Unterschätzte Risiken: Hunde

Die NZZ meldet ein echtes unterschätztes Risiko: Hunde beissen häufiger als angenommen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt. Grund zur Sorge gibt es dennoch nicht:

»Obwohl jeder Unfall ein Unfall zu viel ist und menschliches Leid und Kosten verursacht, kommt die Suva zum Schluss, dass sich seitens Suva für ihre Versicherten keine spezifischen Präventionsmassnahmen zur Vermeidung von Unfällen mit Hunden aufdrängen.«

Das lese ich gerne (und viel zu selten).

Wenn der iPod nicht mehr richtig synchronisiert wird,

… hilft es vielleicht, iTunes mal aufräumen zu lassen. Nach dieser Prozedur haben die Streithähne vergessen, dass sie sich je kannten: beim nächsten Kontakt mit dem iPod fragt iTunes höflich, ob es ihn plattmachen und neu bespielen soll. Mein Problem – beim Synchronisieren landete nur noch eine nach unbekannten Kriterien gewählte Teilmenge der Inhalte auf dem iPod, so ca. 400MB von 7GB – war damit jedenfalls gelöst.

[Und weil es thematisch dazu passt, seine MP3- bzw. M4A-Sammlung verschiebt man mit iTunes so in ein anderes Verzeichnis.]

Sicherheitsmetrik

Wir IT-Akademiker forschen gerne an Fragen herum, die einen vagen Relitätsbezug haben, die man aber in der Praxis pragmatisch handhabt. Nach ein paar Jahren haben wir die Lösungen der Pragmatiker formal dokumentiert und wissenschaftlich nachgewiesen, was die Kollegen immer schon wussten, nämlich dass das so tatsächlich funktioniert.

Sicherheitsmetriken sind ein Beispiel dafür: als Forschungsthema sehr dankbar, weil man sich immer neue Varianten ausdenken und sie akribisch untersuchen kann. Dummerweise verliert der Wissenschaftler dabei oft die Anforderungen der Praxis aus dem Auge und misst deshalb irgend etwas, weil es gerade messbar ist und ihm ins Modell passt, statt von einem Entscheidungsbedarf auszugehen und nach geeigneten Grundlagen zu suchen. Der Pragmatiker macht es umgekehrt:

»Neben anderen Integritätstests hatte wir in diesen Scripten in der Regel auch eine Prüfung drin, die festgestellt hat, wie sehr sich die Anzahl der Datensätze im Vergleich zum vorhergehenden Run geändert hatte. Wenn die Fluktuation bei mehr als 10% lag, hat das Script die Datei NEBEN der alten Datei installiert, aber nicht live geschaltet, sondern eine Mail an die Admins geschickt, damit die sich das Ding mal ansehen und es manuell live nehmen. Das hat uns mehr als einmal den Hintern gerettet.«

(Die wunderbare Welt von Isotopp: DENIC erklärt sich)

Die zehn Prozent sind  formal betrachtet völlig willkürlich gewählt, tatsächlich aber wohl ein Erfahrungswert, der sich aus informellen Beobachtungen typischer Vorgänge ergibt. So etwas würde ein Wissenschaftler nie zulassen.

Lernung

Fahrradtacho aus’m Baumarkt. Der Kilometerzähler hat 5 Stellen und kann das Komma nach rechts shiften, wie man nach 100 (? – zu lange her) und 1000 Kilometern sieht. Ein paar Jahre später und kurz vor dem Verenden der Batterie erreichen Zähler, Rad und Fahrer – übrigens unfallfrei – den 10.000ten Kilometer, und was passiert? Statt die letzte Nachkommastelle zu recyclen, stürzt das Ding mit einer blinkenden 9999.9 einfach ab.

Kann man diese Implementierung rational mit Bugs erklären, oder ist das subtile Sabotage? Und welchen Tacho baut man sich heute ans Fahrrad, wenn man oft nachts fährt und ihn dabei gerne beleuchtet sähe? Zusatzfrage: lohnt es sich, beim Kauf gleich noch einen LED-Scheinwerfer als Ersatz für Halogen mitzunehmen?

Wird das Internet sicherer?

