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Atomalarm?

Das wird aus dem Atomalarm, wenn Amerikaner darüber berichten:

„If this cooling process fails and some of the fuel in the reactor starts to melt, then that would write off the reactor as a commercial concern — and that is a huge consideration as they are very expensive. But even at this stage you wouldn’t get much in the way of airborne releases of radioactive material.“

But if the fuel has time to melt to the bottom of the reactor, then there is the possibility of it getting into water supplies, though this scenario is much further down the line, he said.

(CNN.com: After the quakes: Are Japan’s nuclear plants safe?)

Update 2011-03-12 12:10: BBC interviewt einen Experten, der auch angeschts der Explosion noch gelassen bleibt und von good news spricht.

Update 2011-03-12 12:40: Das hätte ein Politbüro nicht schöner formulieren können: „As reported, we have been informed that there was some kind of an explosive phenomenon at Fukushima No 1 nuclear power plant, although it has yet to be confirmed whether [the explosion] was that of a nuclear reactor itself. At present, after the talks among political party heads held a while ago, government officials including the prime minister and the minister of economy, trade, and industry, along with experts, are making all-out efforts to get hold of and analyse the situation, and to take measures.“ (Regierungssprecher Yukio Edano, zitiert im BBC-Ticker)

Update 2011-03-12 16:15: Wenn es ernst wird, liest sich das auf Angelsächsisch so: “The World Nuclear Association has a fact sheet on nuclear power plants and earthquakes, which assesses the likely impact of a tsunami and details past incidents. It’s worth bearing in mind that the nuclear industry will want to reassure the public of its safety record in the wake of the situation in Japan.” (Guardian)

Update 2011-03-12 17:05: Ein Festtag für deutsche Ökos: „Ich habe immer erwartet, dass ich noch einmal eine Kernschmelze in einem Atomkraftwerk erlebe. Aber trotzdem kommt es immer anders, als man denkt.“ (sueddeutsche.de) Die wünschen sich jetzt heimlich, dass alles möglichst schlimm ausgehe.

Update 2011-03-14 01:00: In Tokio gucken die Leute Kirschblüten,, statt vorm GAU zu zittern: „Die Leute haben gelacht über die Horrorszenarien im ausländischen Fernsehen.“ (RP Online) Mit Ausnahme der westlichen Ausländer. Die ergötzen sich lieber am vermeintlichen Weltuntergang, ob vor Ort oder weit weg zu Hause im bequemen Twittersessel.

Update 2011-03-14 11:40: „Der Apokalyptiker, der stets mit dem Schlimmsten rechnet, braucht hin und wieder den Beweis, dass er mit seiner Weltsicht richtig liegt, sonst ergeht es ihm am Ende wie den Zeugen Jehovas, die den Tag des Jüngsten Gerichts schon drei mal verschieben mussten, weil er sich bislang einfach nicht einstellen wollte.“ (Der Schwarze Kanal)

Update 2011-03-14 22:35: »Aber wenn man in Deutschland Nachrichten schaut, bekommt man den Eindruck, es gebe vor allem zerstörte Kernreaktoren, und die Katastrophe sei in erster Linie ein Super-GAU in japanischen Kernkraftwerken. Während die Japaner unter den Folgen blinder Naturgewalten leiden, tun wir Europäer so, als hätte eine Technologie versagt.« (Arte-Fakten)

Update 2011-03-16 21:30: Für CNN ist es immer noch »a potential nuclear disaster.«

Update 2011-03-17 01:10: So kommen sinkende Messwerte zustande: »Um 5 Uhr am Mittwochnachmittag (Ortszeit) habe die Strahlung 752 Mikrosievert pro Stunde betragen, um 5 Uhr am Donnerstagmorgen dagegen – nachdem die Messgeräte auf einer anderen Seite des Kraftwerks aufgestellt worden waren – nur noch 338 Mikrosievert, zitiert die Nachrichtenagentur einen Sprecher.« (sueddeutsche.de)

Update 2011-03-17 08:35: Während die Medien seit einer fast einer Woche das japanische Tschernobyl beschwören, sieht die Realität wohl nach wie vor anders aus: »Die Ausbreitung von radioaktiven Partikeln in Fukushima wird von internationalen Fachleuten wie von der japanischen Regierung offensichtlich immer noch als lokales Ereignis eingestuft. (…) Auch nach Ansicht eines führenden deutschen Strahlenschutzexperten Peter Jacob besteht vorerst keinen Grund, von einer Eskalation zu sprechen. (…) Ein Vergleich zu der Situation in Tschernobyl unmittelbar nach der Havarie sei, was die Strahlenbelastung der Bevölkerung angeht, zur Zeit überhaupt nicht zu ziehen. Auch wenn man nicht wissen könne, was noch passieren werde, deute vieles darauf hin, dass es so bleibe.« (FAZ.NET)

