Das Vorsorgeprinzip klingt gut, ist aber Bullshit

Jetzt gehen sie sogar Spiegel Online auf den Keks – die Standardargumente der Panikmafia:

„Wir sollten nicht warten, bis eine letztgültige Studie erscheint“

„Wir sollten uns lieber der Sicherheit halber irren, ehe es uns später leidtut.“

Man könne nicht wissen, wie sich die Strahlung nach mehreren Jahrzehnten intensiven Telefonierens auswirke, denn dazu gebe es die Handys noch nicht lange genug.

„Die Frage ist, ob man mit seinem Hirn russisches Roulette spielen will“

„Ich weiß nicht, ob Mobiltelefone gefährlich sind. Aber ich weiß auch nicht, ob sie sicher sind.“

Vorsorgeprinzip nennt man das, und es ist in dieser Form Nonsens. Warum? Die Denkfalle steckt in der Annahme, man könne sich unter völliger Unsicherheit über die Auswirkungen des Handelns dennoch so verhalten, dass positive Wirkungen gegenüber negativen bevorzugt würden. Tatsächlich ist das nicht der Fall. Wir wissen nicht endgültig, ob mehrere Jahrzehnte Mobilfunknutzung zu mehr Krebsfällen führen. Wir wissen aber genauso wenig, ob sich über so einen langen Zeitraum nicht vielleicht positive Wirkungen einstellen, die kurzfristig nicht zu beobachten sind. Das Vorsorgeprinzip kann uns also bestenfalls raten, rechtzeitig Kontrollgruppen zu bilden und zu beobachten, wenn wir denn das Risiko für relevant halten. Aber auch dafür müssten erst Fakten auf dem Tisch liegen. In den meisten Fällen haben wir schlicht keine Ahnung, welche Folgen unser Handeln in ferner Zukunft nach sich ziehen wird. Und ob diese Folgen unter den dann herrschenden Bedingungen überhaupt noch ein Problem sein werden.

Das Vorsorgeprinzip suggeriert, wir könnten uns ohne die leiseste Ahnung von den Zusammenhängen dennoch durch »richtiges« Handeln einen Vorteil in der Zukunft verschaffen. Wer so etwas glaubt, der kann auch einfach beten. Das hätte zudem den Vorteil, dass ein weiteres Problem deutlich wird, nämlich die fehlende Haftung. Gott kann man nicht auf Schadenersatz in Anspruch nehmen, wenn es geruht, ein Gebet zu ignorieren, und das bekommt man auch deutlich gesagt. Mit den Vorsorgeprinziplern verhält es sich ähnlich. Zwar sind ihre Thesen grundsätzlich falsifizierbar – man muss eben lange genug warten –, aber das nützt den Betroffenen wenig. Der unnötige Verzicht aufs Händi mag noch zu verschmerzen sein, aber Entscheidungen der ganzen Gesellschaft mit erheblichen Auswirkungen auf das Leben vieler darf man nicht so sorglos an windige Verweise auf eine bessere Zukunft knüpfen. Denn damit entzöge man sich jeder Verantwortung, wenn man es geschickt anstellt auf Lebenszeit, ist das große Ziel oder die Stunde der Wahrheit nur weit genug entfernt.