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Querdenken statt Angst: Unser Rhetorik- und Folklore-GAU

Waren wir die Avantgarde, wir, die Hacker, die Nerds, die Netzaktivisten, die Piraten?

Zurzeit gehen Menschen auf die Straße, die sich Querdenker nennen und für besonders klug halten, die hinter jeder Gesichtsmaske den autoritären Staat lauern sehen, Politikern die Kompetenz absprechen, Verschwörungstheorien nicht besonders kritisch gegenüberstehen und die Bill Gates für eine Inkarnation des Satans halten. Woher haben sie das nur? Ist das Internet schuld mit seinen kommerziellen Plattformen, werden sie von fiesen Nazis aufgehetzt oder sind sie einfach blöd?

Einige ihrer Methoden könnten sie von uns haben. Von uns, die wir uns als Nerds immer für etwas schlauer als alle anderen halten, ganz besonders als alle Politiker. Uns, die wir mehr zu durchschauen glauben als andere, gerne auch mal in Form einer kleinen Verschwörungstheorie. Uns, die wir als digitalcouragierte Aktivisten hinter jeder Videokamera, jedem Polizeigesetz und jeder Urheberrechtsreform den autoritären Staat lauern sehen und unter dem Motto „Freiheit statt Angst“ gegen neue Einsatzmittel der Exekutive protestieren als stünden Recht und Demokratie kurz vor der Abschaffung. Uns, die bei jedem Datenschutzproblem und jedem staatlichen Digitalprojekt gleich von Grundrechten reden. Uns, die wir als Digitalveganer Sicherheitsmaßnahmen empfehlen als seien Geheimdienste hinter jedem Einzelnen persönlich her. Uns, die wir Microsoft und Bill Gates schon seit Jahrzehnten doof finden und uns lieber mit Linux quälen, Hauptsache anders. Von uns, die wir eines Tages dem Größenwahn verfielen und eine inzwischen beinahe wieder verschwundene Partei gründeten, um in der ganz großen Politik mitzumischen.

Querdenker wollen wir sein, Freiheitskämpfer, Topchecker und so wichtig, dass man uns verfolgt. Zu unserer Selbstbestätigung haben wir eine reichhaltige rhetorische Folklore geschaffen und gepflegt, aber selten hinterfragt. Nun schallt uns ein Echo dieser Folklore von der Straße entgegen, doch sind es nicht wir, die dort stehen, sondern andere, mit seltsamen Ideen und fragwürdigen Zielen. Wir selbst sind stolz darauf, für den Fall der Fälle keine Datenspuren zu hinterlassen, doch haben wir kollektiv ein Waffenarsenal der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt und getreu dem Open-Source-Gedanken allen zur Verfügung gestellt. In dessen Mittelpunkt steht die Selbstinszenierung als Freiheitskämpfer, obwohl viele von uns nie etwas anderes erlebt haben als einen demokratischen Rechtsstaat und selbst die DDR zu den gemäßigten Vertretern der weniger demokratischen Staaten zählte, was sich nicht zuletzt in der Gewaltlosigkeit ihres Ablebens äußerte. Nun beobachten wir entsetzt, wie sich andere unseres Arsenals bedienen und ihrerseits ohne sachliche Grundlage Freiheitskämpfer spielen.

 

PS (2020-05-19): Stefan Laurin von den Ruhrbaronen ordnet die Proteste in den größeren Kontext unserer seit einem halben Jahrhundert sehr skeptischen Sicht auf Technik insgesamt ein: Hygiene-Demos: Querfront gegen den Westen, Technik und Aufklärung. Das ist in etwa dieselbe Perspektive, aus der ich Macken und Meme des Datenschutzes zu erklären versuche.

PS (2020-05-24): Der Deutschlandfunk liefert noch ein passendes Foto. Darauf zu sehen ist ein Demonstrant, der ein Schild mit der Aufschrift „COVID-1984“ trägt. Unterdessen redet Fefe gleich von „anhaltsloser Massenüberwachung“, nur weil Lieblingsfeind Wolfgang „Stasi 2.0“ Schäuble das Elend um die Corona-App kritisiert.

