Unterschätzte Risiken: StatCounter.com
Alle schimpfen über Google Analytics: der Datenschutz sei dort nicht gewährleistet. Mag sein, dass das formal korrekt ist, aber es geht deutlich schlimmer. Eben schwappte mir hier als Referer ein Link auf StatCounter.com ins Log – mit gültiger Session-ID. Ein Klick genügte und schon bekam ich deutlich detailliertere Daten über die Besucher einer fremden Website, als mir Google für meine eigene je liefern würde.

Der Bildausschnitt is so gewählt, dass man hoffentlich keine Details über einzelne Nutzer erkennt, und aus der Titelzeile habe ich den Hinweis auf den betreffenden Nutzer des Statistik-Tools entfernt. Er wird sich schon gemeint fühlen, wenn er das hier liest. (Refcontrol hilft, ist aber letztlich ein Workaround um eine kaputte Web-Anwendung.)
Ich gebe erst mal weiter Google Analytics den Vorzug. Wichtiger als die formale Einhaltung von zuweilen arg hohlen Datenschutzritualen finde ich nämlich den tatsächlichen Umgang mit den Daten. Bei Google hat man sich was gedacht und die Architektur bietet Ansatzpunkte für mehr Selbstbestimmung der einzelnen Website-Nutzer und weniger Missbrauchs- und Unfallgefahr durch Website-Betreiber. Das kann ich von StatCounter.com nicht behaupten.
Don’t worry, be happy!
There are so many things to worry about. The New York Times lists a few that are safe to ignore: 10 Things to Scratch From Your Worry List. The author has some further comment in his blog.
Welche Terrorabwehr lohnt sich – und welche nicht?
Nils Zurawski von den Surveillance Studies hat ein interessantes Paper ausgegraben: The Quixotic Quest for Invulnerability: Assessing the Costs, Benefits, and Probabilities of Protecting the homeland von John Mueller. Aus der Zusammenfassung:
»This paper attempts to set out some general parameters for coming to grips with a central homeland security concern: the effort to make potential targets invulnerable, or at least notably less vulnerable, to terrorist attack. It argues that protection makes sense only when protection is feasible for an entire class of potential targets and when the destruction of something in that target set would have quite large physical, economic, psychological, and/or political consequences. There are a very large number of potential targets where protection is essentially a waste of resources and a much more limited one where it may be effective.«
Der Autor macht einige nachvollziehbare Annahmen über den Terrorismus, seine Ziele und den Schutz dagegen und vergleicht darauf aufbauend Kosten und Nutzen. Bis jetzt habe ich das Paper nur überflogen, aber der erste Eindruck ist gut.
Unterschätzte Risiken: Spammer
»Der 35-jährige „Spam-König“ Edward Davidson hat seine Frau und seine Tochter getötet und anschließend Selbstmord begangen. Vergangenes Wochenende war Davidson aus dem Gefängnis geflohen. (…)«
(Welt Online: USA: Geflüchteter „Spam-König“ richtet Blutbad an)
Das Vorsorgeprinzip klingt gut, ist aber Bullshit
Jetzt gehen sie sogar Spiegel Online auf den Keks – die Standardargumente der Panikmafia:
„Wir sollten nicht warten, bis eine letztgültige Studie erscheint“
„Wir sollten uns lieber der Sicherheit halber irren, ehe es uns später leidtut.“
Man könne nicht wissen, wie sich die Strahlung nach mehreren Jahrzehnten intensiven Telefonierens auswirke, denn dazu gebe es die Handys noch nicht lange genug.
