall weiterlesen