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35 Meilen

Und so gehen pragmatische Amerikaner mit rauchenden Vulkanen um:

„In den USA zieht man bei einem Ausbruch einfach einen Sperrkreis von 35 Meilen um den Vulkan und geht ansonsten davon aus, dass auch in größerer Entfernung niemand durch die sichtbare Aschewolke fliegt“, sagte indessen ein ranghoher Branchenvertreter, der nicht genannt werden wollte, dem Tagesspiegel. „Die Amerikaner müssen sich über die Europäer totgelacht haben.“

(Tagesspiegel: Flugverbot – die Branche flucht)

60μg/m³

60μg/m³ betrug die Feinstaubkonzentration, die man am Montag 4 Kilometer über Leipzig maß. [Update: Wenn man von der Seite guckt und ein Pfeil dran ist, kann man diese Konzentration auch sehen.] Der Luftdurchsatz der Triebwerke eines modernen Verkehrsflugzeuges liegt bei etwa 1000 bis 1300kg/s für alle Triebwerke zusammen. Ganz grob überschlagen wiegt ein Kubikmeter Luft ungefähr ein Kilogramm. Das Nebenstromverhältnis ziviler Mantelstromtriebwerke liegt bei 5:1 bis 9:1, das heißt 1/9 bis 1/5 der angesaugten Luft gelangen in die Brennkammer.

P.S.: Die Luftqualitätsrichtlinie der EU erlaubt als Tagesmittelwert höchstens 50μg/m³ bei bis zu 7 Überschreitungen pro Jahr und als Jahresmittelwert 20μg/m³.

P.P.S.: Das DLR schreibt zum Messflug vom Montag:

»Die gemessenen Konzentrationen von großen Partikeln in den Vulkanschichten lagen bei Werten, die typisch in Sahara-Staubschichten beobachtet werden. Sie lagen jedoch niedriger, als die Konzentrationen von großen Partikeln, die in einer verschmutzten bodennahen atmosphärischen Grenzschicht gemessen werden.«

(Bericht zum Falcon Messflug am 19. April 2010)

Die Zusammenfassung des Berichts sagt nach meinem Verständnis: der Staub war messbar, aber nicht ungewöhnlich.

P.P.P.S.: Erste Schätzungen drei Tage vor dem Messflug lagen um eine Größenordnung höher bei etwa 600 bis 1000μg/m³. Das wären dann — vielen Dank an die rechnenden Leser — anderthalb bis zwei Pfund Staub in der Stunde.

Unterschätzte Risiken: Sicherheitstheater

Wenn das stimmt, wäre es eine große Ironie: das Sicherheitstheater am Flughafen lässt Flugzeuge als gut bewacht gelten und macht sie damit als Angriffsziel erst interessant.

»Und zuletzt sind Flugzeuge ein sehr symbolisches Anschlagsziel, weil sie gut bewacht sind. Die Terroristen schicken eine Botschaft: „Selbst in der Luft seid ihr nicht vor uns sicher.“«

(Spiegel Online: Flugsicherheit: „Ich will den bösen Jungs keine Nachhilfe geben“)

Das ist natürlich nur einer von vielen Faktoren, der Artikel zählt weitere auf, etwa die verstärkte Wirkung einer vergleichsweise kleinen Bombe, wenn sie in zehn Kilometern Höhe in einer Druckkabine gezündet wird. Dennoch stellt sich die Frage, wie man so einen Faktor sinnvoll optimiert und ob Sicherheit insgesamt nicht einfach nur Voodoo und Aberglaube ist.

7.015.630.000-mal FKK für einen Terroristendarsteller

Irrationale Debatten um Sicherheitsutensilien werden anscheinend zur neuen Jahreswechselmode. Erregte vor einem Jahr der Skihelm die Medien, ist es diesmal der Nackigscanner. Eigentlich gibt es für die Debatte nicht einmal einen richtigen Anlass. Auslöser war ein unbeholfener, gescheiterter Anschlagsversuch in einem Flugzeug. Passiert ist nichts, deshalb brauchen wir neue Sicherheitsgroßtechnik?

Gewiss, wir reden über Konjunktive — hätte, könnte, wäre — wie in jeder Risikobetrachtung. Aber wir haben auch Daten: um mit derselben Wahrscheinlichkeit an Bord eines Flugzeuges Terrorismus zu erleben, mit der man am Boden vom Blitz getroffen wird, muss man im Jahr mehr als zwanzigmal fliegen. Und darin sind noch die gescheiterten Anschlagsversuche enthalten. Mit anderen Worten, selbst Vielflieger haben kaum eine realistische Chance, an Bord eines Flugzeuges zum Terroropfer zu werden.

Doch das liegt sicher nur an den bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen, den konfiszierten Wasserflaschen und Nagelscheren, nicht wahr? Nein. Terroristen haben keinen Grund, unsere Selbstmordbomber-an-Bord-Fixierung zu teilen. Im Gegenteil, kluge Terroristen werden etwas anderes tun als beim letzten Mal. Die Schlange vor der Sicherheitskontrolle zum Beispiel, mit Absperrbändern in die Fläche gefaltet, eignet sich vorzüglich für einen Selbstmordanschlag mit Sprengstoff. Doch Terrorismus ist so selten, dass wir auch dort keine Angst haben müssen.

Sicherheit im Flugzeug

Wer sich für Sicherheit beim Fliegen interessiert, der ist bei Patrick Smith gut aufgeehoben. Den hatten wir hier schon einmal zum Thema Sicherheit auf Flughäfen. Als Pilot kann er aber noch mehr erklären, nämlich zum Beispiel:

  • Wie gefährlich die Benutzung von Mobiltelefonen an Bord wirklich ist,
  • Warum Passagierflugzeuge kein Fallschirme für Passagiere mitführen,
  • Was wir aus dem glimpflich ausgegangenen Brand eines Flugzeugs in Japan lernen können, und zwar zum einen als Passagiere, zum anderen als Medienkonsumenten, oder
  • Was es mit »zu kurzen« Landebahnen auf sich hat.

Als gelegentlicher Fluggast wünsche ich mir allerdings etwas mehr Transparenz, was den Sinn einzelner Sicherheitsmaßnahmen betrifft. Vielleicht nicht als Bestandteil der üblichen Einweisung durch das Kabinenpersonal, aber doch so deutlich, dass sich nicht allzu viel Bullshit in den Köpfen verbreitet. Warum muss erst jemand Kolumnen schreiben, damit wir die Dinge erklärt bekommen?

Deutschsprachige Kompetenz zum Thema findet man übrigens in der Usenet-Newsgroup de.rec.luftfahrt, in der sich auch einige Piloten herumtreibeen.

Flughafensicherheit

Auf dem Wortfeld wachsen Links zu zwei Orten, an denen Airline-Insider ihre Ansichten verbreiten. Natürlich geht es dort auch um die mehr oder minder sinnvollen, auf jeden Fall aber sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen. Das Thema scheint gerade wieder aktuell zu sein, deshalb eine erweiterte Linksammlung:

Guten Flug!