Vor ein paar Wochen trug ich die Ergebnisse eine spanischen Studie weiter, derzufolge mehr als die Hälfte der privaten PC in Spanien mit Malware verseucht sei. Nun meldet Microsoft Werte in einer ganz anderen Größenordnung:

»Lediglich 0,22 Prozent der PCs in Deutschland sind einer aktuellen Studie zufolge im zweiten Halbjahr 2009 von Schadsoftware wie Viren oder Trojanern befallen worden. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem weltweiten Schnitt von 0,7 Prozent. Der Wert sei damit zum dritten Mal in Folge gesunken, teilte Microsoft Chart zeigen am Montag mit.«

(Studie: Weniger Hackerangriffe in Deutschland)

Vielleicht liegt es daran, dass man sich zur Teilnahme ander spanischen Studie erst mal ein Programm von einer Website herunterladen muss, die noch nicht mal SSL kann?

35 Meilen

Und so gehen pragmatische Amerikaner mit rauchenden Vulkanen um:

„In den USA zieht man bei einem Ausbruch einfach einen Sperrkreis von 35 Meilen um den Vulkan und geht ansonsten davon aus, dass auch in größerer Entfernung niemand durch die sichtbare Aschewolke fliegt“, sagte indessen ein ranghoher Branchenvertreter, der nicht genannt werden wollte, dem Tagesspiegel. „Die Amerikaner müssen sich über die Europäer totgelacht haben.“

(Tagesspiegel: Flugverbot – die Branche flucht)

60μg/m³

60μg/m³ betrug die Feinstaubkonzentration, die man am Montag 4 Kilometer über Leipzig maß. [Update: Wenn man von der Seite guckt und ein Pfeil dran ist, kann man diese Konzentration auch sehen.] Der Luftdurchsatz der Triebwerke eines modernen Verkehrsflugzeuges liegt bei etwa 1000 bis 1300kg/s für alle Triebwerke zusammen. Ganz grob überschlagen wiegt ein Kubikmeter Luft ungefähr ein Kilogramm. Das Nebenstromverhältnis ziviler Mantelstromtriebwerke liegt bei 5:1 bis 9:1, das heißt 1/9 bis 1/5 der angesaugten Luft gelangen in die Brennkammer.

P.S.: Die Luftqualitätsrichtlinie der EU erlaubt als Tagesmittelwert höchstens 50μg/m³ bei bis zu 7 Überschreitungen pro Jahr und als Jahresmittelwert 20μg/m³.

P.P.S.: Das DLR schreibt zum Messflug vom Montag:

»Die gemessenen Konzentrationen von großen Partikeln in den Vulkanschichten lagen bei Werten, die typisch in Sahara-Staubschichten beobachtet werden. Sie lagen jedoch niedriger, als die Konzentrationen von großen Partikeln, die in einer verschmutzten bodennahen atmosphärischen Grenzschicht gemessen werden.«

(Bericht zum Falcon Messflug am 19. April 2010)

Die Zusammenfassung des Berichts sagt nach meinem Verständnis: der Staub war messbar, aber nicht ungewöhnlich.

P.P.P.S.: Erste Schätzungen drei Tage vor dem Messflug lagen um eine Größenordnung höher bei etwa 600 bis 1000μg/m³. Das wären dann — vielen Dank an die rechnenden Leser — anderthalb bis zwei Pfund Staub in der Stunde.

„Wir möchten kein Risiko eingehen.“

Man wolle kein Risiko eingehen, sagen jezt alle, die sich vom Vorsorgeprinzip einen festen Sitz in ihrem Amtssesseln erhoffen. Und wie lange kann man „kein Risiko eingehen“, ohne dass diese Risikoaversion selbst riskant wird? Mehr als das ist es ja nicht, wie Spiegel Online schreibt:

»Iata-Präsident Giovanni Bisignani sagte am Montag in Paris, es gebe „keine Risikoeinschätzung, keine Konsultation, keine Koordinierung und keine Führung“ in der EU. Sicherheit gehe natürlich vor. Doch in einer solchen Krisenlage habe es fünf Tage gedauert, bis die EU-Kommission eine Videokonferenz zustande gebracht habe. Erst am Montagnachmittag wollen die Verkehrsminister über Wege aus dem seit Tagen anhaltenden Chaos im Luftverkehr beraten.«

Wie sichern sich Luftfahrtungternehmen eigentlich gegen solche Ereignisse ab? Anscheinend gar nicht.

P.S.: Pilot und Flugzeug zum Thema.