Archiv für den Monat August 2007

IT Security made in … China

»Mittlerweile hat Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao, erklärt, man werde „entschlossene Maßnahmen ergreifen, um Hacker-Angriffe auszuschließen“, berichtet dpa. Er nannte gegneüber Angela Merkel die „Bekämpfung von Störungen durch Hacker im Internet“ eine gemeinsame Aufgabe.«

(heise online – Politiker fordern Aufklärung über chinesische Trojaner-Angriffe [Update])

Ist das nun absurd (China soll unsere PCs schützen?) oder bedrohlich (Chinesische Methoden gegen Hackertoolbesitzer!) oder einfach nur ein typisches Politikerstatement ohne Sinn? Und warum hat man den sonst stets auftauchenden Hinweis unterschlagen, dass nichts zu befürchten wer nichts zu verbergen habe?

Das gar nicht so private Leben der Melanie B.

All jenen, die vermeintlich nichts zu verbergen haben, erklärt die Frankfurter Rundschau, was Data Mining ist:

»Doch wie leicht sich schon heute detaillierte Daten zu Privatleuten aus frei verfügbaren Informationen im Internet sammeln lassen, zeigt unsere willkürliche Test-Spionage, an deren Ende wir fast so viel über Melanie wissen wie ein guter Bekannter.«

Das gar nicht so private Leben der Melanie B.

Volkstrojaner

Während unser Innenminister sein Volk noch ganz demokratisch den Begriff der Online-Durchsuchung mit Leben füllen lässt, wendet China seinen Volkstrojaner längst an. Nicht auf den PCs von Dissidenten allerdings;  dies wäre eine Menschenrechtsverletzung, die unsere Kanzlerin während ihres Besuchs in China zu kritisieren hätte. Sondern in unseren Bundesministerien:

»Zahlreiche Computer in Bundesministerien sind nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel mit Spionageprogrammen aus China infiziert. Dies sei das Ergebnis einer Überprüfung durch den Verfassungsschutz und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.«

(sueddeutsche.de)

Das können wir Spionage nennen. Gleichwohl ist fraglich, ob es hier die Falschen trifft. Sie wollten Online-Durchsuchungen. Nun haben sie Online-Durchsuchungen bekommen.

Piraten in den Landtag

»Die hessischen PIRATEN stellen sich für die kommende Landtagswahl im Januar 2008 in Hessen zur Wahl. Neben dem niedersächsischen Landesverband werden wir hessischen PIRATEN somit die ersten Freibeuter sein, die auf Landesebene als parlamentarische Alternative die deutsche Informationsgesellschaft aktiv mit gestalten wollen.

Zur Zeit ist die Wahlzulassung beim hessischen Landeswahlleiter beantragt. Um die endgültige Wahlzulassung zu bekommen, müssen bis November 1.000 Unterstützer-Unterschriften gesammelt werden.«

http://piraten-hessen.de – dort gibt es das Unterstützungsformular sowie eine FAQ für Unterstützer.

Verschlüsseln für Historiker

So einfach sind Sicherheitsanalysen, wenn man das Jahr 1960 schreibt und in der DDR sitzt:

»In den erstrangigen Chiffrierverkehren findet ein Blockverfahren, die sog. Staatschiffre, Anwendung. Die Schlüsselunterlagen werden von der Sowjetunion geliefert. Das Verfahren hat eine absolute Sicherheit.«

(Bericht über die Lage im Chiffrierwesen, 20. Januar 1960; Hervorhebung von mir)

Die Schlüssel kamen aus der Sowjetunion, die mussten sicher sein. Alles andere wäre undenkbar gewesen. Und vor dem großen Bruder im Osten hatte man sowieso keine Geheimnisse zu haben. Wer den Bericht zuende liest, wird allerdings merken, dass den Genossen diese Situation keineswegs angenehm war. Da die Sowjets nichts liefern wollten, was zu mehr Eigenständigkeit beigetragen hätte, erwog man sogar den Kauf von Technik aus dem Westen.

Zu finden ist diese Stilblüte in einer umfangreichen Materialsammlung über das Chiffrierwesen der DDR. Die Navigation ist ein wenig unübersichtlich, aber es gibt ein Inhaltsverzeichnis. Zu finden sind dort allerlei Beschreibungen manueller Verfahren, Dienstvorschriften und Richtlinien, Informationen über Chiffriergeräte und Lehrmaterial. Die heilige Dreifaltigkeit von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit findet sich dort auch wieder:

»Die Sicherheit des Nachrichtensystems kennzeichnet seine Fähigkeit, in Abhängigkeit von seiner Resistenz gegen Aufklärung und seiner Imitationssicherheit, allen Aufklärungsarten des Gegners standzuhalten und der Desorganisation, der Desinformation sowie dem nichtsanktionierten Zugriff zu Nachrichten innerhalb des Nachrichtensystems entgegenzuwirken.«

Am Ende sind die Jungs aber wohl auch nur bei DES gelandet.

Update: Umgezogen nach scz.bplaced.net.

Camping, Tag 4

Verhaftungen gab’s keine, deshalb hat man das mal simuliert. Was es gab, war Regen. Das Zelt hat mehr oder weniger gehalten, kritisch war nur die Pfütze, die sich langsam darunter schob, um dann von unten reinzusickern. Die war aber schnell wieder weg.

Die Einheimischen sind aufgeschlossen. Sie scheinen ein wenig unsicher, was sie von der Veranstaltung halten sollen, von der sie ja nur Medienberichte und Horden mit Bändchen am Arm mitbekommen. Aber sie fragen freundlich, was denn da geschehe und wozu man sich treffe.

