Archiv der Kategorie: Risiko

Risk Management

Unterschätzte Risiken: Helmträgerinnen

»Einen offenbar sehr stabilen Helm besitzt eine Radfahrerin, die am Montagnachmittag mit ihrem Kopf eine Schranke so stark beschädigte, dass diese nicht mehr funktionierte. In Plagwitz war die 31-jährige Leipzigerin nach Polizeiangaben von einem Parkplatz in Richtung Nonnenstraße gefahren und nahm dabei nicht den Radweg, sondern folgte einem Auto durch die Zufahrt. Die Frau stieß dann mit ihrem Helm gegen die sich schließende Schranke, die dabei aus ihrer Halterung gedrückt wurde. Die Radfahrerin blieb unverletzt. Zwar bemerkte sie die Beschädigung, fuhr aber einfach weiter.«

(LVZ-Online:
Radfahrerin hebelt Schranke in Plagwitz mit ihrem Kopf aus)

Unterschätzte Risiken: Flugsimulatoren

Flugsimulatoren sind gut für die Sicherheit. Pioloten können dort das Verhalten in Notfällen und schwierigen Situationen üben, damit es im Ernstfall besser klappt. Oder? Kommt drauf an, wie realistisch die Simulation ist:

»The Boeing 737-500 skidded off a runway at high speed and burst into flames because of the pilot’s inability to steer while trying to take off in gusty cross-winds, the NTSB ruled. Six people suffered severe injuries.

Investigators also found that many airline simulators, including Continental’s, made such takeoffs seem far easier than in the real world. To make matters worse, the airline and its trainers were never told the simulators were inaccurate, the safety board found.«

(USATODAY.com: Simulator training flaws tied to airline crashes, via)

In der Bilanz ist das Simulatortraining vermutlich trotzdem eine gute Idee, nur eben nicht perfekt.

Unterschätzte Risiken: Hacker

Zu Hause haben wir uns immer sicher gefühlt. Ach was, wir waren sicher. Bis die Hacker kamen. FOXNews klärt uns auf über 10 Bizarre-but-True Ways Your Home Is Susceptible to Hackers und enthüllt Erschreckendes. Unsere Autos können sie googlen, unsere Drucker klauen, ja sogar durch die Vordertür hereinspazieren und unsere Freunde werden, nachdem sie uns den Strom abgestellt haben. Wir haben Angst.

Unterschätzte Risiken: Zu lange Schlüssel

Luke O’Connor macht sich interessante Gedanken über Verschlüsselung mit überlangen Schlüsseln:

»But I will argue in this post that the likelihood of reputational damage to AES-256 is far from low, and perhaps even quite high. AES-256 keys are so large that it is next to impossible to argue that a cryptanalyst will not be able to find some shortcut to recovering keys that saves time over exhaustive search – simply because the cryptanalyst has so much time to play with.«

(No Tricks: AES-256 and Reputational Risk)

Er argumentiert, dass große Schlüssellängen ein Fenster für kryptographisch erfolgreiche, praktisch aber irrelevante Angriffe lassen. Daraus ergibt sich ein ungerechtfertigtes Reputationsrisiko für den Algorithmus, weil Kryptologen nach ihrer Definition den Algorithmus „brechen” (und darüber reden), ohne dass daraus ein realer Sicherheitsverlust im Einsatz folgt.

Vielleicht ist das Reputationsrisiko aber auch nur Folge eines gesunden Sicherheitsaufschlags.

Unterschätzte Risiken: Rumstehen ohne Helm

Da hat wohl einer geglaubt, er könne sich den Helm sparen, wenn er nur vom Fahrrad stiege und sich neben die Rennstrecke stellte. So kann man sich täuschen:

»Wie die Polizei mitteilte, sei an der Bezirksgrenze von Kreuzberg zu Neukölln gegen 12 Uhr ein bislang unbekannt gebliebener Radfahrer plötzlich gestürzt und gegen einen Streckenposten geprallt. Der Sportler und sein Rad trafen den Helfer am Kottbusser Damm Ecke Weserstraße so unglücklich, dass der 63-Jährige hinstürzte und mit dem Kopf gegen die Bordsteinkante schlug.

Der Polizei zufolge erlitt das Unfallopfer schwerste Kopfverletzungen. (…)«

(Tagesspiegel:
Helfer am Kopf verletzt: Folgenschwerer Unfall beim Velothon)

Unterschätzte Risiken: Hinterfotzigkeit

Bésame, bésame mucho / Como si fuera esta noche la última vez. / Bésame, bésame mucho, / Que tengo miedo a perderte, perderte después.

»Verletzungen an seiner Zunge nach einem heftigen Kuss erlitt dieser Tage ein 38 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg.  (…) Offenbar kam es mitten in der Nacht zu heftigen verbalen Streitereien zwischen dem Ehepaar, wie die Polizei mitteilte. (…) Mit einem Kuss wollte sich das Paar versöhnen – dabei biss die Frau zu.«

(Echo Online: Zungenbiss: Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung)

Gezielte Verteidigung

Ein gutes Bedrohungsmodell erleichtert die Verteidigung, indem es gezielte Sicherheitsmaßnahmen ermöglicht. Das demonstrieren uns Ladeninhaber, die ihre Alarmanlagen mit Nebelmaschinen koppeln. Diese Idee ist vermutlich gut: Einbrecher kommen mit dem Ziel, schnell und einfach eine gewisse Menge Waren mitzunehmen, ohne dabei gefasst zu werden. Dichter Nebel stört dabei. Er verhindert zwar nichts, verlangsamt aber Vorgänge: das Auffinden der Beute, das Heraustragen und gegebenenfalls auch die Flucht, was das Risiko der Täter erhöht. Außerdem kostet Nebel nicht viel, gewiss weniger als eine strikt präventive Ausstattung des gesamten Gebäudes mit einbruchshemmenden Maßnahmen. Alle Schäden verhindert er nicht, aber zur Reduktion taugt er allemal.

Was macht ein Bedrohungsmodell brauchbar? Das ergibt sich daraus, wozu man dieses Modell braucht: man möchte im Modell die mutmaßliche Wirksamkeit und Eignung von Sicherheitsmaßnahmen diskutieren, einschätzen und vergleichen. Die so begründeten Entscheidungen sollen später mit hoher Wahrscheinlichkeit den Realitätstest überstehen.

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Unterschätzte Risiken: Hunde

Die NZZ meldet ein echtes unterschätztes Risiko: Hunde beissen häufiger als angenommen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt. Grund zur Sorge gibt es dennoch nicht:

»Obwohl jeder Unfall ein Unfall zu viel ist und menschliches Leid und Kosten verursacht, kommt die Suva zum Schluss, dass sich seitens Suva für ihre Versicherten keine spezifischen Präventionsmassnahmen zur Vermeidung von Unfällen mit Hunden aufdrängen.«

Das lese ich gerne (und viel zu selten).