Boeing 777 wing load test:
Archiv der Kategorie: Safety
IT-Security in der Autsch-Zone
Von Kindern und Kabeln
http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Unfallquelle_Computer1771015586056.html
Unterschätzte Risiken: Wahlkämpfe
Der HR berichtet:
»Ein Rollerfahrer ist am Sonntagabend in Giessen durch ein Wahlplakat verletzt worden.
Das 100 mal 50 Zentimeter große Plakat hatte sich wegen starker Windböen aus seiner Halterung gelöst und wurde direkt vor den fahrenden Pizzaboten geweht.«
Sie danken uns die Kreuze nicht.
Unterschätzte Risiken: Laborarbeit
Wir Informatiker haben es einfach. Ein Labor ist für uns meistens ein Stück Netz mit ein paar Rechnern dran, oder heute oft nur noch ein einziger Rechner mit ein paar virtuellen Maschinen drauf. Viel kann da nicht passieren.
In einem klassischen Labor ist das anders. Da gibt es Chemikalien, Druckbehälter, Krankheitserreger, Strahlung, Elektrizität, Maschinen, Tiere und was man sonst noch braucht, wenn man sich um einen Darwin Award bewirbt.
Die American Industrial Hygiene Association (AIHA) hat einen Leitfaden mit vielen Beispielen zusammengestellt. Eine Kostprobe:
Don’t Store Dry Ice in Walk-in Refrigerators
Walk-in refrigerators (or „cold boxes“) typically recirculate the chilled air in their interiors, so storing volatile materials in them can pose special hazards—any gases or vapors may concentrate inside over time.
Recently on the X Campus, a walk-in refrigerator was used to store dry ice. (…) The dry ice, of course, gave off carbon dioxide (CO2) gas as it sublimed, causing the refrigerator to build up CO2 levels of 12,000 parts per million (ppm)!
Zu einigen der beschriebenen Fälle gibt es auch Fotos.
In einem Wort (Doppelausgabe)
Unterschätzte Risiken: Laptops
»A Canadian woman driving a small car was involved in a car crash. Investigators found that she likely would have survived if not for her laptop, which had been placed unsecured in the back seat and which flew forward and hit her in the back of the head.«
Arbeitsschutz ganz anschaulich
(via Nerdcore)
Styropor aktuell
Nur schnell ein paar Links:
- Zur Forderung der Gesellschaft für Neurochirurgie vor zwei Jahren nach einer Hempflicht für Radfahrer hat Jan Niklas Fingerle nachgefragt, worauf sie denn beruhe. Ergebnis: dazu möchte man nichts sagen.
- Auf rationale Argumente kommt es aber ohnehin nicht an. Wer einmal an den Helm glaubt, dem ist sowieso alles Bestätigung, selbst offenkundiges Versagen. Neu ist das freilich nicht.
In einem Wort
Unterschätzte Risiken: Parken ohne Helm
Echo Online berichtet aus Mörfelden-Walldorf:
»Schwere, aber nicht lebensbedrohende Schädelverletzungen hat sich ein 77 Jahre alter Autofahrer am Montag gegen 16.55 Uhr bei einem Verkehrsunfall in der Oderstraße zugezogen. Wie die Polizei erst jetzt mitteilt, hatte der Mann nach dem Parken bemerkt, dass der Schlüssel seines Wagens noch steckte. Als er diesen von der Beifahrerseite aus abziehen wollte, drehte er ihn in die falsche Richtung und betätigte den Anlasser …«
Beim Parken vom eigenen Auto überrollt zu werden ist schon eine Leistung.
Unterschätzte Risiken: Leitplanken
Leitplanken sind eine feine Sache. Sie halten ein außer Kontrolle geratenes Fahrzeug auf seiner Fahrbahn und können so zwar keinen Unfall verhindern, aber oft die Folgen reduzieren. Dass ihre Wirkung Grenzen hat, sieht man regelmäßig bei Lkw-Unfällen. Sie können aber auch zu den Unfallfolgen beitragen, etwa wenn jemand ein Auto baut, das sich unter die Leitplanke schiebt:
»Der Fahrer geriet gegen 3 Uhr mit seinem Cabrio-Sportwagen bei hoher Geschwindigkeit ins Schleudern und verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen drehte sich und schob sich auf einer Länge von etwa 50 Metern unter die Leitplanke.«
(HR Online:
Erlkönig verunglückt: Porsche-Tester rast in den Tod)
Gut, dass sie das bei einer Testfahrt gemerkt haben.
