Archiv der Kategorie: Propaganda

Public Relations

Bagatellhelme aus Styropor

Ein wiederkehrendes Thema in (Fahrrad-)Helmdiskussionen ist dei Frage, wogegen genau die real existierenden Helme eigentlich schützen. Helmskeptiker behaupten, nach der Konstruktion und den Prüfstandards könne so ein Helm nur gegen Bagatellverletzungen helfen, also genau dann, wenn man eigentlich keinen Helm braucht, weil man auch ohne Hilfe überlebt.

Mit zunehmender Faszination beobachte ich nun, dass solche Argumente Eingang finden in die Berichterstattung der Mainstream-Medien, zumindest wenn es um Skihelme geht. So schreibt Focus Online: Bagatellhelme aus Styropor weiterlesen

Helmgegner gibt es gar nicht. Wie sich Risikodebatten selbst verzerren

Es gibt Debatten, die auch unter ansonsten vernünftigen Menschen leicht in Glaubenskriege ausarten. Ich rede nicht von Editorkriegen Emacs vs. Vi, sondern von Risikodebatten über Helme und Helmpflichten, über Klimawandel und Klimaschutz, über Nichtraucherschutz und Passivrauchen. Diese Diskussionen haben gemein, dass es zu Teilfragen wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die Grundfrage aber eine politische oder praktische ist: was ist zu tun? Soll ich einen Helm tragen oder gar jeder einen tragen müssen? Sollen wir Kohlekraftwerke abschalten und Autos abschaffen? Rechtfertigen Gefahren des Passivrauchens Rauchverbote und wenn ja, in welchem Umfang?

Einige Elemente tauchen in solchen Diskussionen immer wieder auf, und es braucht einige Runden, bis man sie verstanden hat.

Da ist zuerst der unklare Frontverlauf. Helmdiskussionen etwa scheiden ihre Teilnehmer schnell in Befürworter und Gegner. Oder so scheint es wenigstens. In Wirklichkeit verläuft der Konflikt aber woanders, nämlich zwischen Aktivisten [oder Advokaten] auf der einen und Skeptikern auf der anderen Seite. Die Aktivisten sind davon überzeugt, dass etwas zu tun sei, nämlich ein Helm zu tragen, und sie sind außerdem davon überzeugt, dafür überzeugende Argumente zu haben.Die Skeptiker zeigen sich uneinsichtig. Daraufhin stampfen die Aktivisten mit dem Fuß auf, was die Skeptiker noch viel weniger überzeugt. Spätestens dann kann man die Diskussion vergessen, wenn sich nicht ausnahmsweise jemand findet, der sie effektiv moderieren kann.

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British Humour (2)

»Mr Pelling said: “It is pleasing to see just how vigilant our police is at these times of heightened international political tension and the risk of terrorism here at home.

“I am glad my stop and search account as a white, middle-aged male shows that anyone can be suspected of, and questioned about, terrorism, regardless of race, creed or colour.«

(Your Local Guardian: Andrew Pelling MP stopped by cops for taking pictures of East Croydon cycle path, via Crap Cycle Lanes of Croydon)

Unterschätzte Risiken: Medien

pseudoscienceblogs.de

Bloggen kann man einfach so. Auf einem eigenen (Miet-)Server zum Beispiel, oder bei einem Dienst wie wordpress.com oder Blogger.com. Das gehört so, denn das Internet ermöglicht die mittlerfreie Kommunikation. Vielleicht erzwingt es sie sogar. Jedenfalls kann ziemlicher Mist rauskommen, wenn jemand versucht, die klassische Rolle des Mediums im Netz zu übernehmen und mit den hier üblichen Kommunikationsformen zu verbinden. Das demonstriert gerade die Randgruppenblogplattform scienceblogs.de.

Oberflächlich betrachtet ist daran nichts auszusetzen, ja man könnte den Ansatz sogar für einen guten halten: handverlesene Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten bloggen gemeinsam unter einem Dach. Die Inhalte bleiben den Bloggern überlassen, zur Qualitätssicherung dient einzig die Auswahl der Blogger durch eine Art Redaktion. Ansonsten beschränkt sich der Betreiber darauf, die Site am Laufen zu halten, also auf das, was auch bei wordpress.com und Blogger.com das Kerngeschäft ist. Unterschätzte Risiken: Medien weiterlesen

Das Internet, Dein Freund und Helfer

Das Internet sei ein Hort des Bösen, des Terrorismus und der Kriminalität. Schlichtere Naturen halten das für einen guten Grund, das Internet zu sperren oder digitale Personalausweise einzuführen. Andere machen einfach ihre Arbeit:

»Die Demonstranten hatten sich offenbar im Vorfeld über das Internet verabredet. So konnte sich die Polizei vorbereiten und war mit starken Kräften vor Ort.«

(HR: Griechenland-Demo: Ausschreitungen in Frankfurt)

Gewöhnen wir uns etwa langsam an das Internet? Falsch wäre das ja nicht.