PS (2020-05-29): Die Guten™ unter den Verschwörungstheoretikern sind wieder ganz in ihrem Element: „Amazon greift nach Grundrechten“, zitiert die Taz einen Aktivisten, der den Cloudkonzern Amazon aus Berlin herausmobben möchte.

PS (2020-08-30): Ein Bericht der NZZ aus Berlin passt ins Bild.

Beschränkter Horizont

Die Forderung nach Ende-zu-Ende-Sicherheit für das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) und andere Dienste geht auf missverstandene Anforderungen und eine eingeschränkte Sicht auf den Lösungsraum zurück. Die missverstandene Anforderung liegt in der Vorstellung, der rechtlicher Schutz der Kommunikation verlange nach technischen Garantien. Die eingeschränkte Sicht auf den Lösungsraum berücksichtigt nur ausgewählte technische Mechanismen, deren Wirkung sie überschätzt, und lässt andere Aspekte des Risikomanagements außer Acht.

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Die Befürworter der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung argumentieren, der Schriftverkehr von Rechtsanwältinnen sei besonders sensibel und man müsse ihn deshalb technisch besonders gut vor unbefugter Kenntnisnahme schützen. Die besondere Sensibilität mag man annehmen, wenngleich das beA nicht der Kommunikation zwischen Anwältinnen und ihren Mandantinnen dient, sondern dem Schriftwechsel zwischen Anwältinnen und Gerichten sowie der Anwältinnen untereinander. Jedoch steht die Telekommunikation ganz allgemein unter rechtlichem Schutz durch das Telekommunikationsgeheimnis. Selbst wer sie abhören könnte, darf dies nicht und wird andernfalls verfolgt und bestraft.

Ein wirksamer rechtlicher Schutz macht kann technische Maßnahmen überflüssig machen. Umgekehrt sind individuelle Schutzmaßnahmen dort nötig, wo keine Hilfe zu erwarten ist. Im Alltag verstehen wir das auch und verzichten zum Beispiel meist darauf, unsere leicht verwundbaren Körper besonders gegen Angriffe zu schützen. Wir wissen, dass die Wahrscheinlichkeit eines körperlichen Angriffs gering ist, denn dafür sorgen Polizei und Justiz. Anders verhalten sich etwa Menschen in Kriegsgebieten, die mit solchem Schutz nicht rechnen können.Im Spektrum zwischen diesen Extremen gibt es Mischlösungen, deren Schwerpunkt auf der einen oder anderen Seite liegt. Das Ziel ist letztlich ein akzeptables Restrisiko, ganz gleich mit welchen Mitteln es erreicht wird.

Die Motivation für technische IT-Sicherheit entspringt der eingeschränkten Möglichkeit zur Strafverfolgung im Netz. Zwar gelten Gesetze auch online, doch können sich Täter leichter verstecken und selbst bekannte Täter entgehen der Verfolgung, wenn sie im Ausland sitzen. Ganz ohne Sicherheitstechnik wird ein Anwaltspostfach also nicht auskommen. Allerdings muss man sich sowohl den Schutzbedarf als auch die Sicherheitsstrategie genauer anschauen.

Interessanterweise haben Juristen in dieser Hinsicht realistischere Vorstellungen als Hacker, die perfekte Sicherheit fordern. Juristen gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass man Sicherheitsanforderungen nicht überspitzen darf. Das Schutzniveau soll dem alternativer Kommunikationsmittel wie Telefax und Briefpost entsprechen. Auf ein theoretisches Ideal kommt es nicht an. Aus rechtlicher Sicht interessant sind dann rechtliche Implikationen, die sich beispielsweise aus der zeitversetzten Kommunikation ergeben.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erfüllt keine reale Sicherheitsanforderung, sondern sie strebt ein technisch motiviertes theoretisches Ideal an. Wie ich im vorigen Beitrag erläutert habe, ist dieses theoretische Ideal im realen System kaum zu erreichen. Das ist jedoch kein Problem, da sich die realen Sicherheitsanforderungen am Sicherheitsniveau realer Kommunikationsmittel wie Post, Fax und Telefon orientieren.

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Den Lösungsraum verengt die Forderung nach Ende-zu-Ende-Sicherheit auf scheinbar ideale kryptografische Ansätze. Diese Ansätze sind jedoch nicht nur nicht sinnvoll, wenn man – im Gegensatz zur Gesundheits-Telematik – in endlicher Zeit ein funktionsfähiges System bauen möchte. Es gibt auch Alternativen und Aspekte, von denen die Fokussierung auf das theoretische Ideal ablenkt.

