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Compliance leicht gemacht

Microsoft hat den .NET Messenger für Nutzer in Kuba, Syrien, Iran, Sudan und Nordkorea gesperrt. Diese Länder unterliegen einem Embargo der Vereinigten Staaten; US-Firmen dürfen mit ihnen keine Geschäfte machen. Manche finden das hirnrissig (das ist es auch, aber es ist Gesetz), während andere die Umsetzung für hirnrissig halten. Microsoft benutzt nämlich einfach die im Profil hinterlegte Landeseinstellung des Nutzers, und die ist frei wählbar.

Diese Implementierung ist aber nicht hirnrissig, sondern vollständig rational und typisch für Compliance-Probleme. Security dreht sich um die Lösung eigener Probleme, die Durchsetzung eigener Interessen mit technischen und organisatorischen Mitteln. Diese Mittel sollen – im Rahmen des jeweils vertretbaren Aufwandes – effektiv sein, also böswillige Angriffe tatsächlich abwehren. Dabei besteht ein direkter Zusammenhang zwischen den erwarteten Schäden durch Angriffe und dem vertretbaren Aufwand.

Compliance hingegen erfordert die Wahrung fremder Interessen, auferlegter Regeln und Anforderungen. Zu eigenen Interessen eines Unternehmens werden sie erst aufgrund angedrohter Zwangsmaßnahmen. Effektivität ist auch hier das Ziel, aber maßgeblich sind nun nicht mehr die direkten Auswirkungen, sondern die angedrohten. Die sind willkürlich festgelegt.

Ein Unternehmen, das Compliance erzielen möchte beziehungsweise muss, wird deshalb jeweils zum einfachsten und billigsten Mittel greifen, das die angedrohten Zwangsmaßnahmen genügend zuverlässig abwehrt. Dieses Mittel muss keinen realen Effekt haben. Es muss lediglich die Kontrolleure zufriedenstellen. Die Lösung von Microsoft für das Compliance-Problem des Messengers leistet dies vermutlich.

Das tatsächliche Problem ist damit vorerst gelöst. Ob Kubaner, Sudanesen oder Nordkoreaner mit dem .NET Messenger chatten, ist dagegen nur ein Scheinproblem. Ohne Compliance-Zwänge wäre es Microsoft einfach egal. Aus geschäftlicher Sicht gäbe es keinen Grund darüber auch nur nachzudenken.