Update 2011-03-18 09:10: Nach einer Woche Katastrophenzelebration bleibt die Bilanz ernüchternd: »Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt die radioaktive Strahlung aus dem beschädigten Reaktoren räumlich begrenzt. „Zu diesem Zeitpunkt gibt es weiterhin keinen Hinweis darauf, dass sich die Strahlung über die Zone um die Reaktoren hinaus ausbreitet“, sagte der WHO-Vertreter in China, Michael O’Leary, am Freitag.« (FAZ.NET) Wir warten weiter auf den Tag, an dem die Atomkraft Millionen von Menschen tötet und Landstriche unbewohnbar macht.

Update 2011-03-18 16:20: Es gibt auch ein paar echte Probleme im Katastrophengebiet: »Patrick Fuller, Sprecher des Roten Kreuzes, hat der Agentur Reuters die Lage im Erdbebengebiet beschrieben. Das eigentliche Problem sei derzeit nicht die atomare Gefahr, sondern neben der Bergung der Toten vor allem die Versorgunng von 380.000 Personen, die ihr Heim verloren hätten.« (sueddeutsche.de)

Update 2011-03-19 00:30: David Harnasch kommentiert die Medien-Märchen.

Update 2011-03-19 11:20: Eine Französin wundert sich über die Deutschen: »Die Menschen verfolgen derart aufgewühlt die Richtung des Windes um Fukushima, als ob die beschädigten Reaktoren an der Grenze Deutschlands stünden. Und die Vollblut-Paniker unter den Deutschen – absurder geht’s nicht! – besuchen keine japanischen Restaurants mehr.« (Spiegel Online)

Update 2011-03-19 12:00: Nüchterne Sachinformationen zum Ereignis stellt die GRS bereit.

Update 2011-03-20 20:30: »Wie es dieser Tage zugeht in Deutschland, das konnte man vor ein paar Tagen in der U-Bahn in München erleben. Dort unterhielten sich zwei Männer besorgt über die Krebsgefahren, die ihnen aus dem havarierten Kernkraftwerk in Japan drohten. In Garching stiegen sie aus der U-Bahn aus. Und zündeten sich erst mal eine Zigarette an.« (FAZ.NET)

Update 2011-03-23 09:40:

(youtube, via)

Update 2011-03-23 12:55: »Deutsche in Japan fühlen sich verhöhnt« (Welt Online)

Update 2011-03-26 11:15: »The situation at the quake- and tsunami-stricken Fukushima Daiichi nuclear powerplant in Japan was brought under control days ago. It remains the case as this is written that there have been no measurable radiological health consequences among workers at the plant or anybody else, and all indications are that this will remain the case. And yet media outlets around the world continue with desperate, increasingly hysterical and unscrupulous attempts to frame the situation as a crisis.« (The Register)

Update 2011-03-27 11:54:
Totentanz im Führerbunker – mit der ARD durch die Atomkrise
Anti-Atombewegung: Nur fast wie früher

Update 2011-03-28 22:35: Technology Review schildert sachlich das Geschehen.

Update 2011-03-29 22:25: »Ich habe mir deshalb die veröffentlichten Messwerte genauer angesehen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die weltweite Aufregung wird durch diese Daten nicht begründet.« (Die tägliche Dosis (2))

Update 2011-03-30 14:10: Die GRS malt von XKCD ab. Ohne Quellenangabe.

Update 2011-04-04 09:20: »Die Diagnose der Hysterie ist so erkennbar unwahr und unfair, dass sie interessant wird. Niemand hat sich eine Arche gebaut, keine Hamsterkäufe fanden statt, Jodtabletten sind in Deutschland nicht ausverkauft, und auch von Auswanderungen und Fluchtbewegungen ist nichts bekannt. Die Deutschen haben im Gegenteil auf das Ereignis so rational reagiert, wie es in einer Demokratie überhaupt nur möglich ist: Sie haben ihre Stimme abgegeben.« (FAZ.NET)

Update 2011-04-06 19:15: »Schädlicher als die Strahlung selbst ist die Angst vor ihr.« (Robert Peter Gale, Spiegel Online)