„Die Frage ist, ob man mit seinem Hirn russisches Roulette spielen will“
„Ich weiß nicht, ob Mobiltelefone gefährlich sind. Aber ich weiß auch nicht, ob sie sicher sind.“
Vorsorgeprinzip nennt man das, und es ist in dieser Form Nonsens. Warum? Die Denkfalle steckt in der Annahme, man könne sich unter völliger Unsicherheit über die Auswirkungen des Handelns dennoch so verhalten, dass positive Wirkungen gegenüber negativen bevorzugt würden. Tatsächlich ist das nicht der Fall. Wir wissen nicht endgültig, ob mehrere Jahrzehnte Mobilfunknutzung zu mehr Krebsfällen führen. Wir wissen aber genauso wenig, ob sich über so einen langen Zeitraum nicht vielleicht positive Wirkungen einstellen, die kurzfristig nicht zu beobachten sind. Das Vorsorgeprinzip klingt gut, ist aber Bullshit weiterlesen
Nach fünf Minuten gehackt? Heise will es wissen
Heise Security fragt sich, was eigentlich zu halten sei von der immer wieder kolportierten Behauptung, ein ungepatchtes System am Netz sei nach wenigen Minuten kompromittiert. Am Ende steht eine Wette:
»Und wer’s nicht glaubt: Ich wette einen Kasten Flens, dass man ein Windows XP SP2 ohne weitere Patches in der Default-Konfiguration eine Woche direkt ans Internet hängen kann und da passiert gar nichts. Wer hält dagegen?«
Ich erst mal nicht, aber wir übernehmen gerne unparteiisch und wissenschaftlich das Experiment zu Klärung. Wobei es wohl schlauer wäre, einen Hiwi dranzusetzen, Daten zu sammeln und sich ggf. die Kiste Bier zu holen, falls der Redakteur sich irrt. Wer möchte? Und was sagen die Kollegen aus Mannheim dazu? [Update: das sagen sie dazu. Und hier zweifelt noch einer.]
Pharmawerbung
Unterschätzte Risiken: Atomkrieg
»The risks of a global thermonuclear war are small, but they are not zero. In the seven decades of the nuclear agemistakes and miscalculations have brought the world perilously close to Armageddon.
The dangers have continued after the end of Cold War. (…)«
(Global Catastrophic Risks Conference – Abstracts: The Continuing Threat of Nuclear War)
Unterschätzte Risiken: Wähler
Vorbeugen sei besser als Heilen, sagt der Volksmund. Für Politiker gilt das jedoch nicht unbedingt:
»Using comprehensive data on natural disasters, government spending, and election returns, I show that voters reward disaster relief spending but not disaster prevention spending.«
(Andrew Healy: Preferring a Pound of Cure to an Ounce of Prevention: Voting, Natural Disasters, and Government Response, gefunden bei Overcoming Bias)
Neues aus der Helmforschung
Angeregt durch eine neuerliche Debatte um den Wert des Attributs kollegenbegutachtet als Argument in einer Diskussion bin ich dem Rat von Ludmila „Tragt einfach den Helm“ Carone gefolgt und habe, statt selbst Argumente zu wälzen, einfach gegoogelt. Natürlich wissenschaftlich korrekt mit Google Scholar. Es folgen einige Funde, die selbstverständlich kein ausgewogenes Bild abgeben. Um Glaubenssätze und Konsensbehauptungen zu erschüttern, genügen sie allemal.
Statt eines Helms kann man auch bunte Klamotten tragen, um seine Sicherheit zu erhöhen:
»After adjustment for potential confounders and exposure (kilometers cycled per year), the rate of days off work from bicycle crash injury was substantially lower among riders who reported always wearing fluorescent colors (multivariate incidence rate ratio 0.23, 95% CI 0.09 to 0.59).«
(Conspicuity and bicycle crashes: preliminary findings of the Taupo Bicycle Study — Thornley et al.)
Keine neue Erkenntnis, auf dem Spielplatz haben Helme nichts zu suchen:
»Zwei tödliche Strangulationen durch Fahrradhelmriemen beim Spielen werden vorgestellt. Beide Fälle wiesen Übereinstimmungen wie Erstickungsmechanismus, Obduktionsbefunde und Unfallort auf, bei dem es sich jeweils um einen Spielplatz mit einem Seil-Kletter-Gerät handelte. Ursächlicher Faktor war in beiden Fällen ein Sturz mit dem Fahrradhelm durch eine Netzmasche, sodass sich der Helmrand in dem Netz verfing und die plötzliche Straffung der Riemen die Strangulation herbeiführte.«
(Strangulationsunfälle mit Fahrradhelmen, V. Kuntz, J. Reuhl und R. Urban)
Nach einer Studie aus dem Iran haben nur 14% derjenigen, die dort nach einem Fahrradunfall im Krankenhaus landen, überhaupt eine Kopfverletzung. Das heißt, 86% der Schwerverletzten haben ihre schwere Verletzung an anderen Körperteilen.
