Im Informatikunterricht gefehlt
haben wohl die Journalisten, die uns seit Tagen mit Geschichten über Bibelverse auf amerikanischen Zielfernrohren nerven. Da stehen nämlich gar keine Bibelverse drauf. Sondern je nach Lieblingsparadigma Zeiger auf Bibelverse, Primärschlüsselwerte aus der Bibelverstabelle, Identifier für Bibelversobjekte oder irgendwas in dieser Art. Die ganze Aufregung dreht sich um Zeichenfolgen wie JN8:12 oder 2COR4:6. Wenn es wenigstens Hexspeak wäre…
Spam-based economy
(direct spam, via)
Fighting back
Sherr, M.; Shah, G.; Cronin, E.; Clark, S. and Blaze, M.: Can They Hear Me Now? A Security Analysis of Law Enforcement Wiretaps. CCS’09.
Abstract:
»Although modern communications services are susceptible to third-party eavesdropping via a wide range of possible techniques, law enforcement agencies in the US and other countries generally use one of two technologies when they conduct legally-authorized interception of telephones and other communications traffic. The most common of these, designed to comply with the 1994 Communications Assistance for Law Enforcement Act (CALEA), use a standard interface provided in network switches. This paper analyzes the security properties of these inter- faces. We demonstrate that the standard CALEA interfaces are vulnerable to a range of unilateral attacks by the intercept target. In particular, because of poor design choices in the interception architecture and protocols, our experiments show it is practical for a CALEA-tapped target to over- whelm the link to law enforcement with spurious signaling messages without degrading her own traffic, eectively preventing call records as well as content from being monitored or recorded. (…)«
Platzt die Ökoblase bald?
Vor zehn Jahren platzte die Dotcom-Blase. Dass es dazu kommen musste, war aufmerksamen Beobachtern schon länger klar. Zu grotesk waren die börsennotierten Geschäftsideen. Heute sieht es so aus, als drohte der Ökowirtschaft ein ähnliches Schicksal. Ökowirtschaft, das ist der Handel mit virtuellen Produkteigenschaften und Wirtschaftsgütern. Virtuelle Produkteigenschaften sind solche, die man einem Produkt ohne Kennzeichnung nicht ansieht: Biomilch, Ökostrom, ohne Gentechnik hergestellter Zucker. Produkte mit diesen virtuellen Eigenschaften lassen sich anscheinend teurer verkaufen als identische Produkte ohne sie. Deshalb gibt es im Supermarkt neben dem Obst aus der Kiste auch noch sorgfältig eingepacktes Obst mit einem Biosiegel drauf. Ein wenig Verpackungsmüll muss man der Umwelt zuliebe schon hinnehmen.
Virtuelle Produkteigenschaften sind eine Einladung zum Geldverdienen. Dazu muss man lediglich das gewöhnliche Produkt nehmen, und ihm die gewünschte Eigenschaft verleihen, was nichts weiter erfordert als eine Deklaration. Wenn das jemand allzu deutlich zeigt, gilt es allerdings als Skandal, denn das macht den Markt kaputt.
Noch einen Schritt weiter gehen rein virtuelle Produkte, zum Beispiel CO2-Zertifikate. Das sind Produkte, bei denen sowohl die Herstellung als auch die Verwendung rein deklarativ erfolgen. Das Produkt ist eine bloße Behauptung, wird aber gehandelt, als sei es real. In Ecuador hat man dieses Konzept offenbar richtig verstanden. Man bietet dem Ausland an, vorhandenes Erdöl gegen Geld im Boden zu lassen. Viel verrückter geht es nicht mehr, deshalb prognostiziere ich, dass die aufgeblasene Ökowirtschaft bald ein Ende haben wird.
Sicher
Wir bloggen hier übrigens aus Hessens sicherster Großstadt. Der Rest der Statistik ist auch interessant.
P.S.: Details für den Landkreis.
Nichts hält sich so hartnäckig wie blöde Ideen
Giropay gibt es jetzt auch international und heißt dann in grandioser Selbstüberschätzung Safetypay. Im Gegensatz zur Sofortüberweisung scheint Safetypay immerhin wenigstens die Banken zu fragen, ob sie das auch wollen. Besser macht das die Idee allerdings nicht. Einen Vorteil von solchen Systemen haben höchstens die Händler.