Update 2011-04-07 22:45: „Neu ist, dass über einen GAU wie über einen Sportanlass berichtet wird. Newsticker jagen nach neuen Rekorden. Weil das Erdbeben und der Tsunami fataler waren als der nukleare GAU, musste der «Super-GAU» her. Das ist so, als würden sich Christen auf den Allerjüngsten statt auf den Jüngsten Tag freuen.” (Beda M. Stadler)

Update 2011-04-14 01:35: »Vielleicht hören wir heute nicht mehr Alarm, wenn sofort gehandelt werden muss, weil das inzwischen ohnehin nur die wenigsten Dinge löst. Wir hören Alarm, weil der Alarm alles andere, jeden komplizierten Zusammenhang, jedes moralische Problem, jede anstrengende Denkaufgabe, für einen Moment ausblendet, im Daueralarm für ewig.« (FAZ.NET)

Update 2011-04-16 23:25: Journalists Wall of Shame.

Unterschätzte Risiken: Copyright

Matt Blaze hat die Nase voll von Open-Access-Verhinderern:

»So from now on, I’m adopting my own copyright policies. In a perfect world, I’d simply refuse to publish in IEEE or ACM venues, but that stance is complicated by my obligations to my student co-authors, who need a wide range of publishing options if they are to succeed in their budding careers. So instead, I will no longer serve as a program chair, program committee member, editorial board member, referee or reviewer for any conference or journal that does not make its papers freely available on the web or at least allow authors to do so themselves.«

(Matt Blaze: Shaking Down Science)

Positiv denken

Grandios! Gideon Böss fordert auf der Achse des Guten den Friedensnobelpreis für Stuxnet:

»Wenn jemand es verdient hat, den (nächsten) Friedensnobelpreis zu bekommen, dann ja wohl Stuxnet! Dieser geniale Computervirus, der das iranische Atomprogramm mindestens empfindlich gestört, wenn nicht gar gestoppt hat. Die Anlagen, in denen die Mullahs ihre Bombe bauen wollten, sind aktuell kaum betriebsfähig. Im Grunde sind es Ruinen, ohne dass sie durch Bomben zerstört wurden. Kein Mensch wurde bei diesem vernichtenden Angriff getötet oder auch nur verletzt.«

(Die Achse des Guten: Friedensnobelpreis für Stuxnet)

Als Bedrohung für die IT-Sicherheit ist Stuxnet übrigens irrelevant. Wer keinen fähigen Geheimdienst zum Gegner hat, muss wenig befürchten. Und wessen Angreifermodell solche Geheimdienste umfasst, der hat mit dem gängigen Security-Spielkram sowieso keine Chance. Unser Business ist eine Farce.

P.S.: Neusprech.org und das Sprachlog beschäftigen sich gerade mit Cyberwar als Cyberwort.

Imagerisiko?

Einer plappert es dem anderen nach, bis alle ganz fest dran glauben: Fehler in der IT-Sicherheit fügen Unternehmen schwere Reputaitonsschäden zu, die sie an den Rand des Untergangs bringen. Das klingt zunächst plausibel – stimmt aber vielleicht überhaupt nicht. Oder ist schon mal eine Bank pleite gegangen, nachdem ihre Kundendaten an deutsche Steuerbehörden verkauft wurden?

Wir brauchen langsam mal ein neues Marketing und neue Beraterpasswörter.

Mehr Weihnachtsgeld im Niedriglohnsektor

So bessern Sie Ihr Gehalt auf, wenn Sie im Niedriglohnsektor tätig sind:

