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Die Schwächsten

»Im Übrigen glaube ich, dass wir mit der Radhelmpflicht bei den schwächsten Verkehrsteilnehmern beginnen sollten.«

Christian Carius (CDU), Verkehrsminister in Thüringen

Bei wem sollte man unsinnige Gängelung auch sonst einführen? Natürlich tut man das bei denen, die sich am wenigsten wehren werden, eben bei den Schwächsten. Um deren Sicherheit geht es dabei nicht, sondern um die willkürliche Verordnung einer Kopfbedeckung. Fast die Hälfte der im Straßenverkehr getöteten Kinder unter 15 stirbt im Auto, ein weiteres Viertel auf dem Fahrrad. Doch einen Autohelm für Kinder fordert niemand. Insgesamt verunglückte 2010 etwa dieselbe Anzahl von Kindern in Kraftfahrzeugen bzw. auf Fahrrädern. Das Todesrisiko beim Mitfahren in einem Auto liegt also pro Unfall weit höher als jenes auf dem Fahrrad. Und das trotz dem Umstand, dass typische Radverkehrsführungen ihre Benutzer an jeder Kreuzung in Gefahr bringen, wie neben jedem Radfahrer inzwischen auch die Berliner Polizei weiß:

»Allerdings sieht die Polizei auch eine „Hochrisikogruppe“ bei den Radfahrern. „Es ist die Zahl derjenigen, die sich auf ihre Vorfahrt verlassen und ohne umsichtigen Blick zum Autoverkehr bei Grün über die Radfurt fahren.“«

– Tagesspiegel, Radler und Fußgänger leben wieder gefährlicher

Wer auf dem Radweg bei Grün geradeaus über eine Kreuzung fährt, riskiert Gesundheit und Leben.  Wollte der Verkehrsminister aus dem Wald etwas für die Verkehrssicherheit tun, könnte er hier ansetzen und sich überlegen was zu tun wäre, damit der Vertrauensgrundsatz auch für Radfahrer gilt, die bei Grün geradeaus über eine Kreuzung fahren. Das will er aber nicht. Er will nur eine Kopfbedeckung vorschreiben wie ein Islamist das Kopftuch und damit bei den Schwächsten anfangen, von denen er den geringsten Widerstand erwartet.

Wozu Radwege? Sicher fahren kann man auch ohne.

»A highly visible lane-control position,« für so etwas würde man als Radfahrer in Deutschland beinahe gelyncht. Bei uns erwartet man von Radfahrern nur eines, dass sie sich möglichst effektiv verpissen, weshalb man ihnen seit 1937 Radwege baut. Sicherheit spielt keine Rolle. Ganz anders in Amerika. Dort gibt es zwar mancherorts eine Helmpflicht, über die man geteilter Meinung sein kann, aber sonst ist das Land ein wahres Paradies für Rafahrer. Die haben dort nämlich explizit die gleichen Rechte und Pflichten wie andere Fahrzeugführer auch. Wie man unter diesen Bedingungen selbstbewusst und sicher fährt, zeigt das folgende Video, das der Bike Noob auf YouTube ausgegraben hat:

(Direktlink)

Sicher Radfahren

Im Frühjahr holen auch Warmduscher wie ich ihre Fahrräder wieder aus dem Keller. Zeit für ein paar Sicherheitstipps. Die Initiative Cycleride hat welche, die Sie so vielleicht nicht in Ihrer Tageszeitung finden. Noch viel mehr Material gibt es bei Bernd Sluka. Und allen, die der Englischen Sprache mächtig sind, empfehle ich noch einmal die Site BicycleSafe.com sowie den Artikel Danger in the bike lane.

Wer schon mal über Schikanen, gefährliche Radwege und andere Zumutungen geflucht hat, der kann sein Leid im Netz (mit)teilen, der Radmelder machts möglich. Ausgegraben hat ihn das Cycleride-Blog, das ich hiermit auch gleich noch weiterempfehle. [Note to self: ungefähr 25 Stellen eintragen, die mir spontan einfallen.]

