#WirHabenJaSonstNichtsZuTun

Wo sind eigentlich die ganzen Schlaumeier geblieben, die bei jeder Videokamera einen Generalverdacht wittern und der automatischen Gesichtserkennung Untauglichkeit zur Fahndung nach Terroristen vorwerfen, weil sie unvermeidlich mehr falsche als wirkliche Terroristen melde?

Gegenwärtig reden wir über Ausgangssperren zur Bekämpfung eines Virus, das einen Bevölkerungsanteil in der Größenordnung von einem Promille befallen hat. Ein Corona-Soforttest mit hoher Falsch-Positiv-Rate fände vermutlich breite Akzeptanz, wenn man mit seiner Hilfe eine knappe Mehrheit – oder vielleicht sogar eine genügend große Minderheit – der Bevölkerung von Einschränkungen befreien könnte.

Von welchen Axiomen muss man ausgehen und welche Unterschiede zwischen beiden Szenarien berücksichtigen, um mit einem logisch konsistenten Weltbild eine automatische Fahndung wegen begrenzter Zuverlässigkeit abzulehnen, erhebliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der persönlichen Freiheit zur Virusbekämpfung hingegen zu befürworten?

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#WirHabenJaSonstNichtsZuTun regt zum Zeitvertreib Grundsatzdiskussionen an

6 Kommentare zu „#WirHabenJaSonstNichtsZuTun

  1. Ein Corona-Soforttest mit hoher Falsch-Positiv-Rate fände vermutlich breite Akzeptanz, wenn man mit seiner Hilfe eine knappe Mehrheit – oder vielleicht sogar eine genügend große Minderheit – der Bevölkerung von Einschränkungen befreien könnte.
    In so einem Szenario würde ich etwas anderes vermuten: Wenn die eine Hälfte des Landes de facto eingesperrt bliebe, würden alle in dieser Gruppe, die sich selbst nicht krank fühlen, sich für false positives halten und es der anderen Hälfte neiden, dass sie wieder im sonnigen Biergarten schunkeln darf. Diese Repressalien lassen sich (ebenfalls nur eine Vermutung) leichter ertragen, wenn sie für alle gelten. Dass/wenn die resultierende Solidarität auch nur egoismusbasiert ist (ich darf nicht raus, aber du auch nicht, ätsch), macht ja fürs Ergebnis keinen Unterschied.

  2. Ich muss mich selbst noch mal ein bisschen weiterdenken: Was ich oben geschrieben habe, ist eine kurzfristige Überlegung. Mittelfristig brauchen wir wohl auf jeden Fall Verfahren, mit denen sich (nach Möglichkeit ohne allzu hohe Falsch-Positiv-Quote) Hochrisikogruppen von weniger Gefährdeten separieren lassen, damit der Reaktorblock Deutschland kontrolliert wieder anfahren kann, sozusagen. Wenn wir den aktuellen Restriktionszustand dazu nutzen, uns dafür eine vernünftige Strategie auszudenken, wäre IMHO viel gewonnen.

    1. Sich auf die besonders Gefährdeten zu konzentrieren, ist aber auch problematisch. Dann kämen wir schnell in die Nähe der Schutzhaft, respektive -quarantäne. Wenn, dann müsste man Maßnahmen schon auf die Gefährder anwenden, also auf wahrscheinlich Infizierte. Die wählen ihr Schicksal zwar auch nicht freiwillig, aber wenigstens könnte es jeden treffen.

      1. Stimmt. Zudem müsste die besagte Separation auch eine relativ milde sein (wie auch immer das gehen soll), keine absolute Isolation: Weil wir hier i.W. über die Generation Ü60 sprechen – und die hält in gewisser Hinsicht „den Laden am Laufen“, nämlich durch Kinderbetreuung, Ehrenämter etc.. Wenn also Oma und Opa weiter in Quarantäne bleiben müssen, funktioniert der Rest voraussichtlich auch nicht ordentlich …

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