  1. Suchen Sie Arbeit im Einzelhandel, zum Beispiel in einem Supermarkt. Dort sind sie in guter Gesellschaft.
  2. Machen Sie Ihre Arbeit eine Weile ordentlich. Das schafft Vertrauen, und Vertrauen ist die Grundlage aller krummen Dinger.
  3. Suchen Sie Komplizen. Der junge Kollege zum Beispiel, der gerade seine Lehre abgeschlossen hat, für den sind Sie eine Respektperson. Wenn Sie’s richtig einfädeln, wird er ihnen helfen, ohne einen Anteil zu verlangen.
  4. Ihr Platz ist die Kasse, denn dort ist das Geld. Leider gehört es Ihnen nicht und das können Sie nicht ändern. Das macht aber nichts. Es soll Ihnen nicht gehören, sie wollen es nur haben.
  5. Warten Sie, bis Sie mit einem Kunden alleine sind und keiner in der Nähe steht. Das ist nicht einfach, kommt am Samstagabend in der Kleinstadt aber doch hin und wieder vor.
  6. Verhalten Sie sich völlig normal und tun Sie Ihre Arbeit. Ziehen Sie Waren und Pfandbons über den Scanner. Machen Sie sich dabei innerlich bereit für die Entscheidung (und darauf, nicht enttäuscht zu sein, wenn es wieder mal nicht klappt.)
  7. Kleiner Einkauf, mittelgroßer Geldschein? Das ist Ihre Gelegenheit. Nehmen Sie den 50-Euro-Schein entgegen und legen Sie ihn in die Kasse. Jetzt brauchen Sie nur noch ein wenig Glück. Lässt Sie der Kunde kurz unbeobachtet, weil er Ihnen vertraut und gerade mit Einpacken beschäftigt ist?
  8. Lassen Sie den Schein in Ihrer Kasse verschwinden und dann geben Sie ungerührt auf 20 Euro heraus. Die 20 Euro, die Sie auch in die Kasse eingetippt haben. Wenn der Kunde protestiert, verweisen Sie auf den Bildschirm. Hätten Sie 20 Euro eingetippt, wenn er Ihnen 50 gegeben hätte? Natürlich nicht.
  9. Falls der Kunde insistiert, rufen Sie Ihren Komplizen zu Hilfe. Drücken Sie ihm ihre Kassenlade in die Hand und schicken Sie ihn nach hinten zum „Kassensturz“. Was er im Hinterzimmer wirklich tut, ist egal, das sieht ja keiner.
  10. Sorgen Sie dafür, dass Sie nach einigen Minuten einen Anruf erhalten. Wenden Sie sich danach dem auf sein Wechselgeld wartenden Kunden zu und erklären Sie ihm, er müsse sich wohl geirrt haben, die Kasse weise keinen Mehrbetrag auf. Dass das nur unter willkürlichen Annahmen eine relevante Information ist, sagen Sie nicht.
  11. (optional) Sorgen Sie dafür, dass der zurückkehrende Komplize diese Aussage gegenüber dem Kunden bekräftigt. Jetzt sind Sie in der Überzahl. Zwar haben Sie genau gar kein valides Argument hervorgebracht, aber Ihr Opfer kann ja auch nichts beweisen.
  12. Jetzt müssen Sie nur noch auf ihrem Standpunkt beharren. Notfalls drohen Sie Ihrem Opfer mit der Polizei und erteilen ihm Hausverbot.

Und ich warte jetzt erst einmal ab, was das Einzelhandelsunternehmen dazu sagt. Vielleicht kennt man diese dreiste Masche dort ja schon länger.

-=#=-

Frühere Beiträge aus dieser Reihe:

Nett

Ob Google nun eine gefährliche Datenkrake ist oder nicht, charmant ist solch demonstrative Transparenz allemal:

»Please note that this Privacy Policy may change from time to time. We will not reduce your rights under this Privacy Policy without your explicit consent. We will post any Privacy Policy changes on this page and, if the changes are significant, we will provide a more prominent notice (including, for certain services, email notification of Privacy Policy changes). We will also keep prior versions of this Privacy Policy in an archive for your review.«

Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon einmal woanders gesehen zu haben.

Beruhigungspille

Da fühle ich mich doch gleich viel besser:

McAfee screenshot saying: "Your Mac is secure"

Das Problem hinter solchen Fenstern ist durchaus interessant. Wirksame Sicherheitsmaßnahmen sorgen dafür, dass nichts passiert. Man sieht also nichts. Dass man nichts sieht, heißt aber umgekehrt nicht dass nichts passiert. Und dass nichts passiert, muss nicht an den Sicherheitsmaßnahmen liegen. Die Wirksamkeit und Wirkung von Sicherheitsmaßnahmen zu demonstrieren, kann deshalb schwer sein. Eine Behauptung in großer Schrift löst das Problem allerdings nur unzureichend.

ROTFL

Als wären die Online-Postmodelle von De-Mail bis E-Postbrief nicht schon absurd genug, melden sich auch noch die Formalisten zu Wort:

»Hessische Lottospieler können ihre Tipps künftig auch über das Internet abgeben – möglich macht das der neue E-Postbrief. Suchtexperten schlagen Alarm, der Fachbeirat Glücksspielsucht klagt gegen das hessische Innenministerium.«

(HR: Fachbeirat gegen Lotto per E-Brief: „Das ist krass rechtswidrig“)

Ganz bestimmt macht Lotto per E-Postbrief süchtig.

