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Geisterfahrerzählung

Wieviele Geisterfahrer gibt es eigentlich? Der ADAC hat gezählt:

»Im Zeitraum von Dezember 2008 bis Dezember 2009 seien demnach 2800 Falschfahrer im Radio gemeldet worden. Bei den zwölf Unfällen, die dadurch verursacht worden seien, hätten insgesamt 20 Menschen ihr Leben verloren.«

(Spiegel Online: Geisterfahrer: Plötzlich falsch unterwegs)

Das sind ungefähr siebeneinhalb pro Tag, bundesweit. Mancher Radweg schafft diesen Wert pro Minute.

Teufelsaustreibung

Die Idee ist ja nicht blöd. Ein Auto, das in Wirklichkeit ein mobiler Computer mit eigener Stromversorgung ist, möchte man auf eine definierte und zuverlässige Weise in einen sicheren Zustand versetzen können. Das bedeutet während der Fahrt in etwa1, dass man alle Teilsysteme abschalten möchte, die man nicht zum Bremsen, Lenken oder der direkten Kommunikation mit der Umgebung benötigt. Fraglich ist allerdings, ob dem Fahrer im Panikfall diese Prozedur einfällt:

»Toyota erwäge, den Startknopf derart umzubauen, dass ein dreimaliges Drücken den Motor ausschaltet, sagte ein Konzernsprecher.«

(Welt Online: Fahrsicherheit: Toyota plant Not-Aus für seine Autos)

Die ist willkürlich, man müsste sie also erst einmal lernen, und zwar nicht im Vorbeigehen aus einem Handbuch sondern wie in der Fahrschule durch Üben. Und das für jedes Modell oder wenigstens für jeden Hersteller neu, solange es keinen Standard gibt.

Ein wirksames Not-aus geht anders. Man baut ein großes rotes Bedienelement an eine standardisierte, gut erreichbare Stelle. Vorbilder für das User Interface gibt es in jeder Straßenbahn und in jedem Eisenbahnwagen: die Notbremse. Dreimal Drücken ist Blödsinn.

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1 Die korrekte Lösung kann im Detail sehr viel komplizierter sein. Wer darüber nachdenken möchte, könnte zum Beispiel bei den Abhängigkeiten der Teilsysteme untereinander anfangen.

Unterschätzte Risiken: Händis

Ich werde wohl nie begreifen, wie man sich von einem Stück Technik bis zur Idiotie herumkommandieren lassen kann:

»Auf einem unbeschrankten Bahnübergang bei Münchhausen ist am Dienstag auf der Strecke Marburg-Frankenberg ein Zug mit einem Auto zusammengestoßen.
(…)
Der Führerschein-Neuling sagte aus, sein klingelndes Handy habe ihn abgelenkt, deshalb habe er den Zug übersehen.«

(HR: Handyklingeln führt zu Zugunfall)

Unterschätzte Risiken: Parken ohne Helm

Echo Online berichtet aus Mörfelden-Walldorf:

»Schwere, aber nicht lebensbedrohende Schädelverletzungen hat sich ein 77 Jahre alter Autofahrer am Montag gegen 16.55 Uhr bei einem Verkehrsunfall in der Oderstraße zugezogen. Wie die Polizei erst jetzt mitteilt, hatte der Mann nach dem Parken bemerkt, dass der Schlüssel seines Wagens noch steckte. Als er diesen von der Beifahrerseite aus abziehen wollte, drehte er ihn in die falsche Richtung und betätigte den Anlasser …«

Beim Parken vom eigenen Auto überrollt zu werden ist schon eine Leistung.

Unterschätzte Risiken: Leitplanken

Leitplanken sind eine feine Sache. Sie halten ein außer Kontrolle geratenes Fahrzeug auf seiner Fahrbahn und können so zwar keinen Unfall verhindern, aber oft die Folgen reduzieren. Dass ihre Wirkung Grenzen hat, sieht man regelmäßig bei Lkw-Unfällen. Sie können aber auch zu den Unfallfolgen beitragen, etwa wenn jemand ein Auto baut, das sich unter die Leitplanke schiebt:

»Der Fahrer geriet gegen 3 Uhr mit seinem Cabrio-Sportwagen bei hoher Geschwindigkeit ins Schleudern und verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen drehte sich und schob sich auf einer Länge von etwa 50 Metern unter die Leitplanke.«

(HR Online:
Erlkönig verunglückt: Porsche-Tester rast in den Tod)

Gut, dass sie das bei einer Testfahrt gemerkt haben.