Viel gefährlicher als Radfahren sind Mopedfahren (trotz Helmpflicht!), Snowboarden und Reiten:
»Horse riding had a 9-fold increased risk and moped driving had a 23.75-fold increased risk for injury compared with adolescent bike riding. Horse riding and snowboarding showed an increased risk for injury in children (5.6- and 4.2-fold, relative to biking).«
(Risk-Inducing Activities Leading to Injuries in a Child and Adolescent Population of Germany)
Es gibt Hinweise darauf, dass einige Helme bei Kindern das Risiko von Gesichtsverletzungen erhöhen könnten:
»Children less than nine years old that used foam helmets had an increased risk of getting face injuries.«
(Protective Effect of Different Types of Bicycle Helmets, Hansen K.S.; Engesæter L.B.; Viste A.)
Eine Werbekampagne fürs Helmtragen kann die Häufigkeit von Kopfverletzungen erheblich reduzieren – unabhängig davon, welche Auswirkungen die Kampagne auf das tatsächliche Trageverhalten hat:
»The population-based educational program significantly decreased the risk of head injuries among boys and girls despite observable differences in the voluntary adoption rate of bicycle-helmet wearing.«
(Does promoting bicycle-helmet wearing reduce childhood head injuries?, Céline Farley, Marjan Vaez, Lucie Laflamme)
Captain Obvious berichtet: Ändert sich die Nutzung von Fahrrädern, so kann das erheblichen Einfluss auf die Verletzungsstatistik haben:
»Injuries from bicycle use have increased but there has been a marked reduction in collisions with motor vehicles. This is a result of the changing use of bicycles by children.«
(Changing pattern of child bicycle injury in the Bay of Plenty, New Zealand, Moyes, Simon A)
Nach einer Griechischen Studie spielen Fahrradunfälle nur eine geringe Rolle im Verletzungsgeschehen bei Kindern bis zu 14 Jahren (ist es da zu warm?):
»2,711 children with bicycle-related injuries (4.8%) were found among the 56,132 injured children 0–14 years recorded in EDISS during a 3-year period. The incidence of bicycle-related injuries was estimated at about 7.9 per 1,000 children-years or about 20 per 1,000 bicycle-using children per year.«
(Bicycling-Related Injuries among Children in Greece, Klimentopoulou, A.; Paliokosta, E.; Towner, E.; Petridou, E.)
Und noch einmal Captain Obvious. Fahrradhelme schützen vor Sonnenstrahlung, aber nicht vor Wärme:
»Twenty-three visors were shown to result in a relevant reduction of radiant heating of the face (>0.5 W), with 15 reaching approximately 1 W. Heating of the visor and/or helmet and subsequent heating of the air flowing into the helmet was nevertheless found to be a relevant effect in many cases, suggesting that simple measures like reflective upper surfaces could noticeably improve the radiant heat rejection without changing the helmet structure.«
(Radiant heat transfer of bicycle helmets and visors, Paul A. Brühwiler)
Um aus der Notaufnahme Rohdaten in brauchbarer Qualität zu gewinnen, muss man sich schon ein wenig anstrengen, und selbst dann kann es passieren, dass entscheidende Parameter in einem Viertel der Fälle einfach undokumentiert bleiben:
»Initial review (n = 667) revealed mean age of patients 8.6years, with 46% African American and 67% male. Helmet usage was documented in 49% of the charts (81 were wearing helmets; 245 were not wearing helmets). Mechanism of injury was documented as bicycle alone in 587, bicycle versus car in 13, and bicycle versus stationary object in 64.After implementation of an injury data sheet (n = 205), it was found that the mean age was 9.24 years, with 51% African American and 43% male. Helmet use was documented in 77% of cases (26 wearing helmets; 132 not wearing). Mechanism was documented as bicycle alone in 125, bicycle versus car in 66, and bicycle versus stationary object in 14. Helmet use was much more frequently documented after the initiation of an injury documentation reminder sheet (z = 6.97; P < 0.001; 95% confidence interval, 20.2-35.8).«
(Bicycle Injury Documentation Before and After Charting Intervention. Monroe K, Nichols M, Bates R, Meredith M, Hunter J 3rd, King WD)
Haben Sie schon einen Fußballhelm?
»A regulation football helmet substantially reduced the peak Gs associated with „heading“ a soccer ball traveling at moderately high velocities. A helmet was also effective in reducing the peak acceleration both intraorally and intracranially for impacts significantly more forceful than heading a soccer ball.«
(Do football helmets reduce acceleration of impact in blunt head injuries? Lewis LM, Naunheim R, Standeven J, Lauryssen C, Richter C, Jeffords B.)