In einem Wort
Unterschätzte Risiken: Händis
Ich werde wohl nie begreifen, wie man sich von einem Stück Technik bis zur Idiotie herumkommandieren lassen kann:
»Auf einem unbeschrankten Bahnübergang bei Münchhausen ist am Dienstag auf der Strecke Marburg-Frankenberg ein Zug mit einem Auto zusammengestoßen.
(…)
Der Führerschein-Neuling sagte aus, sein klingelndes Handy habe ihn abgelenkt, deshalb habe er den Zug übersehen.«
Terrorism as a business
Überraschend
Angst ums Kind? Das ist oft Angst vor Unfällen, von der sich Eltern einschüchtern lassen. Die Realität:
»Krankheiten sind die häufigste Ursache von Schwerbehinderungen. Unfälle spielen dagegen keine Rolle. Nur 0,45 Prozent der schwerbehinderten Kinder und Jugendlichen haben sich ihre Beeinträchtigung bei einem Unfall zugezogen.«
(Finanztest 1/2010, S. 60)
Noch ein Grund, sich von Fahrradhelmen nicht zu viel Schutz zu erhoffen.
Für Profis
In Deutschland geht wenig ohne das passende Formblatt. Wer etwa eine Bombendrohung erwartet, sollte tunlichst diesen Vordruck bereithalten. Wie man später nach der Bombe sucht, ist hier in Anlage 3 erklärt. Geheimtipp: Blumenkästen, Damen-WC und Besenkammer nicht vergessen!
Unterschätzte Risiken: Hoden-Hans
Falsche Freunde können einem echt den Tag versauen. Und alle darauf folgenden Tage gleich mit:
»Er sei völlig unvermittelt über sein schmächtiges Opfer hergefallen und habe mit einem einzigen Griff dessen Hose zerfetzt. Die blutigen Hoden schleuderte er in hohem Bogen aus dem Fenster.«
(Welt Online: Kastration : Betrunkener reißt Mann die Hoden ab)
In einem Wort
Falschmünzerei
Früher bekam man für Falschmünzerei schon mal die Hände abgehackt, wenn man nicht das Pech hatte, in siedendes Öl getaucht zu werden. Heute sind solch drakonische Strafen unnötig, gerade mal 3,1 Millionen Euro Schaden verursachen Geldfälscher im Jahr. Ungefälscht bleiben Münzen mit Nennwerten unter 50 Cent.
Ver-warnt
Wer sich über unsere Katastrophenlust (oder die einiger Medien) angesichts der jüngsten Schneefälle im Winter auslassen möchte, findet bei Stefan Niggemeier einen Aufhänger von Jörg Kachelmann sowie einige gute Kommentare. Wir lernen daraus neue Worte: neben Parameteorologie (= alles außer Kachelmann-Wetter) auch noch deutsche Eventgemeinschaft und Quote-durch-Panik-Masche.
P.S.: Sueddeutsche.de hat auch noch was dazu: Unseren täglichen Schock gib uns heute.
P.P.S.: Inzwischen sind sich die Medien alle einig in ihrer Selbstverdammung. Bis zum nächsten Kataströphchen.
Unterschätzte Risiken: Gender Mainstreaming
Kerzen im Badezimmer sind Mädchenkram. Waschbenzin dagegen gehört zu den Jungs in die Werkstatt. Wer die Geschlechtergrenzen verwischt, tut sich damit keinen Gefallen:
»Die 29-Jährige putzte am Mittwochabend ihre Badewanne mit Waschbenzin und hatte aus unerklärlichen Gründen am Wannenrand eine brennende Kerze aufgestellt, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Als sie mit dem benzingetränkten Lappen in der Nähe der Flamme gewischt habe, sei es zu einer Verpuffung gekommen.«
(Spiegel Online: Frau verbrennt sich beim Putzen der Badewanne)
7.015.630.000-mal FKK für einen Terroristendarsteller
Irrationale Debatten um Sicherheitsutensilien werden anscheinend zur neuen Jahreswechselmode. Erregte vor einem Jahr der Skihelm die Medien, ist es diesmal der Nackigscanner. Eigentlich gibt es für die Debatte nicht einmal einen richtigen Anlass. Auslöser war ein unbeholfener, gescheiterter Anschlagsversuch in einem Flugzeug. Passiert ist nichts, deshalb brauchen wir neue Sicherheitsgroßtechnik?