Unterschätzte Risiken: Fußmatten
Fußmatten gefährden die Gesundheit Ihres Autos:
»Glück im Unglück hatte ein 77-jähriger Autofahrer in Kassel: Weil sich seine Fußmatte am Gaspedal verhakte, raste er mit Vollgas gegen eine Ampel. Der Wagen hatte Totalschaden – der Rentner blieb unverletzt.«
(HR Online:
Mit Vollgas gegen Ampel: Wie durch ein Wunder unverletzt)
Railcar runs 40 kilometers without driver
In the morning hours of December 8th, 2008 a railcar left the train station of Merseburg, Germany and made a journey of 40 kilometers to Querfurt – all on its own, without a driver or any other person on board. The train finally came to a standstill on an uphill section of the railroad line. Luckily, nobody was injured and no damaged was caused by this ghost train. Apparently the incident was noticed when the railcar began to move and the line could be closed for other railway traffic to avoid collision.
There is no official investigation report so far and the exact causes of the incident remain unknown to the public. However, a programme broadcasted on January 6th, 2009 by the TV station MDR mentioned some interesting details about the incident. The programme quoted an official from the Federal Railway Authority (Eisenbahn-Bundesamt, EBA) vaguely hinting towards „technical faults“ and „software problems“ as the possible cause. More interesting than that was the description of the incident, which I enrich here with some additional information from Wikipedia:
The railcar was a Bombardier LVT/S, also known as series 672, operated by Burgenlandbahn, a subsidiary of Deutsche Bahn. It had arrived in Merseburg as one part of multiple unit coming from Querfurt. As the trailing unit, to be precise, which means that it still had been self-propelled during its previous service, but remote-controlled from another unit. In Merseburg the train was separated with the intention of using the trailing railcar to operate another service back from Merseburg to Querfurt. This was the one that drove off without waiting for its driver.
The series 672 railcar is equipped with automatic couplers. This makes separating the units really easy: the driver in the leading car stops the multiple unit, pushes a button and drives off with a single railcar, leaving the trailing car behind. It seems that this can leave the former trailing car in a particular condition: with its engines running and the driver’s safety device (aka dead man’s switch) still disabled. According to the TV programme the dead man’s switch, which is mandatory for trains in Germany, has to be disabled in the trailing railcar(s) of a multiple unit where there is no driver to operate it.
This does not explain how the railcar started its uncommanded run in the first place, but it provides a plausible explanation why the train was not stopped by safety mechanisms. The railroad line, being a secondary line, is not equipped with a train protection system. The dead man’s switch therefore was the only mechanism that could have stopped the railcar but failed to do so. To prevent further incidents of this kind, procedures have been changed to ensure that a driver is present in each of the cars when a multiple unit is being separated.
The incident illustrates how straightforward solutions to seemingly simple problems can be subtly wrong. The problem is that the railcar can be operated in different modes that require different configurations of its safety equipment. The system does not enforce, however, that the configuration is appropriate at any time. This may simplify the design of the technology but imposes upon the operator the need to deal with situations of inconsistency that might not be obvious until such an incident occurs.
Radfahren ist ja sooo gefährlich
Woher kommt die gern nachgeplapperte Behauptung, Radfahren sei besonders gefährlich? Unter anderem von Leuten, die es besser wissen müssten. Das zeigt uns Ben Goldacre im Guardian sowie in seinem Blog Bad Science. Ihm ist eine Pressemeldung in die Hände gefallen, die einen dramatischen Anstieg der Fahrradunfälle behauptet. Diese Behauptung ist vorurteilskompatibel, aber völliger Blödsinn, wie er nachvollziehbar zeigt. Quelle der Desinformation: ein Versicherungsunternehmen.