Und zu guter Letzt noch einmal einen Hinweis zur Risikobewertung. Eine weitere iranische Studie hat Kopfverletzte im Krankenhaus gezählt. 2,1% der Verletzten trugen keinen Helm beim Radfahren, 97,9% der Verletzten trugen keinen Helm bei irgendeiner anderen Tätigkeit. Nach diesen Zahlen müsste man fordern, dass beim Absteigen vom Fahrrad stets ein Helm aufzusetzen sei:
»Bicycle-related injuries accounted for 2.1% (170/8000) of all in-patient trauma patients …«
(Bicycle-Related Injuries in Tehran, M. Karbakhsh-Davari MD PhD, A. Khaji MD, J. Salimi MD)
Unterschätzte Risiken: Rettungswagen
Race Condition
Verteiltes Skimming
Um sich vor Skimming zu schützen, genügt es übrigens nicht, den Geldautomaten selbst gründlich zu untersuchen:
»Die Trickbetrüger hatten am vergangenen Wochenende über dem Geldautomaten eine als Rauchmelder getarnte Kamera installiert, die Kunden beim Eintippen ihrer Geheimzahl filmte. Zudem hatten sie ein Kartenlesegerät an der Tür manipuliert, um an die Kundendaten zu kommen.«
(hr: Kontodaten ausgespäht: Betrüger richten fünfstelligen Schaden an; Hervorhebung von mir)
Die Bilanz des Sicherheitsmechanismus „Zugangskontrolle zur SB-Zone“ dürfte sich damit ins Negative verlagern. Die Zugangskontrolle ist dank der weiten Verbreitung von Karten keine mehr; Sparkassenpartys verhindert nicht der elektrische Türöffner, sondern die Polizei. Damit kann man leben, aber wenn der Mechanismus nun nicht mehr nur geringen Nutzen hat, sondern für Angriffe missbraucht wird, sieht die Sache anders aus.
Man kann die Angriffsmethode weiterspinnen. Gefährdet ist alles, was dem Angreifer hinterher mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die korrekte Zuordnung zwischen Kartendaten und ausgespähter PIN erlaubt.
Kontinuitätsmanagement
So funktioniert Zertifizierung
Ich hatte hier versprochen, gelegentlich zu erläutern, wie Zertifizierung und Prüfsiegel funktionieren. Jetzt bietet sich eine Gelegenheit. Frau Neudecker von der Zeit hat diesen unscheinbaren Gegenstand ausgegraben, der auf den schönen Namen Peloop hört. Die Leistungsbeschreibung liefert sie gleich mit:
»Im Peloop ist nämlich ein Magnet, der “ein magnetisches Feld rund um die Peniswurzel bildet, dort wo das Blut in den Penis fließt.”
Dann ist darin noch “Turmalin und Germanium” enthalten (öh, sagt der Hersteller), die “negative Ionen absondern”, und “ferne Infrarotstrahlen” gibt das Ding auch noch ab. Ja, klar.
Was all das bewirken soll? Es verbessert “das Blut im Inneren des Penis”.«
Das ist – im Zusammenhang – offensichtlicher Nonsens. Falls das Ding eine nennenswerte Wirkung hat, dann dürfte diese Wirkung allein auf mechanische Einflüsse zurückzuführen sein und nicht auf die oben genannten Eigenschaften oder die leuchtend gelbe Farbe. Das versteht jedes Kind, so es denn mit solchen Sachen spielen darf. Dennoch bietet sich hier ein weites Feld für sorgfältige Prüfungen, die allesamt handfeste, unzweifelhafte Ergebnisse liefern, ohne je die entscheidenden Fragen zu stellen. Und das geht so. So funktioniert Zertifizierung weiterlesen
Unterschätzte Risiken: Dihydrogenmonoxid
»Zehn Liter kaltes Wasser konsumierte Andrew Thornton täglich, um so sein schmerzendes Zahnfleisch zu betäuben. Der 44-Jährige weigerte sich laut einem Bericht der Tageszeitung „Daily Mail“, Medikamente zu nehmen.
Als der Lagerist aus dem englischen Bradford seine drakonische Therapie drei Tage hindurch angewendet hatte, brach er schließlich zusammen und kam ins Krankhaus.«
(Spiegel Online: England: 44-Jähriger stirbt nach Wasser-Überdosis)
»Symptoms of DHMO ingestion can include excessive sweating and urination, and possibly a bloated feeling, nausea, vomiting and body electrolyte imbalance.«
Verrechnet
»In einer neunteiligen Beitragsreihe widmet sich das Wissenschaftsmagazin „Forschung aktuell“ jeweils Dienstags ab 16 Uhr 35 Rechenfehlern und den damit verbundenen kleineren oder sehr folgenreichen Konsequenzen«
Dieser Programmhinweis wurde Ihnen präsentiert von Plazeboalarm.