Eigentlich ist es jetzt vorbei. Der nominell fünfte Tag morgen dient erkennbar vor allem dem Abbau und der Heimreise, mir jedoch voraussichtlich einer Landpartie mit Dame. Das Wetter passt.

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Camping, Tag 3

Den ganzen Tag im Zelt verbracht und Internet gelesen. Schließlich habe ich Urlaub und bin nur wegen der Lightshow hier. Kurz vor Ladenschluss noch das besucht, was einst wohl der Dorfkonsum gewesen war. Supermärkte sind für westlich-dekadente Weicheier und außerdem weiter weg. Der Entschluss wurde belohnt: Fetzer ist wieder da! Fetzer, das war der Mars des Ostens. Ein Viererpack hat mir den Abend versüßt.

Von den unzähligen Gewitterwarnungen hat sich keine einzige bewahrheitet. So soll es bleiben.

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Mehr zum Programm wie immer im Heise-Ticker.

Camping, Tag 1

Sonne über dem Zelt == Frühaufsteher im Zelt. Der Tag beginnt gut: aus meinem Kabelende kommt jetzt Internet. Das war zu erwarten. Wirklich überrascht hat mich, dass aus der Dusche warmes Wasser kam, was auf solcherlei Veranstaltungen einem Wunder gleichkommt. Nun gut, es waren eher plötzliche Wechsel zwischen Heiß und Kalt denn ein stetiger Strom gewärmter Flüssigkeit, doch bereits der gezeigte gute Wille lässt mein Warmduscherherz höher schlagen. Zumal die Wechsel nicht so zufällig erfolgen, wie es zunächst den Anschein hat: die Temperatur hängt davon ab, wie hoch man die Browause hält.

So ein Camp funktioniert wie eine kleine Stadt. Die Bewohner leben in Stadtvierteln, hier »Villages« genannt; dazwischen gibt es Straßen, Plätze, Wege und Kabeltrassen. Grundbedürfnisse werden lokal befriedigt; Essen, Trinken und soziale Ereignisse hingegen finden zentral statt, so man sich nicht selbst versorgt. Dass hier wenig gearbeitet wird, zeigt sich allerdings: es gibt deutlich mehr Veranstaltungsorte, als ein Städtchen gleicher Größe zu bieten hätte.

Nicht fehlen darf der öffentliche Dienst. Chaosengel, NOC, POC und CERT sorgen dafür, dass alles funktioniert. Auch eine campeigene Polizei gibt es, und sie wird erstaunlich klaglos akzeptiert. Der Marsch der Institutionen hat also auch vor dem CCC nicht Halt gemacht, der sich einst in den Räumen der jungen taz gegründet hatte, die auch nicht mehr das ist, was sie mal war. So ein Camp ist heutzutage familientauglich, und einen Kindergarten gibt es konsequenterweise auch.

Über das Vortragsprogramm des ersten Tages hat Heise schon berichtet, deshalb lasse ich es hier aus. Die vorhergesagten Unwetter spielten sich heute woanders ab. Die Aussichten bleiben erfreulich:

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Camping, Tag 0

Im Osten ist alles besser: das Wetter, die Autobahnen und die Urlaubsziele. Anzuhalten hätte sich vielerorts gelohnt. Ich beschränke mich auf eine Tankstelle irgendwo in der Gegend von Jüterbog. So komme ich gerade rechtzeitig in Finowfurt an, um noch einen der wohl knappen Parkplätze zu erhalten und mein Zelt bei Einbruch der Dämmerung beziehen zu können. Den Aufbau hätte ich notfalls auch in einer mondlosen Nacht geschafft, aber dunkel wird es hier in den nächsten Tagen nicht werden.

Hier, das ist im Luftfahrtmuseum Finowfurt am Rande der Schorfheide. Was heute Museum und öffentlicher Flugplatz ist, diente bis 1994 den sowjetischen Streitkräften als Militärflugplatz. Mehrere MiGs aus dieser Zeit stehen hier zusammen mit anderem Fluggerät im Camp herum. Sie sind jedoch nur Beiwerk.

Gekommen bin ich für Internet im Zelt und die Party drumherum. Internet geht wider Erwarten sogar auf Anhieb übers WLAN, das bei solchen Massenaufläufen bereits ohne Spielkinder schnell überfordert ist. Also schnell in die Mail geschaut (unser VPN ist doch sicher, oder?) und dann die anderen Grundbedürfnisse befriedigt. Die Lebensmittelversorgung bootet noch, aber für den Abend genügen die mitgebrachten Vorräte allemal. Strom ist schwerer zu bekommen. Frühaufsteher haben die wenigen Sockets im Schaltschrank belegt. Dann eben dezentral. Drei Zelte weiter sitzt eine Runde unter Lampem vor Laptops und hat offensichtlich Strom, an dem ich teilhaben darf. Dann noch das Ethernet-Kabel in Richtung Datenklo ausgeworfen und die Infrastruktur steht.

MorgenHeute geht es richtig los. Das Wetter soll vorerst erfreulich bleiben:

wetter_2007-08-07_finowfurt.png

Erfolg gegen Netzterroristen

Heise online berichtet:

»U.S.-District-Richter Michael J. Davis vom District-Gericht Minnesota hat eine drakonische Strafe gegen den international bekannten Viagra-Spammer Christopher Smith (27) verhängt: 30 Jahre Gefängnis.«

So ist es richtig. Der War on Terror wird nicht im Irak gewonnen, sondern im Gerichtssaal.