Archiv der Kategorie: Begriffe
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Datenwäsche:
»Offenbar dienen manche Gewinnspiel-Web-Sites dazu, illegal erworbene persönliche Daten zu legalisieren, ohne dass Rückschlüsse auf die wahre Identität des Eingebenden möglich sind.«
(WirtschaftsWoche: Ungewollte Abbuchungen: Erstes Opfer des Bankdatenskandals von Dezember 2008)
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Radweg zum Mitnehmen
Light Lane, so heißt der Radweg, der mitfährt. Vom Fahrrad projiziert ein Laser ein Stückchen Radweg auf die Straße, komplett mit Fahrradsymbol. Kaufen kann man die Light Lane noch nicht, sie existiert wohl nur im Photoshop-Universum. Was soll ich nun davon halten?
Der Idee, hilfreiche Markierungen auf die Fahrbahn zu projizieren, kann ich durchaus etwas abgewinnen. In der Praxis dürfte es zwar schwierig werden, vom bewegten Fahrrad aus eine ruhige Projektion hinzukriegen, aber andererseits kann heute jede bessere Digitalkamera Erschütterungen ausgleichen. Das bekommt man vermutlich hin, wenn das Ergebnis Geld kosten darf.
Aber muss es ausgerechnet ein Radweg sein? Naheliegender scheint mir, dem Radfahrer den richtigen Abstand zum Fahrbahnrand sowie geschwindigkeitsabhängig den aktuellen Bremsweg anzuzeigen. Und anderen Fahrzeugführern den angemessenen Sicherheitsabstand nach hinten sowie die Ideallinie fürs Überholen. Außerdem vielleicht die Geschwindigkeit, für die Plinsen mit Überholzwang.
Kurz und gut, die Technik wäre geil, an der Anwendung müssten wir noch feilen. Ein Fahrradsymbol hinters Fahrrad zu malen ist nur redundant.
Helmgegner gibt es gar nicht. Wie sich Risikodebatten selbst verzerren
Es gibt Debatten, die auch unter ansonsten vernünftigen Menschen leicht in Glaubenskriege ausarten. Ich rede nicht von Editorkriegen Emacs vs. Vi, sondern von Risikodebatten über Helme und Helmpflichten, über Klimawandel und Klimaschutz, über Nichtraucherschutz und Passivrauchen. Diese Diskussionen haben gemein, dass es zu Teilfragen wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die Grundfrage aber eine politische oder praktische ist: was ist zu tun? Soll ich einen Helm tragen oder gar jeder einen tragen müssen? Sollen wir Kohlekraftwerke abschalten und Autos abschaffen? Rechtfertigen Gefahren des Passivrauchens Rauchverbote und wenn ja, in welchem Umfang?
Einige Elemente tauchen in solchen Diskussionen immer wieder auf, und es braucht einige Runden, bis man sie verstanden hat.
Da ist zuerst der unklare Frontverlauf. Helmdiskussionen etwa scheiden ihre Teilnehmer schnell in Befürworter und Gegner. Oder so scheint es wenigstens. In Wirklichkeit verläuft der Konflikt aber woanders, nämlich zwischen Aktivisten [oder Advokaten] auf der einen und Skeptikern auf der anderen Seite. Die Aktivisten sind davon überzeugt, dass etwas zu tun sei, nämlich ein Helm zu tragen, und sie sind außerdem davon überzeugt, dafür überzeugende Argumente zu haben.Die Skeptiker zeigen sich uneinsichtig. Daraufhin stampfen die Aktivisten mit dem Fuß auf, was die Skeptiker noch viel weniger überzeugt. Spätestens dann kann man die Diskussion vergessen, wenn sich nicht ausnahmsweise jemand findet, der sie effektiv moderieren kann.
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(Ausnahmsweise mit Kontext: »Die Aufnahmen würden nur profilaktisch gemacht, um Beweismaterialien zu haben, sofern es zu Ausschreitungen komme,« zitierte das Darmstädter Echo einen Polizeisprecher zu Videoaufnahmen während einer Demonstration.)