Hirntot

Wie bekloppt muss man sein, um XSS-Versuche in den URL-Parametern einer Login-Seite erst abzufangen – und dann den auffälligen Parameter innerhalb eines Script-Elements in die Fehlerseite einzubetten, um eine Alertbox mit detaillierten Informationen zu produzieren? Also ungefähr so:

<script>alert("Böse Eingabe: [boese Eingabe]");</script>

Ich bin versucht, mir das ganze Responsible-Disclosure-Theater zu sparen und hier einfach Ross und Reiter zu nennen. Verdient hätten sie es. Ihre Kunden allerdings nicht, und einige davon kann man googeln.

Sicherheit anders

Sicherheit anders. Was der Untertitel unseres Blogs heißten soll, haben wir uns vorher nicht überlegt, denn wer mit großen Plänen ein Blog anfängt, fällt meistens auf die Nase. Irgendwas muss aber dran sein, sonst wäre aus dem Blogunter- kein Vortragstitel geworden. Oder ist das nur eine selbsterfüllende Prophezeiung? Egal.

Angefragt war ein Vortrag zur Zukunft der IT-Sicherheit auf dem Pressetag CeBIT Vision. So etwas könnte ich natürlich zusammenspinnen und mich darauf verlassen, dass sich keiner mehr daran erinnern würde, wäre es erst so weit, dass sich meine Vorhersagen prüfen ließen. Aber das habe ich nicht übers Herz gebracht. Herausgekommen ist statt dessen ein Vortrag über ungelöste Probleme. Von denen haben wir einige. Sicherheit anders weiterlesen

Bolzplatz

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Wenn mir einmal im Monat aus meiner Wochenzeitung das evangelische Magazin chrismon entgegenfällt, blättere ich es ohne besondere Erwartungen durch. So werde ich nie enttäuscht, aber zuweilen überrascht. Wie Christen ticken, habe ich zwar noch nicht verstanden, aber immerhin gelernt, was Gottvertrauen ist. Öllampen aus Getränkeflaschen zu bauen, zum Beispiel, wie man es als Basteltipp empfahl, denn das ist nur dann eine gute Idee, wenn man nicht befürchten muss, dass jemand versehentlich daraus trinke. Mit Gottes Hilfe wird es schon gelingen.

Diesmal aber haben sie mich ehrlich überrascht: mit einer kräftigen Polemik von Norbert Bolz gegen die Angstindustrie. Er ist weder zimperlich noch politisch korrekt, schreibt von Angstreligion und grüner Bewusstseinsindustrie, verweigert mahnenden Wissenschaftlern und anderen selbsterklärten Weltrettern den vorauseilenden Respekt, sieht eine Religion des Sorgens und Schützens mit dem Gottesdienst der Vorsorge und der Sicherheit. Dieser Text bereitet Vergnügen. Gewiss, es ist vor allem Marketing: über Konkurrenz waren Religionen noch nie erfreut. Aber nichts daran ist spezifisch christlich bis auf vielleicht das Gottvertrauen, das man aber unkompliziert durch andere Formen der Entspannung ersetzen kann. Man kann sich hier also ein paar Argumente pflücken oder das bestätigt sehen, was man vielleicht selbst schon gegen Angstmache eingewendet hat.

Panikmafia on Tour

Falls jemand stänkern möchte: die Internationalen Ärzte zur Verhinderung von allem, was mit Atom zu tun hat, laden zu einer Trittbrettfahrerveranstaltung. Ihr Vehikel ist die nun fast ein Jahr alte KiKK-Studie, nach deren Ergebnis alle Atomkraftwerke Deutschlands zusammen jedes Jahr für den Bruchteil eines Leukämiefalles verantwortlich gemacht werden können, indem man statistische Methoden jenseits ihrer Spezifikation einsetzt. Man kann an diesem Ergebnis gewiss eine Weile heruminterpretieren, aber ein relevantes Risiko  kommt dabei nicht heraus. Dennoch tingelt eine Truppe von Besserwissern mit einem vierstündigen Programm rund um die Studie über die Dörfer und macht am 8. November 2008 von 14 bis 18 Uhr Station in Darmstadt. Das kann unterhaltsam werden, wenn sich jemand mit Ahnung ins Publikum setzt. Freiwillige vor!

