Risikoanalyse für Gauner

FAZ.NET präsentiert in einer Galerie von Infografiken dieses schöne Stück, das die Aufklärungsquoten verschiedener Verbrechens- und Vergehensarten zeigt und ordnet. Demnach werden Geldfälscher, Geiselnehmer und Autohehler fast immer gefasst, Autoknacker sowie Auto- und Taschendiebe hingegen fast nie. Zur Berufsberatung für legalitätsflexible Arbeitssuchende fehlen jetzt noch analoge Aufstellungen der mittleren Gewinne pro Tat sowie der mittleren Strafe, falls man erwischt wird. Mit diesen Angaben könnten wir ausrechnen, welche Verbrechen sich lohnen. Falls jemand Zahlen hat oder Leute kennt, die Zahlen haben, her damit.

Enttäuschte Vorfreude

Liebe Microsoft,

wenn ein Button unter einer Sicherheitswarnung mit Details beschriftet ist,

wäre es schön, wenn ein Klick darauf auch Details anzeigen würde. Und nicht die Hilfe öffnen, die mir SSL erklärt. Mich würde hier zum Beispiel interessieren, welche Inhalte denn gemeint sind, damit ich meine Entscheidung in Kenntnis der Umstände treffen kann. Stattdessen bleibt mir nichts anderes übrig, als immer auf JaNein zu klicken. Dabei brauche ich keine Hilfe, das schaffe ich auch so.

Risk Assessment and Failure Analysis in Multiple Small Illumination Sources During Winter Conditions

Risk Assessment and Failure Analysis in Multiple Small Illumination Sources During Winter Conditions

Robert M. Slade, version 1.0, 20031217

Abstract:

In the author’s immediate socio-cultural environment, the unpacking, testing, placement, and maintenance of Christmas lights has been mandated to be „man’s work.“ (Women will, reluctantly, direct the placement of lights, since it is an observed fact that a man has all the artistic sensitivity of a Volkswagen. The car, not the automotive designers.) Therefore, despite the complete lack of any evidence of competence in domestic „handiness,“ or knowledge of electrical appliances, the author has found himself making an extensive, multi- year study of failure modes in different forms of lighting involving multiple small light sources.

Risks Digest vol. 26, issue 26; 2010-12-29

Eine gute Idee schlecht umgesetzt

Das Infor­mations­system der Gesund­heits­bericht­erstat­tung des Bundes ist eine Fundgrube für statistische Gesundheitsdaten, die Joseph Kuhn vom Gesundheits-Check zu Recht empfiehlt. Dort erfahren wir zum Beispiel, dass in der Bundesrepublik des Jahres 1989 aus jeder Milli0n Personenkilometer für Kfz-Insassen 1,31 verlorene Lebensjahre resultierten, aus dem Radfahren hingegen nur 0,02 und damit weniger als aus der Benutzung von Bus (0,11) und Bahn (0,05).

Diese Tabelle hätte ich gerne verlinkt, aber da fängt der Ärger an. Die Inhalte haben keine festen URLs, sondern die Site merkt sich die Navigation ihres Benutzers irgendwo in ihrem Session Management. Wer die Site in mehreren Tabs oder Fenstern öffnet, bekommt beim Reload einer Seite Schwierigkeiten, und verlinken lässt sich anscheinend nur eine Fehlermeldung, aber kein Inhalt.

Stärken zeigt die Site nur in der Erfüllung formaler Anforderungen, vulgo: Compliance. Auf der Startseite prangen CSS- und HTML-Validator-Buttons, und barrierenfrei gibt man sich auch. Das ist nur leider völlig bedeutungslos, solange die Grundfunktionen kaputt sind.

Vielleicht hätten sie die Site nicht in der DDR bei Robotron bauen lassen sollen. Genau danach sieht sie nämlich aus.