Nice Try
Protect Yourself from Earthquakes and Tsunamis
To make your holidays safer, the German Research Centre for Geosciences (GFZ) has published information on earthquakes and tsunamis, comprising:
- a global seismic hazards map
- an earthquake leaflet (PDF) and
- a tsunami leaflet (PDF).
Most of their recommendations may seem like common sense, but even simple measures are easily forgotten if one is used to living in low-risk areas.
Aktive Qualitätskontrolle
So bessern Sie Ihre Urlaubskasse auf
Urlaub ist ein teures Vergnügen, gerade jetzt in der Hauptsaison. Ist die Reisekasse leer, muss Nachschub her. Aus ehrlicher Arbeit kann er freilich nicht kommen, wer will schon im Urlaub arbeiten. So geht es ohne Arbeit:
- Suchen Sie sich einen geeigneten Ort. Dieser hier zum Beispiel ist ideal: ein recht schmaler Strand, dahinter gleich die Küstenstraße und jenseits dieser Straße Häuser und Seitenstraßen. Warum das alles gut ist, werden wir gleich sehen.
- Seien Sie kein Neger. Der durchschnittliche Urlauber ist genauso rassistisch wie unsere Zöllner von neulich. Vorm Neger hat man in Europa immer noch Angst, oder man traut ihm jedenfalls nicht. So bessern Sie Ihre Urlaubskasse auf weiterlesen
Unterschätzte Risiken: Sonnenangst
Die Angst vor der Sonne. Sommerloch für Sommerloch dürfen sich die Praktikanten aller Medien an diesem dankbaren Thema austoben und die immer gleichen Versatzstücke wiederkäuen: Sonnenbrand, »aggressive« UV-Strahlung, Hautkrebs, Sonnenschutz. Der Tenor ist stets derselbe. Die Sonne sei böse, gefährlich, um jeden Preis zu meiden. Wer sich ihr dennoch auszusetzen habe, der müsse sich radikal schützen, sonst drohten Siechtum und Tod.
Mir geht dieses Theater schon länger auf den Keks. Es riecht zu deutlich nach einer zum Selbstläufer gewordenenmachten Werbekampagne für Kosmetikartikel, eine menschheitsgeschichtlich recht junge Erfindung. Wäre die Sonne tatsächlich so gefährlich, wie sie heute von überforderten Medien gemacht wird, wie konnten unsere Vorfahren dann unter dieser Sonne lange genug überleben, um uns als die Krone der Schöpfung hervorzubringen? Und wer kann eigentlich mit eigener Erfahrung die absurde Empfehlung belegen, man solle selbst unter der Kleidung noch Sonnencreme tragen, sofern es sich nicht um spezielle »Schutzkleidung« handele?
Gesunder Menschenverstand ist nicht notwendig das Gegenteil der Wissenschaft, das zeigt jetzt ein Artikel im Spektrum der Wissenschaft. Darin geht es um Vitamin D, das im Körper vielfältige positive Auswirkungen hat und das unsere Haut in großen Mengen bildet, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss:
»In diesem Zusammenhang ist auch das gestiegene öffentliche Bewusstsein um die Risiken des Sonnenbadens problematisch. Moderne Sonnenschutzmittel verringern das in der Haut produzierte Vitamin D um mehr als 98 Prozent. Um den normalen Bedarf an dem Mikronährstoff zu decken, sollten Menschen mit heller oder bronzener Hautfarbe in Nordamerika oder Europa im Sommer täglich ein ungeschütztes Sonnenbad von 5 bis 15 Minuten zwischen 10.00 und 15.00 Uhr nehmen. Dabei kommt es höchstens zu einer leichten Rosafärbung der Haut.«
und weiter:
»Nach den bisherigen Forschungsergebnissen scheint eine Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den umfassenden physiologischen Nutzen von Vitamin D daher dringend geboten.«
Das ist eine Ohrfeige für die Panikmafia. Immerhin, nach und nach sickert das Wissen um den Nutzen der Sonne auch in die Sommerlochartikel. Wir dürfen hoffen.


