CoronApp-News November 2020

Wir sind jetzt nicht mehr so stolz auf unsere heimische Pandemiebekämpfung wie vor einigen Monaten und blicken mit einer Mischung aus Neid und Abscheu auf jene Länder, die es besser hinbekommen. Deren Erfolgsgeheimnis liegt wohl nicht in besseren Apps, sondern zum Beispiel in konsequenterer Quarantäne. Wie geht’s den Corona-Apps, die uns erlösen sollten?

  • Die Corona-Warn-App wird langsam weiterentwickelt.
    • Seit einigen Tagen ruft sie Benachrichtigungen mehrmals täglich vom Server ab. Unter der Haube wird das zugrundeliegende Exposure Notification Framework weiterentwickelt, so dass es künftig präzisere Informationen liefert.
    • Geplant sind für die nächste Zeit Erinnerungen, falls ein vorliegendes Testergebnis noch nicht geteilt wurde, Informationsangebote in der App als Anreiz, sie regelmäßig zu öffnen (Aber wozu?), eine Kontakttagebuchfunktion sowie nun doch auch eine Funktion zum Check-In in Restaurants etc. per QR-Code. Oder doch nur Links auf externe Angebote, mit denen das bereits geht? Wir werden sehen.
    • Nerds hatten für die Clusterverfolgung auf den Ansatz CrowdNotifier gehofft, doch der ist nur theoretisch geil, weil es in der Praxis auch für Menschen ohne App funktionieren muss, gerade bei Cluster-Ereignissen. Merkt man hat nicht, wenn man nur auf die Technik schaut.
  • Bastler mit Android-Geräten können jetzt eine Version der Corona-Warn-App verwenden, die ohne Google-Services auskommt und die an Googles Appstore vorbei installiert werden kann und muss.
  • Auch diesen Monat gibt es wieder technische Probleme Unannehmlichkeiten. Auf Geräten mit den nicht ganz frischen Android-Versionen 6 bis 7.1 funktioniert die Coroa-Warn-App gerade nicht. Zuvor und unabhängig davon gab es eine Sicherheitslücke im Server-Backend; ein Angreifer hätte darüber eigenen Programmcode einschleusen und auf dem Server ausführen lassen können. Anscheinend hat dies jedoch niemand versucht und alle sind stolz wie Oskar, dass sie die Lücke gefunden und behoben haben.
  • Ein heißes Thema bleibt der bisher wohl geringe Nutzen der App und die Frage, was man dagegen tun könne.
  • Einen Schuldigen haben viele bereits ausgemacht: den Datenschutz, das ungeliebte „Supergrundrecht“. In Wirklichkeit ist es wohl eher die Freiwilligkeit nicht nur der App-Nutzung, sondern auch vieler anderer Maßnahmen bis hin zur Quarantäne, die nicht ausreichend durchgesetzt werden. Die Freiwilligkeit betonen jedoch gerade jene, die auch Kompromisse beim Datenschutz ablehnen. Man mag die Forderung nach Datenschutzlockerungen für ein Zombieargument halten, doch davon verschwindet nicht der berechtigte Eindruck, dass die Corona-Warn-App in erster Linie Daten schützt, aber wenig gegen die Pandemie tut, oder dass die Einschränkung anderer Grundrechte einen leiseren Aufschrei verursacht. Auch sollte sich so eine Diskussion nicht auf die Corona-Warn-App fokussieren, sondern müsste ebenso fragen, wieso wir überhaupt so große Hoffnungen in diese Lösung gesetzt haben oder warum wir andere Länder nicht für Vorbilder halten sollen.
  • Die Forderung nach extremem Datenschutz wird in Bezug auf die Corona-Warn-App gerne damit begründet, er sei für das Nutzervertrauen essenziell und damit Voraussetzung für deren Akzeptanz. Ganz so einfach ist es wohl nicht. Die real existierende Corona-Warn-App wird dennoch wegen Datenschutzbedenken abgelehnt und in Wirklichkeit treiben persönliche Befindlichkeiten die Nutzung oder Nichtnutzung.
  • Seit sich zeigt, dass die Corona-Warn-App keine Wunder wirkt, rückt endlich die – den Sommer über offenbar nicht verbesserteIT-Ausstattung und Organisation der Gesundheitsämter ins Blickfeld. Nun sollen sie doch endlich alle SORMAS bekommen, aber mitten in der zweiten Welle ist ein schlechter Zeitpunkt, um neue Software einzuführen. Hier und da hat man auch selbst etwas entwickelt. Hätte uns doch nur rechtzeitig jemand gesagt, dass es SORMAS gibt, dass digitale Unterstützung der Pandemiebekämpfung verschiedene Formen annehmen kann und dass es auf die Anforderungsanalyse ankommt und nicht auf Architekturideologie.
  • Noch weniger Erfolg als die Corona-Warn-App hat die Datenspende-App des RKI. Dafür war sie schnell verfügbar und wirbelte wenig Staub auf. Eigentlich ein gelungenes Experiment, auch wenn das Ergebnis enttäuscht. Sollten wir öfter machen.
  • Die digitale Einreiseanmeldung ist keine App geworden, sondern eine einfache Website.
  • Mit der Aussicht auf bald beginnende Impfungen kommen auch digitale Impfpässe näher. Besonders die Luftfahrt hat Interesse an leicht und schnell zu prüfenden Impfnachweisen. Da alle Datenschutzaktivisten damit beschäftigt sind, die Corona-Warn-App zu verteidigen, könnte das ohne große Diskussion durchgehen.
  • Zu guter Letzt werden die britischen Apps zur Kontaktverfolgung miteinander vernetzt. Man könnte fast meinen, das Vereinigte Königreich wäre eine kleine EU.

Eigentlich ist also alles wie immer: Digitalisierung und Seuchenbekämpfung verkackt, Datenschutz hochgehalten, und weiterwurschteln. Bis zum nächsten Mal – am 31.12. feiert Covid-19 seinen ersten Geburtstag – wird sich daran wenig ändern.

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