Alle Beiträge von Sven Türpe

7.015.630.000-mal FKK für einen Terroristendarsteller

Irrationale Debatten um Sicherheitsutensilien werden anscheinend zur neuen Jahreswechselmode. Erregte vor einem Jahr der Skihelm die Medien, ist es diesmal der Nackigscanner. Eigentlich gibt es für die Debatte nicht einmal einen richtigen Anlass. Auslöser war ein unbeholfener, gescheiterter Anschlagsversuch in einem Flugzeug. Passiert ist nichts, deshalb brauchen wir neue Sicherheitsgroßtechnik?

Gewiss, wir reden über Konjunktive — hätte, könnte, wäre — wie in jeder Risikobetrachtung. Aber wir haben auch Daten: um mit derselben Wahrscheinlichkeit an Bord eines Flugzeuges Terrorismus zu erleben, mit der man am Boden vom Blitz getroffen wird, muss man im Jahr mehr als zwanzigmal fliegen. Und darin sind noch die gescheiterten Anschlagsversuche enthalten. Mit anderen Worten, selbst Vielflieger haben kaum eine realistische Chance, an Bord eines Flugzeuges zum Terroropfer zu werden.

Doch das liegt sicher nur an den bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen, den konfiszierten Wasserflaschen und Nagelscheren, nicht wahr? Nein. Terroristen haben keinen Grund, unsere Selbstmordbomber-an-Bord-Fixierung zu teilen. Im Gegenteil, kluge Terroristen werden etwas anderes tun als beim letzten Mal. Die Schlange vor der Sicherheitskontrolle zum Beispiel, mit Absperrbändern in die Fläche gefaltet, eignet sich vorzüglich für einen Selbstmordanschlag mit Sprengstoff. Doch Terrorismus ist so selten, dass wir auch dort keine Angst haben müssen.

Naked Truth

In the current discussion about the use of body scanners at airports (aka strip machines) many people seem to forget, that these scanners do not pose a remedy to the latest security threat, i.e. explosives. So I am amazed that in this day and age we still are preoccupied with knives and guns. And I ask myself, do we really need expensive technology to spot them? Are the Indians really the only part of the scenario that has changed? And isn’t touching my privates a bigger privacy infringement than taking a x-ray-picture?

Entenalarm

„Ausweischip gehackt“ titelte die taz und brachte damit noch kurz vor Jahresende eine besonders schöne Falschmeldung zum CCC-Kongress  in Umlauf, die Detlev Borchers auf Heise prompt als Ente entlarvte. Auch wenn der Vortrag im Hacking-Track lief handelte es sich vorwiegend um eine Funktionsbeschreibung des neuen Personalausweises, denn in der Tat kann man Daten aus dem Ausweis auslesen – mit Berechtigungszertifikat. Das soll so sein.  Das Beispiel beweist einmal mehr, dass guter Technikjournalismus in Tagesszeitungen schwer zu finden ist. Gut, dass es noch Fachjournalisten wie Christiane Schulzki-Hadouti gibt, die zu ganz anderen Schlüssen kommt und einen Rückzieher beim CCC entdeckt. Übrigens: Die wichtigsten Daten kann man auch jetzt schon aus dem derzeitigen Ausweis auslesen – mit den Augen, die Daten sind nämlich aufgedruckt.

Spendenaufruf

Zwei Euro im Monat für ein gutes Gefühl, das ist das Kerngeschäft der Versicherungswirtschaft:

»Oft reichen einige Minuten Surfen im Internet – und schon sind Ihre Bankdaten in die Hände von Betrügern gelangt. Phishing-Angriffe, die gezielt Online-Banking Kunden im Visier haben, verursachen immer wieder hohe Schäden.
(…)
Anfang 2010 bietet CosmosDirekt die passende Lösung: Den Konto-Schutzbrief, der Sie ab 2€ im Monat gegen die Plünderung Ihres Kontos schützt*. Er sichert alle Schäden aus dem Missbrauch Ihrer EC- und Kreditkarte sowie Ihrer Kontodaten ab.«

Für ungefähr dieselbe Summe bekommt man übrigens schon eine kleine Haftpflichtversicherung. Der Preis taugt also noch nicht einmal als Risikometrik.

Sicherheitszeug als Statussymbol

FAZ.NET schreibt über eingezäunte Wohnsiedlungen in Warschau und zitiert dabei diese nüchterne Analyse:

»Immobilienfachmann Mendel hingegen glaubt, bei Zaun und Kamera handele es sich um klassische Statussymbole: Seht her, ich kann’s mir leisten.«

Das sollten wir mal als DiplomarbeitsthemaBachelor-/Master-Dings ausschreiben: Analyse von Sicherheitsprodukten auf ihre Tauglichkeit als Statussymbol.

Weihnachten überleben

Weihnachten zu überleben ist nicht so einfach, denn zu Hause lauern viele Gefahren. Noch ein wenig gefährlicher als andere lebt, wer sein Haus mit Jongleuren teilt, denen das Diabolo ausgerechnet auf der Treppe herunterfällt.

Unfallgefahr: Diabolo liegt auf der Treppe herum, Frau mit Wäschekorb kommt die Treppe herunter und sieht es nicht
(Foto: DSH)

Unser Tipp: bremsen Sie rechtzeitig den Bewegungsdrang Ihrer Mitbewohner. Geeignete Mittel hält jede gut sortierte Hausapotheke bereit. Weihnachten überleben weiterlesen

Sicherheitsmetriken

Waldarbeitern passiert offensichtlich oft genug etwas, dass man Sicherheitsmetriken auf die Unfallstatistik stützen kann:

»Über die Platzierung beim Wettbewerb in Sachen Unfallsicherheit entschieden zudem die Zahl der Unfälle pro geernteten Festmeter Holz und die meldepflichtigen Unfälle pro Arbeitsstunde.«

(Echo Online: Im Darmstädter Forst hat Leichtsinn keinen Platz)

Und noch etwas haben sie uns voraus, sie wissen, was sie zählen müssen. Echte Unfälle nämlich, und keine Hilfe-der-Rüsselkäfer-greift-uns-an-Alerts aus halbgaren Sicherheitstheaterwerkzeugen.

600:500.000

Wieviel Angst müssen wir eigentlich vor Straßenraub haben? Hier sind die Zahlen für Leipzig (500.000 Einwohner) in den letzten Jahren:

»Ermittler gehen davon aus, dass die Zahl der Raubstraftaten in diesem Jahr erneut angestiegen ist, sich bei etwa 600 einpegeln dürfte. Im vorigen Jahr hatte die Kripo 547 Fälle registriert, 2007 waren es 590.«

(LVZ: Prügel für ein paar Euro: Etwa 600 Raubstraftaten in diesem Jahr)

Das sind ungefähr 1,2 Fälle auf 1000 Einwohnerjahre.