Die Befürworter der kryptografischen Ende-zu-Ende-Sicherheit kritisieren die Umschlüsselung von Nachrichten in einem Hardware-Sicherheitsmodul (HSM). Bei der Umschlüsselung wird eine Nachricht ent- und mit einem anderen Schlüssel verschlüsselt. Auf diese Weise lassen sich die Zugriffsrechte auf der Empfängerseite von der ursprünglichen Verschlüsselung auf der Absenderseite entkoppeln. So kann man Beispielsweise Vertretern Zugriff auf Nachrichten geben, die bereits vor Beginn der Vertretung vom Absender verschlüsselt wurden.

Dies schaffe einen Single Point of Failure, der das ganze System „extrem verwundbar“ mache, argumentieren die Kritiker. Das ist insofern richtig, als ein erfolgreicher Angriff auf die entsprechende Systemkomponente, ein Hardware-Sicherheitsmodul (HSM), tatsächlich sämtliche Kommunikation beträfe. Solche Angriffspunkte gäbe es freilich auch bei einer Ende-zu-Ende-Lösung noch. Alle Kommunikation ausspähen könnte beispielsweise, wer den beA-Nutzerinnen eine manipulierte Version der Software unterjubelt oder wer in die Produktion der zur Nutzung erforderlichen Smartcards eingreift.

Die damit verbundenen Restrisiken nehmen wir jedoch notgedrungen in Kauf und ergreifen Maßnahmen, um sie zu klein zu halten. So wird man beispielsweise die Smartcard-Produktion durch Zugangskontrollen und Überwachung so gut wie eben praktikabel vor unbefugten Eingriffen schützen. Nichts spricht grundsätzlich dagegen, dies auch für die Umschlüsselung zu tun – deswegen unter anderem das Sicherheitsmodul. Die Fokussierung auf das vermeintliche Allheilmittel Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verstellt jedoch den Blick auf solche Maßnahmen, die zum Risikomanagement beitragen.

Falls wir in einem Single Point of Failure ein grundsätzliches Problem sähen und die damit verbundenen Risiken für nicht beherrschbar hielten, müssten wir jedoch nach ganz anderen Wegen Ausschau halten. Wir müssten dann nämlich nach einer organisatorischen und technischen Architektur suchen, welche die Auswirkungen eines einzelnen erfolgreichen Angriffs auf einen Teil des Systems, der Nutzer und der Inhalte begrenzt und verlässlich dafür sorgt, dass der Aufwand für erfolgreiche Angriffe proportional zu ihren Auswirkungen wächst.

Solche Ansätze hätten erst einmal überhaupt nichts mit Kryptografie zu tun, sondern mit Organisationsprinzipien. Man könnte beispielsweise ein Ökosystem verschiedener unabhängiger Lösungen und Anbieter schaffen und die Haftung angemessen regeln.  Angriffe auf einen Anbieter beträfen dann nur dessen Nutzer. Mit DE-Mail gibt es sogar bereits ein solches Ökosystem, welches weitgehend brachliegt und sich nach Anwendungen sehnt.

Auf solche Fragen und Ansätze – deren Nutzen und Notwendigkeit allerdings erst nach einer gründlichen Bedrohungs- und Risikoanalyse klar wird – kommt man gar nicht erst, wenn man eine Abkürzung nimmt und blind die Anwendung bestimmter technischer Entwurfsmuster fordert.

Kreative Wissenschaft

Die Wissenschaften ergründen und beschreiben die Realität. Anders die Informatik: Sie schafft Realität. Computer und Programme sind Menschenwerk. Auch Menschenwerk kann man wissenschaftlich untersuchen – Historiker, Religionswissenschaftler und so weiter tun nicht anderes. Der objektive Blick auf eine selbst bearbeitete Realität fällt allerdings schwer, nicht nur Einzelnen, auch ganzen Gruppen. Wo hört die berechtigte gemeinsame Weltsicht auf, fängt die kollektive Täuschung an?