Unterschätzte Risiken: Bohlen an der Uni
LVZ-Online berichtet über einen Arbeitsunfall:
»Ein 30-jähriger Arbeiter ist am Mittwochnachmittag auf der Baustelle für den neuen Campus der Universität Leipzig an der Universitätskirche bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Der Leipziger sei von herabstürzenden Bohlen erschlagen worden, teilte die Polizeidirektion Leipzig mit.«
Dass Bauarbeiten gefährlich sind, vor allem für die Bauarbeiter, wissen Leserinnen und Leser dieses Blogs bereits. Interessanter als die Statistik ist bei Unfällen meist die Ursachenforschung. Auch auf einer Baustelle regnet es ja nicht einfach kiloschwere Bohlen, sondern wie so oft spielen mehrere Faktoren zusammen:
»Zu dem Unglück kam es laut Polizei, als sich ein Fahrstuhl mit vormontiertem Boden aus zunächst ungeklärter Ursache aufwärts in Bewegung setzte. Dabei wurden Sicherungsbohlen aus Arbeitsgerüsten herausgerissen. Die 15 bis 20 Kilogramm schweren Bohlen stürzten etwa 20 Meter tief in den Fahrstuhlschacht, in dem die beiden Bauarbeiter waren.«
Da ist es gar nicht so einfach, eine eindeutige Ursache anzugeben, sofern man sich darunter einen einzelnen Fehler oder ein einziges Elementarereignis vorstellt. Sondern die Wirkung, Bohlen fallen auf Arbeiter, folgt aus einem komplizierten Geschehen. Dieses Geschehen wurde durch vielerlei Faktoren beeinflusst und hätte sich in der vorliegenden Form durch mehrere unterschiedliche Änderungen der Ausgangsbedingungen vermeiden lassen.
Bis hierhin ist alles recht einfach. Interessant wird es, wenn wir nach wirksamen allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen suchen. Gegen diesen spezifischen Unfallverlauf etwas zu tun, ist nicht sinnvoll, wenn er sich in dieser Form nicht häufig wiederholt. Gesucht sind Maßnahmen, die einen nennenswerten Anteil der möglichen Unfälle behandeln. Das war auch der Hintergrund meiner Fragen zum Weihnachtsbaumbrand neulich.
Bagatellhelme aus Styropor
Ein wiederkehrendes Thema in (Fahrrad-)Helmdiskussionen ist dei Frage, wogegen genau die real existierenden Helme eigentlich schützen. Helmskeptiker behaupten, nach der Konstruktion und den Prüfstandards könne so ein Helm nur gegen Bagatellverletzungen helfen, also genau dann, wenn man eigentlich keinen Helm braucht, weil man auch ohne Hilfe überlebt.
Mit zunehmender Faszination beobachte ich nun, dass solche Argumente Eingang finden in die Berichterstattung der Mainstream-Medien, zumindest wenn es um Skihelme geht. So schreibt Focus Online: Bagatellhelme aus Styropor weiterlesen
What’s the harm?
»This site is designed to make a point about the danger of not thinking critically. Namely that you can easily be injured or killed by neglecting this important skill. We have collected the stories of over 225,000 people who have been injured or killed as a result of someone not thinking critically.«
Thus far their collection comprises »3,284 people killed, 306,068 injured and over $2,815,114,000 in economic damages« caused by pseudoscience, alternative medicine, religion, belief in the supernatural, fears, misinformation and the like. And it’s not always harm that people inflict upon themselves as for instance the section on expert witnesses shows.
Wofür man wirklich einen Helm braucht
Ich habe ja gar nichts gegen Helmträger. Erst recht nicht, wenn sie lustige Videos produzieren:
(Direkthelm, via)
PS: Noch ein Helmträger.
In einem Wort
Radweg zum Mitnehmen
Light Lane, so heißt der Radweg, der mitfährt. Vom Fahrrad projiziert ein Laser ein Stückchen Radweg auf die Straße, komplett mit Fahrradsymbol. Kaufen kann man die Light Lane noch nicht, sie existiert wohl nur im Photoshop-Universum. Was soll ich nun davon halten?
Der Idee, hilfreiche Markierungen auf die Fahrbahn zu projizieren, kann ich durchaus etwas abgewinnen. In der Praxis dürfte es zwar schwierig werden, vom bewegten Fahrrad aus eine ruhige Projektion hinzukriegen, aber andererseits kann heute jede bessere Digitalkamera Erschütterungen ausgleichen. Das bekommt man vermutlich hin, wenn das Ergebnis Geld kosten darf.