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Publikationsrituale mit beschränkter Wirkung
Wer die Wissenschaft als Totschlagargument missbrauchen möchte, der stützt sich gerne auf wissenschaftliche Publikationsrituale. Der jeweilige Gegner möge doch bitte erst mal kollegenbegutachtete Studien vorweisen, heißt es dann, und alle anderen Betrachtungen seien unwissenschaftlich und wertlos. Umgekehrt kann man mit ebensolchen Studien wedeln, die, gleich welcher Qualität sie sein mögen, das veredelnde Siegel tragen.
Das ist in dieser Form nur leider Bullshit. Die wissenschaftlichen Publikationsrituale sind ohne Zweifel sinnvoll und nötig. Aber man darf ihre Wirkung nicht überschätzen. Es handelt sich nämlich bei der Kollegenbegutachtung nicht um eine Qualitätsprüfung, sondern um einen Spamfilter. Was durchkommt, ist noch lange nicht richtig. Das haben jüngst wieder einmal ein paar Spaßvögel gezeigt, indem sie ein Paper aus dem Paper-Generator zu einer Konferenz einreichten. Es wurde angenommen. Was es durch den Review-Prozess schafft, kann also trotzdem Unsinn sein.
Und bevor jetzt jemand nach Ausreden sucht, der Impact Factor einer Publikation ist auch kein zuverlässiges Qualitätsmerkmal, und in der Informatik sind Konferenzen so wichtig wie in anderen Wissenschaften die Journale.
Ergänzung: Michael Nielsen erklärt in seinem Blog drei Mythen über die Kollegenbegutachtung. In den Kommentaren dort findet man außerdem einen Link auf den Artikel: We Are Sorry to Inform You … (PDF), der uns die Gutachterkommentare zu berühmten und bedeutenden Aufsätzen aus der Informatik zeigt. So etwas ähnliches gibt es gibt es auch für die Wirtschaftswissenschaften.
(nach einem Hinweis von Reproducible Ideas, das sich damit einen Platz in der Blogroll verdient hat)
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Sicherheit anders
Sicherheit anders. Was der Untertitel unseres Blogs heißten soll, haben wir uns vorher nicht überlegt, denn wer mit großen Plänen ein Blog anfängt, fällt meistens auf die Nase. Irgendwas muss aber dran sein, sonst wäre aus dem Blogunter- kein Vortragstitel geworden. Oder ist das nur eine selbsterfüllende Prophezeiung? Egal.
Angefragt war ein Vortrag zur Zukunft der IT-Sicherheit auf dem Pressetag CeBIT Vision. So etwas könnte ich natürlich zusammenspinnen und mich darauf verlassen, dass sich keiner mehr daran erinnern würde, wäre es erst so weit, dass sich meine Vorhersagen prüfen ließen. Aber das habe ich nicht übers Herz gebracht. Herausgekommen ist statt dessen ein Vortrag über ungelöste Probleme. Von denen haben wir einige. Sicherheit anders weiterlesen
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2x TED
Zwei sehenswerte Vorträge:
- Irwin Redlener: How to survive a nuclear attack (25min)
- Eve Ensler: Security and insecurity (14min)
Wirken Fallschirme? Ja. Ist es wissenschaftlich nachgewiesen? Ähh …
Dass ich Cargo-Kult-Wissenschaft für blöd halte, habe ich schonmal geschrieben. Wenn man blind Ritualen folgt, arbeitet man gerade nicht wissenschaftlich, und den Plinsen, die über die Zulässigkeit von Enzyklopädie-Zitaten debattieren, fehlt es offensichtlich an bedeutenderen und interessanteren Fragen. Tatsächlich ist völlig schnuppe, was man zitiert, denn zu den grundlegenden Werkzeugen eines Wissenschaftlers gehört die Quellen- und Methodenkritik. Nichts, gar nichts darf man blind zitieren oder anwenden. Wenn man aber erst beginnt, über Quellen und Methoden nachzudenken, dann ist fast alles erlaubt. Man muss sich nur eben Klarheit verschaffen über die Aussagekraft und wird, wenn man dies ehrlich tut, häufig Enttäuschungen erleben, bei Wikipedia-Artikeln wie bei kollegenbegutachteten Publikationen gleichermaßen.