In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich. In der Praxis sind sie es nicht. Einen Beleg liefert das Paper UML in Practice (DOI: 10.1109/ICSE.2013.6606618) von Marian Petre. Sie befragte 50 Softwareentwickler nach ihrer Nutzung der Unified Modeling Language (UML). Aus der wissenschaftlichen Literatur ist UML nicht wegzudenken. Sowohl die grafischen Notationen als auch die zugrundeliegenden formalen Modelle und Metamodelle werden für alles mögliche verwendet und sind auch selbst Untersuchungsgegenstand.

Von den 50 befragten Praktikern jedoch gaben 35 an, UML überhaupt nicht zu nutzen. Weitere 11 setzen (Teile von) UML zwar ein, jedoch informell als Kreativitäts-, Diskussions- und Kommunikationswerkzeug. Für die formalen Modelle unter der Haube interessiert sich diese Gruppe herzlich wenig und sie hält sich auch nicht daran. Statt im Metamodell Profile und Erweiterungen zu definieren, passen Praktiker die Modellierungssprache ad hoc ihren Bedürfnissen an.

Theoretikern gefällt UML, weil man darüber so viel schreiben und die praktische Bedeutung einfach unterstellen kann. Praktiker brauchen Tools, die ihnen objektiv bei der Arbeit helfen und lassen alles andere liegen.

Juristen sind Pragmatiker

Wenn Security- beziehungsweise Kryptographie-Nerds über die Welt reden, benutzen sie gerne Begriffe wie Beweisbarkeit und Nichtabstreitbarkeit. Diese Begriffe haben eine spezifische technische Bedeutung, sie werden aber auch von anderen verwendet, etwa von Juristen – in anderer Bedeutung. Vermischt man die Bedeutungen in verschiedenen Kontexten, so kommt man leicht auf die Idee, dass elektronische Signaturen oder elektronische Personalausweise eine unheimlich wichtige Sache seien. Nur durch die Hinterlegung landläufiger oder juristischer Begriffe mit gleich benannten, aber inhaltlich verschiedenen technischen Begriffen könne man IT-gestützte Dienste und Abläufe so gestalten, dass sie technisch und rechtlich sicher seien.

Juristen sehen das alles viel entspannter. Wie das Lawblog berichtet, hat das Oberlandesgericht Hamm eine Vereinssatzung für rechtmäßig erklärt, die Mitgliederversammlungen in einem Chatraum vorsieht. Dem Security-Nerd ist das ein Graus: Was da alles passieren könnte! Die Juristen hingegen gehen pragmatisch an die Sache heran. Wenn es keine offensichtlichen, konkreten Probleme gibt, lasst die Leute doch erst mal machen. Wenn’s dann doch Streit geben sollte, kann man sich immer noch vor Gericht treffen und über konkrete Vorwürfe reden.

Damit liegen die Juristen richtig, denn sie bedienen sich intuitiv eines statistischen Bedrohungsmodells. Theoretische Möglichkeiten interessieren den Juristen nicht so sehr, solange sie sich nicht in seiner Lebenserfahrung oder in konkreten Beweisen widerspiegeln. Damit werden theoretische Möglichkeiten, die in der Realität selten vorkommen, geringer gewichtet als erfahrungsgemäß tatsächlich auftretende Sachverhalte. Das so gebildete Modell kann in den zugrundeligenden Annahmen oder in seiner Anwendung auf einen Einzelfall falsch sein; dann haben wir was zu meckern. Aber es ist, gerade wenn es um Voraussagen über Risiken geht, angemessen. Was erfahrungsgemäß vorkommt, wird ernst genommen, weil genügend dokumentierte Fälle vorliegen. Bloße Möglichkeiten dagegen bleiben unberücksichtigt.

Abstrahiert man von den Details konkreter Abläufe, landet man damit genau bei der Definition einer Bedrohung. Eine Bedrohung setzt sich zusammen aus Interessen bzw. Zielen und Fähigkeiten. Beide Komponenten sind erforderlich: ohne Interesse sind die Fähigkeiten egal und ohne Fähigkeiten spielen die Ziele keine Rolle. Erst wenn beides zusammenkommt, wird ein Angriff daraus. Security-Nerds schauen nur auf die Fähigkeiten und ignorieren die Ziele.

