Archiv der Kategorie: Biometrie

Tarnschminke

Ähnliche Probleme führen zu ähnlichen Lösungen. Wer gedient hat, kennt das: bevor es raus geht in die Natur, malt man sich oliv-braun-schwarze Flecken ins Gesicht. Das dient der Tarnung, denn in seiner natürlichen Färbung fällt es im Wald leicht auf. Zivilisten haben inzwischen an anderer Stelle ein ähnliches Problem, sie werden überall gefilmt. Nicht gegen das Filmen an sich, aber gegen eine nachfolgende Gesichtserkennung können sie sich vielleicht schützen – mit Tarnschminke. Wie das geht, untersucht Adam Harvey. (via Surveillance Studies)

Unterschätzte Risiken: Leichtgläubigkeit

Wenn sich ein Verbrecher Patrick nennt, dann bleibt der Polizei nichts anderes übrig, als alle Patricks in der Umgebung des Tatortes zu gentesten. Dass die Spur falsch, gar eine gezielte Irreführung sein könnte, auf die Idee kam man offenbar nicht:

»Hunderte Männer namens Patrick hatte die Wiesbadener Polizei nach der Vergewaltigung einer 17-Jährigen überprüft. Knapp zwei Jahre später hat sie den Täter gefunden – per Zufall. Patrick heißt er nicht.«

(HR: Zufallstreffer: Vergewaltiger heißt doch nicht Patrick)

Es sei nicht auszuschließen gewesen, dass der Name richtig sei. Dass die DNS-Rasterfahndung Blödsinn sein könnte, war offensichtlich aber auch nicht auszuschließen.

Unterschätzte Risiken: Amtsanmaßung

Das Darmstädter Echo meldet:

»Nicht wenig überrascht war der Inhaber eines Betriebes im Bruchwiesenweg, als am Mittwoch um 10 Uhr zwei angebliche Zollbeamte in seiner Firma auftauchten. Die Männer präsentierten ihm einen Durchsuchungsbeschluss und einen auf ihn ausgestellten Haftbefehl. Sie durchsuchten das Büro und konfiszierten mehrere tausend Euro Bargeld, Schmuck und Aktenordner. Der Firmenchef wurde daraufhin gebeten, sich gute Kleidung anzuziehen, da man zusammen in der Bank den Safe überprüfen wolle. Während sich der arglose 68 Jahre alte Mann umzog, suchten die falschen Zöllner das Weite.«

Unsere Empfehlung: verlangen Sie vor der Durchsuchung einen biometrischen Ausweis und prüfen Sie, ob der Fingerabdruck des vermeintlichen Beamten zum gespeicherten Muster passt. Wer sich unter einem Vorwand weigert, ist kein Beamter, sondern Terrorist.

Freudscher Versprecher?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt:

»“Die Sicherheit hat sich um Quanten erhöht“, meint Matthias Merx von der Bundesdruckerei in Berlin, wo die deutschen Pässe und Personalausweise hergestellt werden.«

(Spiegel Online über Fingerabdrücke im Reisepass)

»In physics, a quantum (plural: quanta) is an indivisible entity of energy.«

(Wikipedia über Quanten)

»Ein Quant (Wirtschaft) ist die Beschreibung für die kleinste, innerhalb eines Lagers adressierbare, Einheit.«

(Wikipedia über Quanten)

Quanten sind also das Kleinste, was man sich vorstellen kann, und um diese subatomare Größenordnung hat sich unsere Sicherheit durch die erkennungsdienstliche Behandlung auf dem Meldeamt erhöht. Sagt Herr Merx von der Bundesdruckerei, und der muss es wissen, denn in der Bundesdruckerei werden die Fingerabdrücke auf den Chip gebrannt.