Important Lessons on Bicycle Safety

Cycling per se isn’t any more dangerous than other kinds of road use. However, the specific risks encountered sometimes differ from those of other users. More importantly, real risks and appropriate countermeasures are not always in line with perceived risk and measurs taken by cyclists out of fear. A cyclist may feel threatened in situations that are rather harmless and fail to see risks in situations that are not. That’s all too human, but in order to be safe one needs to reduce real, not perceived risk.

Under the heading »How to Not Get Hit by Cars« BicycleSafe.com explains ten types of collisions that cyclists are commonly involved in, and explains how to avoid them. As far as I can tell (I’m a cyclist and a scientist but not a cycling scientist) all the scenarios and tips make sense and follow the general concept of vehicular cycling. Read these lessons, and teach them to your children.

Die ideale Ergänzung zum Klapprad

Oliver fragte neulich nach Konstruktion und Stoßdämpfung von Fahrradhelmen. Auf eine Seite über Prüfnormen hatte ich in einer Antwort dort schon hingewiesen. Was die Normen in der Praxis bedeuten, habe ich heute in de.rec.fahrrad erfahren: Es gibt faltbare Helme, und sie erfüllen die Norm EN 1078. Faszinierend.

Was man im Vergleich dazu von einem richtigen Helm erwartet, deutet der Wikipedia-Artikel über Motorradhelme an. So ziemlich alle dort geprüften Eigenschaften sind bei helmähnlichen Gegenständen für Radfahrer egal. Wer es ganz genau wissen will, findet Beschreibungen der Prüfprozeduren in diesem Dokument (PDF) in Abschnit 7.

Gefühlte Sicherheit oder wie man sich seines Aberglaubens vergewissert

Was würden Sie tun, wenn Ihnen jemand einen zerrissenen Sicherheitsgurt zeigt und Ihnen sagt, dieser habe ihm bei einem Unfall das Leben gerettet? Wenn jemand auf den zersplitterten Kunststoff seines verunfallten Trabis weist und gleiches behauptet? Sie würden ihm wahrscheinlich einen Vogel zeigen. Jeder weiß doch, wie die wichtigsten passiven Sicherheitsfeatures am Auto funktionieren. Die Knautschzone nimmt durch Verformung Energie auf und sorgt dafür, dass die Fahrgastzelle beim Aufprall weniger abrupt gebremst wird. Der Gurt hält die Insassen darin fest, damit sie sich nicht selbständig und die Knautschzone wirkungslos machen.

Für Helmträger auf Fahrrädern gelten andere Gesetze, oder jedenfalls glauben sie das. Von ihnen hört man regelmäßig genau solche Berichte. Über ein Musterbeispiel bin ich am Wochenende gestolpert. Das Foto gibts bei Flickr, den zugehörigen Unfallbericht hier.

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Ahnungslose Mediziner oder Propaganda?

Wir haben Security Theater, der Straßenverkehr hat Helme für Radfahrer. Beide sind eng verwandt und werden auf dieselbe Art verkauft: mit Appellen an Affekte und an das oft falsche subjektive Risikogefühl. Der Verstand bleibt dabei so gründlich auf der Strecke, dass man sich fragt, was die Träger mit ihrem Styroporschälchen noch schützen wollen. Dabei ist die Verkaufsmasche so leicht zu durchschauen.

Die Pressemitteilung liest sich dramatisch:

»Mediziner machen sich für eine Helmpflicht für Radfahrer in Deutschland stark. Mit einem solchen Schutz ließe sich die Zahl gefährlicher Hirnverletzungen im Straßenverkehr deutlich reduzieren (…)«

und weiter:

»In Deutschland erleiden pro Jahr mehr als 300 000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma. 15 000 von ihnen müssen intensiv stationär behandelt werden. Die Sterblichkeit sei bei diesen Patienten mit 30 bis 40 Prozent nach wie vor sehr hoch (…)«

Beim Abschreiben werden daraus auch mal 15000 Tote, so in der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung. Dagegen also soll eine Helmpflicht für Radfahrer helfen. Wir rechnen nach.

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