Homecomputer im Test

Damals wusste man noch nicht so recht, was man mit einem Computer zu Hause anstellen soll, und arbeitete sich an offensichtlichen, aber nicht unbedingt nützlichen Anwendungen ab:

Wer beispielsweise die Bestände seines gut sortierten Weinkellers elektronisch speichern möchte, müßte – sobald ihm der Sinn nach einem edlen Tropfen steht – folgende Prozedur hinter sich bringen: Heimcomputer einschalten, Programmkassette in den Recorder einlegen, Programm laden, Kassette wechseln und »Weinkellerdaten« in den Rechner einlesen, Befehl zur Auswahl eines trockenen ’82er Württembergers eingeben, eintragen in den Daten bestand, dass die Flasche nun bald geleert sein wird. Schreiben der gesamten Daten zurück auf die Kassette. Wegräumen der Kassetten und Ausschalten des Rechners. Während der elektronisch ausgerüstete Weinkenner nun den Weg in den Weinkeller antritt. um die richtige Flasche zu suchen, hebt der technisch rückständige Bacchant gerade das weite Glas und trinkt auf die gute alte Zeit, als man Wein noch mit Kennerblick auswählte.

Jana Nix erklärt Nerds und träumt von einer besseren Welt für sie:

»Nerds haben nie einen IQ unter 100. Sind also immer mehr als Mittelmaß. Vielmehr. Schon Archimedes soll erschlagen worden sein, weil er seine Gedankenwelt nicht gestört haben wollte und missverstanden wurde.«

(Science@Stage: Mittelmaß tötet!)

Und was machen wir nun mit dem Mittelmäßlern, wenn sie nerven?

Schneeballschlacht für Nerds

Wem das zu philosophisch war, der kann bis zum 6. Februar bei einer richtig nerdigen Schneeballschlacht mitmachen. Queue ICPC Challenge heißt der Wettbewerb, und man gewinnt, indem man ein Programm schreibt, das formalisierte Schneeballschlachten gewinnt. Kostprobe:

»Players can earn points and strategic advantage by building snowmen on the field. We define the domain of player A as the set of board spaces with Euclidean distance less than 8 from a snowman owned by A and closer to a snowman of A than to any snowman owned by the opponent.«

Abends was g’scheites tun

Das klingt nachahmenswert und es wird auch schon nachgeahmt:

Nerd Nite is an informal gathering at which nerds get together for nerdery of all sorts (well, mostly presentations and drinking). Nerds and non-nerds alike gather to meet, drink and learn something new.

Die nächsten Termine in Deutschland:

Wo bleibt Darmstadt?

Dreckstoolbenutzerhilfsdings

Wo normale Menschen eine Textverarbeitung einsetzen, schwören Nerds auf LaTeX. Das löst zwar nur wenige der Probleme, die man bei der Textproduktion für gewöhnlich hat, dafür aber erlaubt es dem Nerd, das Schreiben zur Programmieraufgabe zu machen. Die man sich dann wiederum mit Werkzeugen wie Springers LaTeX-Sandbox und LaTeX-Suche (via)  erleichtern kann. Diese Sandbox besteht aus einem LaTeX-Wörterbuch sowie einem Eingabefeld, in das man LaTeX-Ausdrücke schreiben kann. Was LaTeX aus dem eingegebenen Ausruck macht, bekommt man dann als Bild angezeigt.

Wenn die Nerds in diesem Tempo weitermachen, schaffen sie vielleicht noch vor Y2k38 so etwas wie WYSIWYG. Und suchen sich dann des Distinktionsgewinns wegen eine neue Programmierumgebung für Alltagstätigkeiten. Was genau spricht eigentlich dagegen, die ganze Frickelei endlich mal hinter einem gescheiten UI zu verstecken? Wenn mit Springers Hilfe sogar mein Browser die Formel zum LaTeX-Code direkt anzeigen kann, ist das ja wohl nicht so schwer.