Bevormundungsstaat angreifen

Jörg Friedrich ruft zum Widerstand gegen die Sicherheitsbürokratie auf und hat damit vollkommen Recht:

»Wer nicht eines Tages mit leuchtender Warnweste und Helm auf dem Kopf durch die Stadt spazieren will, dem bleibt im Moment nur, Sand ins Getriebe zu streuen. Keiner automatischen Verpflichtung, auch wenn man sie selbst für sich als angenehm empfindet, zuzustimmen. Niemand muss mir vorschreiben, etwas zu tun oder zu lassen, dessen Risiko nur mich selbst betrifft.«

(Der Freitag:
Bevormundungsstaat: Die risikolose Gesellschaft)

Unterschätzte Risiken: Angstpolicies

Sicherheitsverantwortliche in Unternehmen und anderen Organisationen sind dazu da, dass man jemanden feuern kann, wenn etwas in die Hose gegangen ist. Policies – Verhaltensregeln für Mitarbeiter – dienen dazu, diesen Vorgang möglichst weit hinauszuzögern. Der Verantwortliche als Herausgeber einer Policy hat mit der Herausgabe etwas getan, er hat Risiken von sich auf andere verlagert. Und nebenbei vielleicht der Organisation geschadet:

»A recent survey conducted by Telus and the Rotman School of Management indicates that companies that ban employees from using social media are 30 per cent more likely to suffer computer security breaches than firms that are more lenient on the issue of workers tweeting and checking Facebook posts in the office.«

(Facebook bans at work linked to increased security breaches)

 

Identitätsmanagement für Dummies

Vergesst CardSpace, vergesst OpenID, vergesst den elektronischen Personalausweis. Den Identitäts- und Passwortmanager, auf den wir gewartet haben, gibt es in der Buchhandlung. Er läuft ohne Installation, out of the box, ja sogar ohne Strom, und hört auf den Namen Mein persönlicher Internet- und Passwort-Organizer:

Zuverlässig speichert er alle Benutzeraccounts alphabetisch sortiert für den schnellen Zugriff.

Bankdaten einschließlich des Passworts fürs Online-Banking können in einem eigenen Bereich abgelegt werden.

Eine Bedienungsanleitung erübrigt sich, dennoch ist eine Online-Hilfe mit Sicherheitshinweisen integriert.

Der Preis? Sagenhafte 7,99€. Ich habe mein Exemplar bei Hugendubel entdeckt und gekauft, bei Amazon gibt es ihn auch.

Was könnte schiefgehen?

Eine brilliante Idee. Um sich vor Trojanischen Pferden auf ihrem PC zu schützen, gehen Sie auf eine Website, klicken Sie einen Button und installieren Sie damit ein Programm auf ihrem Rechnern. Danach sind Sie sicher:

»Dem im Netz kursierenden Duqu-Trojaner kann man durch einen Klick auf einer Microsoft-Seite den Zugang zum Windows-Rechner verwehren. Anwender müssen folgendes tun: Anwender sollten auf http://dpaq.de/VH2BY unter «Enable» den Button «Fix it» drücken und damit ein kleines Programm installieren, das den Zugriff auf die betroffene Windows-Schwachstelle in einer Programmbibliothek verhindert, erklärt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.«

(LVZ Online: Duqu-Trojaner einfach aussperren)

Was könnte dabei schiefgehen? Seht selbst, das sind die Buttons:

Toll, nicht wahr?

0,00035-mal tot

Die Rad-Spannerei hat sich mehr Mühe gegeben als ich neulich und konkrete Zahlen zum Risiko beim Radfahren zusammengetragen und in Relation zum allgemeinen Lebensrisiko gesetzt:

»Pro 100 Millionen Personenkilometer gab der ADAC in Fachbroschüren am Anfang des Jahres 1,6 getötete Radfahrer an (Link). Für Berlin kann man folgendes berechnen: Gut 1 Millionen Fahrten täglich*, als Durchschnittstrecke wurde im Jahr 2006 vom Senat ein Wert von ca. 3,8 Kilometern angegeben. Das sind pro Jahr ca. 1,4 Milliarden Fahrradkilometer, auf denen sich jeweils 500 Personen schwer verletzen und etwa 10 sterben. So berechnet gibt es pro 100 Millionen Personenkilometer 0,7 Tote und 35 Schwerverletzte. Wer pro Jahr 3000 Kilometer fährt, wird dabei 0,00021 Tote erzeugen und 0,00105 Schwerverletzte.«

Die Schlussfolgerung bleibt dieselbe. Nach dieser Rechnung werde ich bei 5000km in diesem Jahr im Mittel 0,00035-mal an einem Fahrradunfall sterben oder einmal in 2857 Jahren. Selbst wenn sie sich um eine Größenordnung, d.h. den Faktor 10 verschätzt hätten, bekäme ich keine Angst. Ich kenne nämlich keinen, der in 2857 oder auch in 286 Jahren nicht gestorben wäre, woran auch immer.