Archiv der Kategorie: O-Ton

Zitate, Quotes

Zahlen bitte!

Der Mann hat es verstanden, aber das ist ja nichts Neues:

»Im Ernst: Ich bin einfach für Zahlen. Also: Es sterben nicht genug Deutsche, das schreibt ja auch die Frankfurter Rundschau, unser Rentensystem ist in Gefahr. Also frag ich mich: Wenn schon sterben, woran bitte? Und jetzt mal Zahlen auf den Tisch: Krebs, Herz-Kreislauf und so weiter. Aids ist zum Beispiel eine quantité négligeable in diesem Zahlenpott, hat aber unglaubliche mediale Aufmerksamkeit, weil so viele Akkordeonspieler daran erkranken.»

(Harald Schmidt: „Wenn schon sterben – woran bitte?“, Frankfurter Rundschau)

Dieses Blog unterstützt seit langem die Forderung nach nüchternen Risikoanalysen anhand sauberer Statistiken und anderen Zahlenmaterials. Solchen rationalen Betrachtungen stellen wir eine Sammlung von – oft skurrilen – Einzelfällen gegenüber, aus denen man voreilige Schlüsse ziehen könnte, aber eben nicht ziehen soll.

An das Bundeszentralamt für Steuern

Jetzt tun wir mal etwas völlig Beklopptes, denn damit rechnen sie nicht. Musterklagen sind für Weicheier und bloggende Anwälte. Ich bin weder das eine noch das andere, dafür aber gelernter DDR-Bürger. Was uns, respektive dem Bundeszentralamt für Steuern, das nachfolgende Schreiben beschert:

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Staatsgeheimnisse

Die taz liefert wieder Feiertagslektüre zum Themenkreis dieses Blogs. Diesmal geht es um Geheimnisse und ihre Träger:

»Thomas de Maizière ist Chef des Kanzleramts und in Berlin für die Geheimdienste zuständig. Bei ihm laufen alle Informationen zusammen. Er liebt es, wenn die Regierung geräuschlos arbeitet. Wenn keiner quatscht. Über viele Geheimnisse darf er selbst seiner Familie nichts erzählen. Wie geht er damit um? (…)«

Und Bundestrojaner sind auch nicht sooo schlecht

Die taz meint es ernst. Heute ist Manfred Kriener dran, und wie gestern schon seine Kollegin Ulrike Herrmann schreibt er die Titelseite mit Unsäglichem voll:

»Unumstößlich ist: Die Daten wurden weder gestohlen noch gelöscht, sie befinden sich alle unversehrt auf dem Zentralcomputer der Bank. Stehlen kann man aber nur, was nachher nicht mehr da ist. Der Zumwinkel-Vorwurf der „Hehlerei“ geht also ins Leere. Dies war kein Datenklau, sondern eine Datenkopie. Womöglich hat ein Bankangestellter nur eigene Dateien kopiert.«

Na dann ist ja alles gut. Freuen wir uns also auf den Bundestrojaner, denn nach einer Online-Durchsuchung müssen wir nicht monatelang auf die Rückgabe unseres Rechners warten. Das ist doch toll, oder? Und überhaupt, sind ja nur Daten, und die sind auch gar nicht richtig weg, wenn sie jemand stiehlt.

Schade, dass ich kein Abo habe, dafür würde ich es glatt kündigen. Oder auch nicht, denn sobald sie nicht selbst sprechen, kommt doch wieder Vernunft ins Blatt. So wie in diesem Leserbrief, dessen Autor sich ähnliche Gedanken machte wie ich gestern, oder im Interview mit Dieter Wedel, dem man genügend Raum lässt, das Ganze schöner auszudrücken. Gerade noch mal die Kurve gekriegt, würde ich sagen.

Recht auf Geheimniskrämerei

Wie oft lasen oder hörten wir diesen Satz: »Datenschutz darf kein Täterschutz sein.« Dann protestierten wir jeweils, wenigstens kurz und in Gedanken, und fühlten uns uns gut, weil wir es ja besser wussten. Datenschutz sei Ausdruck unseres Persönlichkeitsrechts, stehe jedem zu und setze dem Staat Schanken, die wir nicht angetastet sehen wollten. Nie und nimmer, unter gar keinen Umständen, nicht mal gegen Kinderpornonaziterroristenverbrecher. Schäuble war böse, denn er wollte uns übrwachen, und wir waren gut, denn wir waren dagegen. Bis uns jemand einen Fall auf den Leib schneiderte:

»In Deutschland wird die Geheimniskrämerei als Persönlichkeitsrecht missverstanden.«

Das schreibt Ulrike Herrmann in der taz, die wir doch eben noch auf unserer Seite wähnten. Und ein Stück die Zeitung runter legt Sven Giegold nach:

»Zudem muss das steuerliche Bankgeheimnis gelockert werden, so dass Kapitaltransfers ins Ausland systematisch überprüft werden können, ohne dass erst ein Anfangsverdacht vorliegen muss.

