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Zwei Karten, zwei Philosophien

Ich bekomme eine neue Smartcard. Ausgestellt von der Fraunhofer-PKI, kann ich mit der Karte E-Mail und anderes verschlüssel und signieren sowie Urlaub beantragen, Besprechungsräume reservieren und meine Arbeitsstunden auf Projekte buchen. Zur Karte gehört ein Passwort, falls ich sie mal verliere, und aufgedruckt trägt sie ein Jugendfoto meiner selbst.

Ich besitze schon so eine Karte, sie funktioniert auch, doch die PKI möchte mir eine neue ausstellen. Das ist ein komplizierter Vorgang. Ich bekomme einen PIN-Brief, dann muss ich die Karte abholen und dabei einen amtlichen Lichtbildausweis vorzeigen. Vermutlich werde ich auch unterschreiben müssen, dass ich die neue Karte erhalten habe. Alles muss sehr sicher sein, sonst könnte womöglich jemand in meinem Namen Räume reservieren oder Urlaub beantragen.

Von meiner Bank bekam ich vor einigen Tagen ebenfalls eine neue Smartcard. Mit dieser Karte kann ich einkaufen und Geld abheben. Sie kam mit der Post, lag einfach im Briefkasten. Meine bisherige PIN glt auch für die neue Karte.

Die eine Karte steht für ein System, das besonders sicher sein möchte und stattdessen besonders bürokratisch ist. Die rechtsverbindliche elektronische Signatur hat sich deswegen im Alltag nie durchgesetzt, die eID-Funktion des neuen Personalausweises bislang auch nicht. Entworfen hat man Technik und Rechtskonstrukte, keine Anwendungen.Der primäre Zweck besteht darin, in einem formalen Sinn sicher zu sein.

Die andere Karte repräsentiert eine Dienstleistung: Zahlungsverkehr in verschiedenen Ausprägungen. Eine Plastikkarte als Mittel dazu ist praktisch; dass später Magnetstreifen und Chips hinzukommen würden, ahnte man bei der Erfindung des Plastikgeldes noch nicht. Die begleitenden Prozesse bleiben unbürokratisch, sie sind pragmatisch gestaltet. Nicht formale Sicherheit ist das Ziel, sondern akzeptable Risiken.

P.S.: Diese Woche ist Smartcard-Workshop.

Weg mit den Dreckstools! (Teil 4: Paketmanager)

Die Open-Source-Szene hat uns Softwarepaketmanager und -sammlungenn beschert: Ports, pkgsrc, APT, dpkg, RPM, Fink, MacPorts und so weiter. Wozu braucht man so etwas? Aus Nutzersicht ist das Problem einfach:

»Here’s the scenario: In order to accomplish some given task, Jane User wants to use a program, which is not yet installed. The sole point of a package system is to get Jane to her goal (running and using said program) as fast and efficient as possible.«

(Michael Weber, MacPorts are Fatally Flawed)

Das Problem bleibt einfach, wenn man es in der Praxis betrachtet. Eine Softwareinstallation unter Mac OS sieht ideal so aus:

  1. Image runterladen
  2. Image öffnen (das ist ein Doppelklick)
  3. Exakt ein Icon finden, das die neue Anwendung repräsentiert
  4. Icon in den Ordner Applications (oder auf den Desktop oder sonstwohin) schieben
  5. Image schließen und in den Papierkorb werfen.

Deinstallieren ist auch nicht schwerer, man wirft seine Anwendung einfach in den Papierkorb. In komplizierteren Fällen kommt noch ein Installer hinzu, der dem Benutzer jedoch selten mehr abnötigt als die Zustimmung zur Lizenz und ein paar zusätzliche Mausklicks. Softwareinstallation kann für den Benutzer  äußerst einfach und entspannt sein.

Nicht so mit den szenetypischen Paketmanagern. Die lösen nicht das oben genannte Problem, sondern ein anderes, künstliches. Eine wichtige Rolle dabei spielen Abhängigkeiten zwischen Paketen. Wobei Pakete nicht das sind, was man sich landläufig unter einem Softwarepaket vorstellt, sondern ganz kleine Häppchen, von denen man sehr viele braucht, um ein nützliches Stück Software zusammenzubauen. Jedes Softwarepaket wird also in solche Häppchen aufgeteilt. Dabei sucht man nach Häppchen, die in mehreren Softwarepaketen gleichzeitig vorkommen und versucht, sie nur einmal zu installieren. Diese Optimierung ist zwar im Zeitalter der 160-GB-iPods völlig sinnlos, aber sie macht aus der einfachen Softwareinstallation von oben ein kompliziertes, anspruchsvolles Problem. So anspruchsvoll, dass keine der existierenden Paketsammlungen es auch nur annähernd befriedigend löst.

Ich will das nicht haben. Ich will Icons in den Ordner Applications schieben.

Weg mit den Dreckstools! (Teil 2)

Marcus Hammerschmitt ist nicht Don Norman, deshalb wird er nicht interviewt, sondern er schreibt selbst. Und was herauskommt, ist gut: Lob der Härte heißt sein Telepolis-Artikel und er liest sich so:

»Die Jungexperten hingegen schnitzen sich ihren Distinktionsgewinn aus der Obskurität. Je abseitiger die gewählten Betriebssystemoptionen sind, desto besser. Linux-Distributionen, die außer ihnen nur der Distributor kennt, oder BSD-Basteleien strikt experimenteller Natur rangieren hoch auf der Beliebtheitsskala. Betriebssystemgefrickel ist ihr A und O. Wenn sie nicht sechzehn sind, dann verhalten sie sich doch auffällig oft so.«

Was er schreibt, ist alles, alles richtig, und wer sich davon provoziert fühlt, der ist wohl auch gemeint.

Textverarbeitungen: benutzergerecht und effizient

Es gibt zwei Arten, anders zu sein als die anderen. Die eine besteht einfach darin, sich ein alternatives Leitprinzip, eine nicht mehrheitsfähige Führerfigur oder ungewöhnliche Prioritäten zu suchen, im Rahmen dieses selbstgewählten Alternativsystems jedoch genauso engstirnig zu handeln wie es der Mainstream in seiner grandiosen Durchschnittlichkeit tut. Die andere, beschwerlichere, aber viel interessantere ist, selbst zu denke, immer und immer wieder. Beschwerlich deshalb, weil es auf diesem Weg kaum Rast und selten Gewissheit gibt.

Der Unterschied ist nicht immer leicht zu erkennen, aber ein zuverlässiges Zeichen gibt es doch: den Versuch des Beweises durch Autorität, das Nachplappern, das Umsichwerfen mit Verweisen, kurz, die Hinwendung zur Religion, zur Heiligen Schrift als Schrift des Heils. Wo der eine Zuflucht sucht, damit das Anderssein nicht zu anstrengend wird, wendet sich der andere angewidert ab – oder zerlegt als Fingerübung die Schrift in ihre unsinnigen Einzelteile, dass dem Mainstream-Alternativen das Zitieren vergeht. Dies also will ich hier versuchen.

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