Aber muss es ausgerechnet ein Radweg sein? Naheliegender scheint mir, dem Radfahrer den richtigen Abstand zum Fahrbahnrand sowie geschwindigkeitsabhängig den aktuellen Bremsweg anzuzeigen. Und anderen Fahrzeugführern den angemessenen Sicherheitsabstand nach hinten sowie die Ideallinie fürs Überholen. Außerdem vielleicht die Geschwindigkeit, für die Plinsen mit Überholzwang.
Kurz und gut, die Technik wäre geil, an der Anwendung müssten wir noch feilen. Ein Fahrradsymbol hinters Fahrrad zu malen ist nur redundant.
Noch einmal Skihelme
Dass man über Helme auch vernünftig schreiben kann, zeigt uns neben der FAZ auch die Zeit. Im Reiseteil der aktuellen Ausgabe findet sich unter dem Titel Alpine Raserei ein feiner Artikel, der sich nicht in platten Parolen (»wichtigstes Körperteil schützen«), wilden Analogieschlüssen (»Sicherheitsgurt«) und Muttiargumenten (»Guck mal, der Mann auf dem Motorrad da trägt auch einen Helm.«) ergeht. Sondern erst mal die richtigen Fragen stellt: was wissen wir eigentlich, wie hoch ist das Risiko, von welchen Faktoren wird es noch beeinflusst, und welchen Effekt können wir eigentlich erwarten? Wer solche Fragen stellt, der schafft es auch, das Risiko als handhabbaren Wert darzustellen:
»Doch der Prozentsatz der Zusammenstöße sei in den letzten Jahren gleich geblieben, sagt der ÖSV. Er rechnet vor, dass auf 1000 Skitage nur 1,3 Verletzungen kommen. Das heißt, wer zwei Wochen jährlich Ski fährt, hat durchschnittlich einmal in etwa 55 Jahren Pech.«
Und wie wir bereits wissen, hat man sich, wenn dieser Fall eintritt, mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas anderes gebrochen als den Kopf.
Skihelmzahlen (und Seitenhiebe)
Während die Redaktion der PseudoScienceBlogs ihren festen Standpunkt in der zum Glaubenskrieg erklärten Helmfrage betont, zeigt uns die gute alte Presse, wie eine rationale Sicherheitsbetrachtung aussieht. FAZ.NET informiert uns sachlich darüber, dass 4,2 Millionen Deutsche regelmäßig Ski fahren, dass sich in der letzten Saison 45.000 verletzt haben und dass 6.500 stationär behandelt werden mussten, die meisten davon wegen anderer Verletzungen. Wir erfahren auch, dass Kopfverletzungen nur zehn Prozent der Verletzungen ausmachen, aber nach Expertenansicht besonders gefährlich sind. Da bleiben noch allerlei Fragen offen, aber die Zahlen gestatten zumindest eine grobe Einordnung des Risikos. Leider geistern auch die 85% Wirksamkeit durch den Artikel, die überall auftauchen, wo es um Helme geht, und von denen wohl keiner mehr weiß, wo sie eigentlich herkommen. Aber die bringt der befragte Experte ins Spiel, dagegen kann ein Journalist wenig tun. Wer brauchbare Informationen sucht, liest also besser weiterhin Zeitung und keine hippe Blogillustrierte.
Unterschätzte Risiken: Kaputte Wasserrohre
Kann Wasser einen Brand auslösen? Offenbar ja, und dazu muss keine Hollywood-tauglichen Chemikalie im Spiel sein, die bei Nässe explodieren würde, gäbe es nicht den Action-Helden, der die Katastrophe im letzten Moment verhindert und danach mit einer gutaussehenden Dame in den Abspann reitet:
»Ein Wasserrohrbruch war die Ursache für ein Feuer in der Küche des Schlosses Braunshardt in Weiterstadt. Das Wasser hatte am Sonntagnachmittag einen Kurzschluss ausgelöst, teilte die Polizei am Montag mit.«
(HR Online: Rohrbruch löst Küchenbrand aus)