Archiv der Kategorie: Fundbüro

Freudscher Versprecher?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt:

»“Die Sicherheit hat sich um Quanten erhöht“, meint Matthias Merx von der Bundesdruckerei in Berlin, wo die deutschen Pässe und Personalausweise hergestellt werden.«

(Spiegel Online über Fingerabdrücke im Reisepass)

»In physics, a quantum (plural: quanta) is an indivisible entity of energy.«

(Wikipedia über Quanten)

»Ein Quant (Wirtschaft) ist die Beschreibung für die kleinste, innerhalb eines Lagers adressierbare, Einheit.«

(Wikipedia über Quanten)

Quanten sind also das Kleinste, was man sich vorstellen kann, und um diese subatomare Größenordnung hat sich unsere Sicherheit durch die erkennungsdienstliche Behandlung auf dem Meldeamt erhöht. Sagt Herr Merx von der Bundesdruckerei, und der muss es wissen, denn in der Bundesdruckerei werden die Fingerabdrücke auf den Chip gebrannt.

MovieOS?

»Es war gegen 17 Uhr im gemeinsamen Internetzentrum der deutschen Sicherheitsbehörden in Berlin, als ein Experte fündig wurde. Über eine Internetseite, die schon vorher von Sympathisanten der Islamischen Dschihad Union aus Usbekistan(Islamic Jihad Union, IJU) benutzt wurde, flimmerte plötzlich ein langes Kommuniqué der noch weitgehend mysteriösen Gruppe.«

(SPIEGEL ONLINE)

So ein Drehbuch muss man einfach verfilmen, nicht wahr?

Nazis gucken macht Spaß

Oliver in seiner Eigenschaft als PR-Mann des Fraunhofer SIT meint, das Institut müsste eine Linking Policy haben für den Fall, dass mal Nazis auf die Fraunhofer-Seiten linken. Ich halte das für Quatsch, unter anderem deshalb, weil es viel größeren Ärger gibt, wenn wir auf Nazis linken. Ein Link ist nämlich gerichtet und sagt mehr über seine Quelle als über das Ziel aus: an der Quelle wird er bewusst gesetzt, während das Ziel meist gar nichts weiß von seinem Glück. Das haben sogar die Juristen verstanden und manchmal überinterpretiert, indem sie dazu neigen, aus jedem Link gleich eine Unterstützung und Verbreitung der Inhalte seines Ziels zu konstruieren. Aber ich wollte nicht labern, sondern Nazis verlinken. Also:

Kürzlich gab es mal wieder Geschrei um Nazis im Netz, genauer um Nazi-Videos auf YouTube. Google gelobte Besserung, das heißt schnellere Beseitigung, und erneut war eine Chance auf mehr politische Bildung dank Internet unbedacht vertan. Auch wenn es eklig ist, sollte man sich so etwas nämlich durchaus mal reinziehen. Dann weiß man, wie die Leute ticken und kann ihnen intelligent eins auswischen, falls sie sich vor der Keilerei noch auf eine Diskussion einlassen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit der Zahl der Parlamanete, in die Nazis gewählt wurden; im Parlament prügelt man sich auch als Nazi normalerweise nicht.

Sehr aufschlussreich ist zum Beispiel dieses Video (NSFWNot Safe For Work, lieber dort gucken, wo es keiner in den falschen Hals kriegen kann). Frank Rennicke, Nazi-Sänger und verurteilter Volksverhetzer, lässt sich darin eine gute Viertelstunde lang darüber aus, wie scheiße Nazis doch in Wirklichkeit sind, wie wenig sie taugen, als Menschen im Allgemeinen wie als Nazis im Besonderen, und dass sie sich gefälligst Organisation und Kameradschaft von den Ausländern abgucken sollen. Richtig gelesen, von den Ausländern. ROTFL! Das ist uneingeschränkt sehenswert. Ganz großes Kino. Zitat: »Die wollen Deutschland retten?!?« Da muss man selbst gar nichts mehr sagen, wenn sich Nazis darüber aufregen, wie Nazis Nazis zerfleischen.

So, und jetzt bin ich gespannt, wie lange dieser Versuch hier stehenbleibt.

Verschwörungstheorie und -praxis

Eigentlich wollte ich nur mal schnell nachschauen, wie man in unseren Nachbarländern berichtet. Grund genug gibt es ja: eine seit Mai öffentlich bekannte Terrorzelle, von der der BKA-Chef im FAZ-Interview am Tage nach ihrer Verhaftung noch nichts weiß, ein filmreifes Szenario der heimlichen Verdünnung von Sprengstoffzutaten und eine zweifelhafte Usbekistan-Connection. Mal davon abgesehen, dass es allerlei Sprengstoffe gibt, die sich genauso leicht herstellen und viel einfacher handhaben lassen als alles, was man aus Wasserstoffperoxid machen könnte.

Gefunden habe ich das. In der Schweiz ist ein erfolgreiches Komplott gegen den dortigen Bundesanwalt hinterher doch noch aufgeflogen. Die Planung war professionell, als Waffe dienten die Medien. Man hat ihn weichgeklopft, er ist zurückgetreten.