Cargo-Kult funktioniert auf jedem Gebiet, das sich einen weithin akzeptierten Satz an Methoden geschaffen hat. Wer sich dieser Methoden bedient, ist im Hinblick auf Veröffentlichungen und die Meinung der Kollegen erst mal auf der sicheren Seite. Dennoch kann Unsinn herauskommen, den man nur mit gründlicher Methodenkritik erkennt. Das demonstriert ein Artikel von G.C.S. Smith und J.P. Pell, der 2003 in der medizinischen Fachzeitschrift BMJ erschien. Die Autoren folgen streng den Regeln der evidenzbasierten Medizin und suchen in einer Metastudie nach randomisierten, kontrollierten Studien, die sie nicht finden. Wofür? Für die Wirkung von Fallschirmen. Mit trockenem Humor stellen sie fest, dass die Wirksamkeit von Fallschirmen nach dem strengen angelegten Maßstab nicht nachgewiesen sei.
Gefunden habe ich die Geschichte bei Overcoming Bias, wo ein Leser ergänzt: »Even worse, parachutes encourage dangerous behavior (jumping out of airplanes). They should be banned immediately.« Fürwahr ein lehrreiches Beispiel.
Race Condition
Klumpenrisiko (2)
Auf eine anschauliche Erklärung des Begriffs Klumpenrisiko habe ich bereist vor einiger Zeit verwiesen. Jetzt liefert der VW-Konzern unfreiwillig ein weiteres Beispiel. Kooperationspartner war ein Unwetter:
»Bei einem Unwetter am Sonntagnachmittag über dem Werk Emden und dem weitläufigen Hafengelände wurden Fahrzeuge verschiedener Konzernmarken beschädigt, die in Emden produziert oder über den dortigen Autoverladehafen zu Händlern in aller Welt gebracht werden.«
Nach dem Artikel der Süddeutschen war das wohl richtig teuer. Hand hoch, wer seine Datensicherung neben dem PC liegen hat.
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Sicherheit durch Medienbrüche
Ausgerechnet Google greift zu Mitteln des Papierzeitalters und schickt Postkarten. Diesen Hinweis erhält, wer bei Google Maps eine Geschäftsadresse einträgt:

Was auf den ersten Blick absurd wirkt, ist auf den zweiten weder dumm noch selten. Der Medienbruch ist gegen einige Bedrohungen ein geeigneter Sicherheitsmechanismus. Im vorliegenden Fall funktioniert das (vermutlich — ich habe es weder endgültig durchdacht noch richtig getestet), weil der mögliche Schaden und der mögliche Gewinn des Angreifers gering ist und damit auch der Schutzbedarf. Wer es wirklich will, der kann eine Postsendung an eine Firma gewiss abfangen; Angrifsskizzen sind in den Kommentaren willkommen. Es lohnt sich aber kaum. Der Angreifer gewinnt nichts als ein wenig Spaß, und der Schaden durch falsche Suchergebnisse dürfte in der Regel auch nicht allzu hoch sein. In erster Linie geht es also darum, das Zumüllen mit Nonsens-Einträgen zu verhindern, und dafür genügen bereits geringe Kosten pro Eintrag.
Medienbrüche werden aber auch dort eingesetzt, wo es um echtes Geld geht, im Online-Banking. Ob Chipkarte und Kartenleser mit eigener Tastatur, TAN-Generator oder mTAN als Kurznachricht aufs Händi, stets finden wir einen Sicherheitsanker außerhalb des Computers und damit außerhalb des Einflussbereichs vieler Angriffe. Damit ist man nicht automagisch gegen alles geschützt, aber bei richtiger Implementierung muss ein Angreifer zwei Komponenten des Systems angreifern, zwischen denen es nur wenige, kontrollierte Wechselwirkungen gibt.