Drunken Computing

8.2.5.5 PARTIES Partition

Start of informative comment

The PARTIES Partition is a hidden partition on the hard drive that BIOS can use for additional storage space and as a virtual drive. In the PARTIES Partition, there is a small section called the BEER. Prior to turning control over to the PARTIES Partition, the BIOS must measure the BEER area into PCR[5].

The partition that is booted to in the PARTIES Partition must also have the initial IPL image code measured into PCR[4] prior to turning control over to this code.

End of informative comment

When executing, this is treated as IPL Code including the measurement of it even if the binary image is already measured into PCR[0].

TCG PC Client Specific Implementation Specification For Conventional BIOS Version 1.20 FINAL, Revision 1.00, page 62

(According to Google, this seems to be there at least since 2003.)

Zahlen bitte!

Der Mann hat es verstanden, aber das ist ja nichts Neues:

»Im Ernst: Ich bin einfach für Zahlen. Also: Es sterben nicht genug Deutsche, das schreibt ja auch die Frankfurter Rundschau, unser Rentensystem ist in Gefahr. Also frag ich mich: Wenn schon sterben, woran bitte? Und jetzt mal Zahlen auf den Tisch: Krebs, Herz-Kreislauf und so weiter. Aids ist zum Beispiel eine quantité négligeable in diesem Zahlenpott, hat aber unglaubliche mediale Aufmerksamkeit, weil so viele Akkordeonspieler daran erkranken.»

(Harald Schmidt: „Wenn schon sterben – woran bitte?“, Frankfurter Rundschau)

Dieses Blog unterstützt seit langem die Forderung nach nüchternen Risikoanalysen anhand sauberer Statistiken und anderen Zahlenmaterials. Solchen rationalen Betrachtungen stellen wir eine Sammlung von – oft skurrilen – Einzelfällen gegenüber, aus denen man voreilige Schlüsse ziehen könnte, aber eben nicht ziehen soll.

An das Bundeszentralamt für Steuern

Jetzt tun wir mal etwas völlig Beklopptes, denn damit rechnen sie nicht. Musterklagen sind für Weicheier und bloggende Anwälte. Ich bin weder das eine noch das andere, dafür aber gelernter DDR-Bürger. Was uns, respektive dem Bundeszentralamt für Steuern, das nachfolgende Schreiben beschert:

An das Bundeszentralamt für Steuern weiterlesen

Wenn Politiker über Sicherheit reden …

… kommt so etwas heraus:

»Oberbürgermeister Stefan Gieltowski (SPD) ärgert das gewaltig. Er spricht lieber von einem „beeinträchtigten Sicherheitsempfinden“ der Bürger. Gieltowski lässt deshalb prüfen, ob Hilfspolizisten, die normalerweise Strafzettel verteilen, künftig verstärkt Streife gehen können. Außerdem schlug er vor, einzelne Plätze in der Innenstadt wie zum Beispiel am Bahnhof mit Videokameras zu überwachen.«

(HR: Nach Rüsselsheimer Blutbad: Videokameras gegen die Angst, Hervorhebung von mir)

Uns mehr Sicherheit zu verkaufen, versucht er also gar nicht, uns soll ein besseres Sicherheitsempfinden genügen. Mehr können Hilfspolizisten und Videokameras auch kaum erreichen, zumal der Anlass dieser Bemühungen eine Schießerei in einem Eiscafé in der Rüsselsheimer Innenstadt ist. Nehmen wir an, der Plan ginge auf, was hätten die Bürger davon? Na? Genau, sie würden sich bis zur nächsten Schießerei sicherer fühlen.

Risiko von IT-Projekten höher?

Roland Berger hat heute eine Studie vorgestellt, die eindeutig nachweist: „20 Prozent aller IT-Projekte werden abgebrochen; jedes zweite dauert länger oder wird teurer als geplant – Imageschäden werden häufig unterschätzt – Mangelndes Risikomanagement ist eine der Hauptursachen für das Scheitern – die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns steigt mit Dauer und Komplexität von Projekten.“ Unterschwellig möchte die Mitteilung natürlich glauben machen, dass IT-Projekte unberechenbarer sind als andere und leichter scheitern. Den Gegenbeweis liefert jedoch immer wieder Roland Berger selbst, der auch analoge Großprojekte grandios vor die Wand fahren kann. So geschehen zum Beispiel bei der Effizienzsteigerung in der Bundeswehr, für die Berger seinerzeit satt abkassiert hat. Dass laut Studie „IT-Großprojekte überdurchschnittlich häufig vorzeitig abgebrochen“ werden, ist deshalb vielleicht gar nicht so schlecht – vielleicht spart das dem Auftraggeber Geld.

Nachtrag: Ach ja – „Die Studie basiert auf der jahrelangen Erfahrung der Autoren bei der Steuerung, Restrukturierung und Sanierung großer Projekte.“