Wundert sich noch jemand darüber, dass inzwischen ein nennenswerte Teil der Bevölkerung unsere Sicherheitsbehörden für eine größere Bedrohung hält als den Terrorismus?

Verschlüsseln für Historiker

So einfach sind Sicherheitsanalysen, wenn man das Jahr 1960 schreibt und in der DDR sitzt:

»In den erstrangigen Chiffrierverkehren findet ein Blockverfahren, die sog. Staatschiffre, Anwendung. Die Schlüsselunterlagen werden von der Sowjetunion geliefert. Das Verfahren hat eine absolute Sicherheit.«

(Bericht über die Lage im Chiffrierwesen, 20. Januar 1960; Hervorhebung von mir)

Die Schlüssel kamen aus der Sowjetunion, die mussten sicher sein. Alles andere wäre undenkbar gewesen. Und vor dem großen Bruder im Osten hatte man sowieso keine Geheimnisse zu haben. Wer den Bericht zuende liest, wird allerdings merken, dass den Genossen diese Situation keineswegs angenehm war. Da die Sowjets nichts liefern wollten, was zu mehr Eigenständigkeit beigetragen hätte, erwog man sogar den Kauf von Technik aus dem Westen.

Zu finden ist diese Stilblüte in einer umfangreichen Materialsammlung über das Chiffrierwesen der DDR. Die Navigation ist ein wenig unübersichtlich, aber es gibt ein Inhaltsverzeichnis. Zu finden sind dort allerlei Beschreibungen manueller Verfahren, Dienstvorschriften und Richtlinien, Informationen über Chiffriergeräte und Lehrmaterial. Die heilige Dreifaltigkeit von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit findet sich dort auch wieder:

»Die Sicherheit des Nachrichtensystems kennzeichnet seine Fähigkeit, in Abhängigkeit von seiner Resistenz gegen Aufklärung und seiner Imitationssicherheit, allen Aufklärungsarten des Gegners standzuhalten und der Desorganisation, der Desinformation sowie dem nichtsanktionierten Zugriff zu Nachrichten innerhalb des Nachrichtensystems entgegenzuwirken.«

Am Ende sind die Jungs aber wohl auch nur bei DES gelandet.

Update: Umgezogen nach scz.bplaced.net.

Onlinedurchsuchung (Betaversion)

Falls sich jemand immer noch nicht vorstellen kann, was eine Online-Durchsuchung sein soll und woran sie scheitern kann:

»(…) Allerdings war dieser Client Spyware – er durchsuchte auf den installierten Rechnern die Festplatten und meldete die Ergebnisse über das Internet weiter. Zeropaid, die den Effekt in Zusammenarbeit mit ThePirateBay entdeckten, ermittelten durch eine einfache Whois-Anfrage, dass die Site auf MediaDefender eingetragen war. Das kalifornische Unternehmen ist dafür bekannt, dass es gefälschte Torrents anbietet, mit denen IP-Adressen und Daten von Nutzern ermittelt und an die Medienindustrie weitergereicht werden. (…)«

heise online – Anti-Filesharing-Dienstleister MediaDefender bot Spyware-Client an

Unterschätzte Risiken: Johannisbeermarmelade und Rote Beete

Wer wirklich sicher sein will, der muss mit allem rechnen:

»Mit eingewecktem Obst und Gemüse wurde ein 62-Jähriger am Montag in Altlindenau beworfen. (…)

Zunächst warf ein Unbekannter eine Portion Johannisbeermarmelade in den Raum, welche einen großen Fleck auf der Auslegware verursachte. Noch bevor dieses Übel beseitigt werden konnte, folgte ein Glas Rote Beete und landete ebenfalls auf dem Teppich. Die umherfliegenden Stücke und Spritzer verunreinigten dabei sowohl die Auslegware als auch Wände und Büromöbel. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich auf rund 2000 Euro.«

(Leipziger Volkszeitung – www.lvz-online.de, 2007-07-04)

Hand aufs Herz, wer wäre von selbst auf dieses Angreifermodell gekommen?

Virtuelle Gesetzeslücken

Wenn der Gesetzgeber mal nicht weiß, was seine Gesetznehmer so treiben, dann fragt er seine Wissenschaftlichen Dienste. Die erklären ihm die Welt. Zielgruppengerecht, versteht sich:

»Mit der wachsenden Bedeutung von Second Life nimmt auch die geäußerte Kritik zu. Als größtes Problem erscheint vielen Teilnehmern die virtuelle Gesetzlosigkeit, die dazu führt, dass es vermehrt „Verbrechen“ wie unerlaubten Waffengebrauch, sexuelle Belästigung oder massives Mobbing innerhalb des Second Life gibt. Auch nimmt der Anteil an pornografischen Darstellungen zu, Glücksspiele sind weit verbreitet.«

(Fundstelle: Der Aktuelle Begriff vom 14.03.2007 [PDF])

Welcher Ausschuss des Bundestages ist eigentlich für Spielzeug zuständig? Am schönsten finde ich ja den unerlaubten Waffengebrauch. Virtuelle Spielzeugpistolen sind immehin gleich doppelt irreal, da muss man erst mal drauf kommen.