Prüfsiegel-PR

Ein Meisterstück der PR. Der TÜV Rheinland erklärt uns semantische Haarspaltereien, bietet sich als Wegweiser durch die unübersichtliche Welt der Schwimmhilfen an und lässt jede Verantwortung doch bei den Eltern. Das alles in einer einzigen Pressemitteilung mit dem Titel Schwimmlernhilfen sind kein Spielzeug, deren Zusammenfassung lautet:

»Kein Schutz vor dem Ertrinken / Kinder immer beaufsichtigen / Auf Kennzeichnung mit richtiger Norm EN 13138-1 achten / GS-Zeichen gibt mehr Sicherheit«

Darin klärt uns der TÜV über den Unterschied zwischen Schwimmhilfen und Schwimmlernhilfen auf, die nach unterschiedlichen Normen bewertet werden, die Schwimmhilfen nach EN 71 und die Schwimmlernhilfen nach EN 13138-1. Was das genau bedeutet, soll uns nicht interessieren und wird auch nicht aufgeführt; wichtig ist, dass wir aufs TÜV-Siegel achten. Wenn Eltern alles richtig gemacht haben, ändert sich im Freibadalltag für sie – gar nichts, denn Verantwortung möchte der TÜV lieber nicht übernehmen:

»Trotz Schwimmlernhilfe gilt jedoch: Kinder nie ohne Aufsicht ins Wasser lassen. Am besten halten sich die Erwachsenen nicht weiter als eine Armlänge entfernt auf, um im Notfall sofort eingreifen zu können.«

Unter diesen Umständen könnte man dem Kind statt einer Schwimm(lern)hilfe auch ein Wasserspielzeug in die Hand geben, dessen ausgezeichneten Spielwert der TÜV zertifiziert hat.

Schadensinflation

Meine Haftpflichtversicherung schickt mir diese schöne Prosa:

»Der unabhängige Treuhänder hat eine Erhöhung des Durchschnitts der Schadenszahlungen festgestellt. Gemäß der vertraglichen Regelungen zur Beitragsangleichung wurde der Beitrag um 5% erhöht.«

Wieso brauchen die einen Treuhänder für etwas, das an der Tankstelle oder bei der Bahn einfach so funktioniert?

Gezielte Verteidigung

Ein gutes Bedrohungsmodell erleichtert die Verteidigung, indem es gezielte Sicherheitsmaßnahmen ermöglicht. Das demonstrieren uns Ladeninhaber, die ihre Alarmanlagen mit Nebelmaschinen koppeln. Diese Idee ist vermutlich gut: Einbrecher kommen mit dem Ziel, schnell und einfach eine gewisse Menge Waren mitzunehmen, ohne dabei gefasst zu werden. Dichter Nebel stört dabei. Er verhindert zwar nichts, verlangsamt aber Vorgänge: das Auffinden der Beute, das Heraustragen und gegebenenfalls auch die Flucht, was das Risiko der Täter erhöht. Außerdem kostet Nebel nicht viel, gewiss weniger als eine strikt präventive Ausstattung des gesamten Gebäudes mit einbruchshemmenden Maßnahmen. Alle Schäden verhindert er nicht, aber zur Reduktion taugt er allemal.

Was macht ein Bedrohungsmodell brauchbar? Das ergibt sich daraus, wozu man dieses Modell braucht: man möchte im Modell die mutmaßliche Wirksamkeit und Eignung von Sicherheitsmaßnahmen diskutieren, einschätzen und vergleichen. Die so begründeten Entscheidungen sollen später mit hoher Wahrscheinlichkeit den Realitätstest überstehen.

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Unterschätzte Risiken: Onlinebanking

Sicherheit hängt nicht nur von der Technik ab, sondern manchmal auch vom Vertragsverhältnis:

»A New York marketing firm that as recently as two weeks ago was preparing to be acquired now is facing bankruptcy from a computer virus infection that cost the company more than $164,000.«

(N.Y. Firm Faces Bankruptcy from $164,000 E-Banking Loss)

Dass sich die Bank nicht verantwortlich fühlt, liegt in diesem Fall möglicherweise daran, dass es sich beim Opfer um einen Geschäftskunden handelt. Der Verbraucherschutz fällt damit weg.

Dass Firmen zum Opfer solcher Angriffe werden, scheint übrigens kein Einzelfall zu sein.