Lernung

Fahrradtacho aus’m Baumarkt. Der Kilometerzähler hat 5 Stellen und kann das Komma nach rechts shiften, wie man nach 100 (? – zu lange her) und 1000 Kilometern sieht. Ein paar Jahre später und kurz vor dem Verenden der Batterie erreichen Zähler, Rad und Fahrer – übrigens unfallfrei – den 10.000ten Kilometer, und was passiert? Statt die letzte Nachkommastelle zu recyclen, stürzt das Ding mit einer blinkenden 9999.9 einfach ab.

Kann man diese Implementierung rational mit Bugs erklären, oder ist das subtile Sabotage? Und welchen Tacho baut man sich heute ans Fahrrad, wenn man oft nachts fährt und ihn dabei gerne beleuchtet sähe? Zusatzfrage: lohnt es sich, beim Kauf gleich noch einen LED-Scheinwerfer als Ersatz für Halogen mitzunehmen?

Wird das Internet sicherer?

Vor ein paar Wochen trug ich die Ergebnisse eine spanischen Studie weiter, derzufolge mehr als die Hälfte der privaten PC in Spanien mit Malware verseucht sei. Nun meldet Microsoft Werte in einer ganz anderen Größenordnung:

»Lediglich 0,22 Prozent der PCs in Deutschland sind einer aktuellen Studie zufolge im zweiten Halbjahr 2009 von Schadsoftware wie Viren oder Trojanern befallen worden. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem weltweiten Schnitt von 0,7 Prozent. Der Wert sei damit zum dritten Mal in Folge gesunken, teilte Microsoft Chart zeigen am Montag mit.«

(Studie: Weniger Hackerangriffe in Deutschland)

Vielleicht liegt es daran, dass man sich zur Teilnahme ander spanischen Studie erst mal ein Programm von einer Website herunterladen muss, die noch nicht mal SSL kann?

35 Meilen

Und so gehen pragmatische Amerikaner mit rauchenden Vulkanen um:

„In den USA zieht man bei einem Ausbruch einfach einen Sperrkreis von 35 Meilen um den Vulkan und geht ansonsten davon aus, dass auch in größerer Entfernung niemand durch die sichtbare Aschewolke fliegt“, sagte indessen ein ranghoher Branchenvertreter, der nicht genannt werden wollte, dem Tagesspiegel. „Die Amerikaner müssen sich über die Europäer totgelacht haben.“

(Tagesspiegel: Flugverbot – die Branche flucht)

60μg/m³

60μg/m³ betrug die Feinstaubkonzentration, die man am Montag 4 Kilometer über Leipzig maß. [Update: Wenn man von der Seite guckt und ein Pfeil dran ist, kann man diese Konzentration auch sehen.] Der Luftdurchsatz der Triebwerke eines modernen Verkehrsflugzeuges liegt bei etwa 1000 bis 1300kg/s für alle Triebwerke zusammen. Ganz grob überschlagen wiegt ein Kubikmeter Luft ungefähr ein Kilogramm. Das Nebenstromverhältnis ziviler Mantelstromtriebwerke liegt bei 5:1 bis 9:1, das heißt 1/9 bis 1/5 der angesaugten Luft gelangen in die Brennkammer.

P.S.: Die Luftqualitätsrichtlinie der EU erlaubt als Tagesmittelwert höchstens 50μg/m³ bei bis zu 7 Überschreitungen pro Jahr und als Jahresmittelwert 20μg/m³.

P.P.S.: Das DLR schreibt zum Messflug vom Montag:

»Die gemessenen Konzentrationen von großen Partikeln in den Vulkanschichten lagen bei Werten, die typisch in Sahara-Staubschichten beobachtet werden. Sie lagen jedoch niedriger, als die Konzentrationen von großen Partikeln, die in einer verschmutzten bodennahen atmosphärischen Grenzschicht gemessen werden.«

(Bericht zum Falcon Messflug am 19. April 2010)

Die Zusammenfassung des Berichts sagt nach meinem Verständnis: der Staub war messbar, aber nicht ungewöhnlich.

P.P.P.S.: Erste Schätzungen drei Tage vor dem Messflug lagen um eine Größenordnung höher bei etwa 600 bis 1000μg/m³. Das wären dann — vielen Dank an die rechnenden Leser — anderthalb bis zwei Pfund Staub in der Stunde.

„Wir möchten kein Risiko eingehen.“

Man wolle kein Risiko eingehen, sagen jezt alle, die sich vom Vorsorgeprinzip einen festen Sitz in ihrem Amtssesseln erhoffen. Und wie lange kann man „kein Risiko eingehen“, ohne dass diese Risikoaversion selbst riskant wird? Mehr als das ist es ja nicht, wie Spiegel Online schreibt:

»Iata-Präsident Giovanni Bisignani sagte am Montag in Paris, es gebe „keine Risikoeinschätzung, keine Konsultation, keine Koordinierung und keine Führung“ in der EU. Sicherheit gehe natürlich vor. Doch in einer solchen Krisenlage habe es fünf Tage gedauert, bis die EU-Kommission eine Videokonferenz zustande gebracht habe. Erst am Montagnachmittag wollen die Verkehrsminister über Wege aus dem seit Tagen anhaltenden Chaos im Luftverkehr beraten.«

Wie sichern sich Luftfahrtungternehmen eigentlich gegen solche Ereignisse ab? Anscheinend gar nicht.

P.S.: Pilot und Flugzeug zum Thema.

Tarnschminke

Ähnliche Probleme führen zu ähnlichen Lösungen. Wer gedient hat, kennt das: bevor es raus geht in die Natur, malt man sich oliv-braun-schwarze Flecken ins Gesicht. Das dient der Tarnung, denn in seiner natürlichen Färbung fällt es im Wald leicht auf. Zivilisten haben inzwischen an anderer Stelle ein ähnliches Problem, sie werden überall gefilmt. Nicht gegen das Filmen an sich, aber gegen eine nachfolgende Gesichtserkennung können sie sich vielleicht schützen – mit Tarnschminke. Wie das geht, untersucht Adam Harvey. (via Surveillance Studies)