(…)

Schließlich könnten wir von Australien lernen: Dort werden die Daten von Kreditkarten aus Steueroasen genutzt, um Steuerflüchtlingen auf die Schliche zu kommen.«

So schlecht ist Überwachung wohl doch nicht, aber selbstverständlich nur gegen die richtigen Verbrecher. Was uns das lehrt: Grundrechte gelten universell, bis wir uns auf einen Gegner geeinigt haben, den wir jetzt aber wirklich echt böse finden. Für den gelten sie nicht mehr, denn jetzt haben wir einen höheren Zweck. Das Entwurfsmuster funktioniert bei jedem, nur den Anlass muss man anpassen.

PS: Und wärend ich das schreibe, schnappen sie einen Datenschützer, der mit einer BND-Agentin verheiratet sein und Steuern hinterzogen haben soll. Das ist so bizarr, das kann man sich gar nicht ausdenken.

Hackerhymne

Eigentlich ein schöner Text für eine Hackerhymne, jedenfalls der Anfang:

Keep on looking
you keep on searching
you keep on moving
and you get a little further
you keep on trusting
you keep on hoping
you keep on facing your faith just to keep on growing

just try…try..you just try

(…)

(Sidsel Endresen & Bugge Wesseltoft, Try)

Der nächste Uri Geller …

… wird man mit dieser Einstellung wohl kaum. Rechtlich dürfte man jedoch auf der sicheren Seite sein, wenn man auch auf Offensichtliches noch einmal hinweist:

»Aussagen, die nicht auf historischen Tatsachen beruhen, unter anderem bestimmte auf dieser Website getroffene Aussagen, können ihrer Art nach zukunftsgerichtete Aussagen sein. Solche zukunftsgerichteten Aussagen beinhalten bekannte und unbekannte Risiken, Unsicherheiten und andere Faktoren, die eine wesentliche Abweichung der tatsächlichen Ergebnisse, Leistungen und Erfolge der Clearswift Group oder Teilen der Clearswift Clearswift Group von denin zukunftsgerichteten Aussagen angenommenen zukünftigen Ergebnissen, Leistungen oder Erfolgen bedingen können.«

(Clearswift / Company / Legal)

Oliver, schreib das ab, das ist groß. Ich würde dir dafür sogar eine Linking Policy verzeihen, ehrlich.

Attitude Adjustment Needed?

[Notice for our international readers]

I have no idea what went wrong today when a British Airways jet crashed short of the runway in London Heathrow. Nobody does at this point, we’ll have to wait for the results of a thorough investigation as will undoubtedly be carried out for this crash like for any other. This is the way the aviation community learns from mistakes all around the world.

So there would be not much to say about this accident, hadn’t I tripped over a statement that BBC News quotes prominently in their online coverage of the events, attributed to David Learmount, Air transport expert:

»BA pilots don’t make error of judgements of that type, especially not at the home base, let alone anywhere else«

This is not the appropriate attitude towards safety and the causes of accidents. In reality, pilot or flight crew error is the primary cause of accidents in aviation. At this point, let me repeat myself, we don’t have the slightest idea what caused this crash, but we know for sure that even BA pilots make errors of judgement, perhaps even of this particular type.

To be fair, according to my experience with the media, this sentence is one short snippet selected by a journalist out of a longer conversation. It may not entirely represent what had been said and our air transport expert may be innocent. However, in the particular way in which it appears on the BBC page, emphasized through page layout and ripped out of its possible context, it is just plain wrong.

Update:

  • The Man in a Shed points out: »It is worth speculating as to why all BA 777’s and other airline 777s haven’t been grounded given the reported total electrical failure of the aircraft. Perhaps something is known about the cause after all.« I’m afraid he might have wrong expectations about aircraft being grounded. This is not the common reaction to any incident or accident unless it is obvious that there would be a high, immediate danger in not doing so.
  • Kevin Anderson criticizes the Times‘ coverage of the events.
  • Holly of PlaneBuzz discusses the many ways in which this accident is perplexing. This is exactly why it needs to be investigated.
  • Juan Antonio Giner of Innovations in Newspapers noticed a BA ad in the middle of a news report on the accident, and has further comments on the reporting.
  • Jon, too, complains about the style of reporting and recommends that we wait for the results of the investigation.

Helen Keller on Security

»Security is mostly a superstition. It does not exist in nature, nor do the children of men as a whole experience it. Avoiding danger is no safer in the long run than outright exposure. Life is either a daring adventure, or nothing. To keep our faces toward change and behave like free spirits in the presence of fate is strength undefeatable.«

Helen Keller, deafblind American author, activist, and lecturer. Quote found here.

»Gott ist gefährlich«

Wir lesen weiter Zeitung und stoßen auf eine zweite Risikoanalyse zum Fest. Wieder ist es ein Soziologe, der sich Gedanken macht, diesmal Ulrich Beck in der Zeit. Er analysiert das Konzept Religion und findet darin einen totalitären Kern – ein Risiko für die Gesellschaft. Dieser Gedanke ist nicht neu, aber es schadet nicht, ihn hin und wieder auszusprechen.