Gewiss, wir reden über Konjunktive — hätte, könnte, wäre — wie in jeder Risikobetrachtung. Aber wir haben auch Daten: um mit derselben Wahrscheinlichkeit an Bord eines Flugzeuges Terrorismus zu erleben, mit der man am Boden vom Blitz getroffen wird, muss man im Jahr mehr als zwanzigmal fliegen. Und darin sind noch die gescheiterten Anschlagsversuche enthalten. Mit anderen Worten, selbst Vielflieger haben kaum eine realistische Chance, an Bord eines Flugzeuges zum Terroropfer zu werden.
Doch das liegt sicher nur an den bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen, den konfiszierten Wasserflaschen und Nagelscheren, nicht wahr? Nein. Terroristen haben keinen Grund, unsere Selbstmordbomber-an-Bord-Fixierung zu teilen. Im Gegenteil, kluge Terroristen werden etwas anderes tun als beim letzten Mal. Die Schlange vor der Sicherheitskontrolle zum Beispiel, mit Absperrbändern in die Fläche gefaltet, eignet sich vorzüglich für einen Selbstmordanschlag mit Sprengstoff. Doch Terrorismus ist so selten, dass wir auch dort keine Angst haben müssen.
Naked Truth
In the current discussion about the use of body scanners at airports (aka strip machines) many people seem to forget, that these scanners do not pose a remedy to the latest security threat, i.e. explosives. So I am amazed that in this day and age we still are preoccupied with knives and guns. And I ask myself, do we really need expensive technology to spot them? Are the Indians really the only part of the scenario that has changed? And isn’t touching my privates a bigger privacy infringement than taking a x-ray-picture?
Entenalarm
„Ausweischip gehackt“ titelte die taz und brachte damit noch kurz vor Jahresende eine besonders schöne Falschmeldung zum CCC-Kongress in Umlauf, die Detlev Borchers auf Heise prompt als Ente entlarvte. Auch wenn der Vortrag im Hacking-Track lief handelte es sich vorwiegend um eine Funktionsbeschreibung des neuen Personalausweises, denn in der Tat kann man Daten aus dem Ausweis auslesen – mit Berechtigungszertifikat. Das soll so sein. Das Beispiel beweist einmal mehr, dass guter Technikjournalismus in Tagesszeitungen schwer zu finden ist. Gut, dass es noch Fachjournalisten wie Christiane Schulzki-Hadouti gibt, die zu ganz anderen Schlüssen kommt und einen Rückzieher beim CCC entdeckt. Übrigens: Die wichtigsten Daten kann man auch jetzt schon aus dem derzeitigen Ausweis auslesen – mit den Augen, die Daten sind nämlich aufgedruckt.
Über-Überwachung
What Santa forgot to bring – Antispycamscanner, aka the eye of darkness.
In einem Wort
Tiefigkeit (engl.: Deepity)
Spendenaufruf
Zwei Euro im Monat für ein gutes Gefühl, das ist das Kerngeschäft der Versicherungswirtschaft:
»Oft reichen einige Minuten Surfen im Internet – und schon sind Ihre Bankdaten in die Hände von Betrügern gelangt. Phishing-Angriffe, die gezielt Online-Banking Kunden im Visier haben, verursachen immer wieder hohe Schäden.
(…)
Anfang 2010 bietet CosmosDirekt die passende Lösung: Den Konto-Schutzbrief, der Sie ab 2€ im Monat gegen die Plünderung Ihres Kontos schützt*. Er sichert alle Schäden aus dem Missbrauch Ihrer EC- und Kreditkarte sowie Ihrer Kontodaten ab.«
Für ungefähr dieselbe Summe bekommt man übrigens schon eine kleine Haftpflichtversicherung. Der Preis taugt also noch nicht einmal als Risikometrik.