Weg mit den Dreckstools! (Teil 2)

Marcus Hammerschmitt ist nicht Don Norman, deshalb wird er nicht interviewt, sondern er schreibt selbst. Und was herauskommt, ist gut: Lob der Härte heißt sein Telepolis-Artikel und er liest sich so:

»Die Jungexperten hingegen schnitzen sich ihren Distinktionsgewinn aus der Obskurität. Je abseitiger die gewählten Betriebssystemoptionen sind, desto besser. Linux-Distributionen, die außer ihnen nur der Distributor kennt, oder BSD-Basteleien strikt experimenteller Natur rangieren hoch auf der Beliebtheitsskala. Betriebssystemgefrickel ist ihr A und O. Wenn sie nicht sechzehn sind, dann verhalten sie sich doch auffällig oft so.«

Was er schreibt, ist alles, alles richtig, und wer sich davon provoziert fühlt, der ist wohl auch gemeint.

Es gibt auch positive Todesnachrichten

DAB ist tot, schreibt Telepolis. DAB? Das steht für digitales Radio, Digital Audio Broadcast, für eine Technik, die mit großem Aufwand gefördert wird und bald das gute alte Analogradio ablösen sollte. Eigentlich. Der Telepolis-Artikel erklärt sehr schön, an welchen realen Bedürfnissen vorbei DAB entwickelt wurde.. Deshalb empfehle ich ihn hier, denn wir Security-Nerds haben ja zuweilen dasselbe Problem: unsere Technikwichserei begeistert andere Nerds, geht aber an der Realität vorbei. Normalerweise sorgt der Markt dafür, dass Nischenbedürfnisse von Nischenanbietern befriedigt werden. Das lässt sich durch politisch motivierte Förderung jedoch verhindern, und heraus kommt dann oft so etwas wie DAB. Das übrigens nicht nur an den Bedürfnissen vorbeigeht, sondern auch an der heutigen Technik, denn Musik kommt heute aus dem Internet.

Und was lehrt uns das? Nun, vor allem lehrt es uns Gelassenheit; Vertrauen in uns und unsere Umgebung. Den DAB-Nerds hat man Milliarden in den Hintern geblasen und sie verlieren dennoch. Politische Marktmanipulation ist also offenbar gar nicht so einfach, und das ist eine gute Nachricht.

Nerds sind anders und merken es nicht

Burkhard Schröder schreibt in Telepolis über »Ahnungslosigkeit, Versagen und S/Mime«: Seine Versuche, mit Abgeordneten Schlüssel für den E-Mail-Verkehr zu tauschen erweisen sich als weitgehend fruchtlos. Er beklagt:

»Dass ein Abgeordneter des Bundestages keinen technischen Sachverstand besitzt, ist verzeihlich. Dass sie oder er auf auf den Sachverstand verzichtet, der ihm innerhalb des Hauses gratis angeboten wird, ist einfach nur ignorant.«

Das ist eine typische Nerd-Beschwerde. Sie impliziert zweierlei, nämlich dass verschlüsselte E-Mail im richtigen Leben irrsinnig wichtig sei, und dass das jedem spätestens dann klar werden müsse, wenn einer danach fragte. Beides ist falsch, wenn man die Wahrnehmung und Gedankenwelt eines Nichtnerds zugrunde legt.

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Textverarbeitungen: benutzergerecht und effizient

Es gibt zwei Arten, anders zu sein als die anderen. Die eine besteht einfach darin, sich ein alternatives Leitprinzip, eine nicht mehrheitsfähige Führerfigur oder ungewöhnliche Prioritäten zu suchen, im Rahmen dieses selbstgewählten Alternativsystems jedoch genauso engstirnig zu handeln wie es der Mainstream in seiner grandiosen Durchschnittlichkeit tut. Die andere, beschwerlichere, aber viel interessantere ist, selbst zu denke, immer und immer wieder. Beschwerlich deshalb, weil es auf diesem Weg kaum Rast und selten Gewissheit gibt.

Der Unterschied ist nicht immer leicht zu erkennen, aber ein zuverlässiges Zeichen gibt es doch: den Versuch des Beweises durch Autorität, das Nachplappern, das Umsichwerfen mit Verweisen, kurz, die Hinwendung zur Religion, zur Heiligen Schrift als Schrift des Heils. Wo der eine Zuflucht sucht, damit das Anderssein nicht zu anstrengend wird, wendet sich der andere angewidert ab – oder zerlegt als Fingerübung die Schrift in ihre unsinnigen Einzelteile, dass dem Mainstream-Alternativen das Zitieren vergeht. Dies also will ich hier versuchen.

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