R.I.P.: Die rechtsverbindliche digitale Signatur (Teil 2)

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Ich hatte vor einem halben Jahr bereits verhalten gejubelt. Anlass war damals die Meldung, dass Kommunen in ihren eVerwaltungs-Angeboten auf den Zwang zur digitalen Signatur verzichten wollen, damit die Bürger diese Dienste auch nutzen. Jetzt fragt Sascha Kremer in seinem Blog rhetorisch: »Qualifizierte Signaturen: zum Scheitern verurteilt?« und weist sogleich auf das für Juristen offensichtlichste Problem dieser Technik hin:

»Tatsächlich schafft der Verbraucher mit der via qualifizierter elektronischer Signatur sicheren und vielleicht sogar verschlüsselten elektronischen Kommunikation zunächst einmal einen Beweistatbestand gegen sich selbst. Und genau das ist es, woran der Verbraucher weder im E-Commerce noch im Web 2.0 Interesse hat.«

Mein Reden seit Jahren und übrigens exakt der Grund, aus dem ich höchst selten E-Mail signiere. Der Rest seines Textes ist auch äußerst lesenswert, eine knappe, aber gute Analyse der Situation. R.I.P.: Die rechtsverbindliche digitale Signatur (Teil 2) weiterlesen

Klumpenrisiko (2)

Auf eine anschauliche Erklärung des Begriffs Klumpenrisiko habe ich bereist vor einiger Zeit verwiesen. Jetzt liefert der VW-Konzern unfreiwillig ein weiteres Beispiel. Kooperationspartner war ein Unwetter:

»Bei einem Unwetter am Sonntagnachmittag über dem Werk Emden und dem weitläufigen Hafengelände wurden Fahrzeuge verschiedener Konzernmarken beschädigt, die in Emden produziert oder über den dortigen Autoverladehafen zu Händlern in aller Welt gebracht werden.«

Nach dem Artikel der Süddeutschen war das wohl richtig teuer. Hand hoch, wer seine Datensicherung neben dem PC liegen hat.

Unterschätzte Risiken: Amtsanmaßung

Das Darmstädter Echo meldet:

»Nicht wenig überrascht war der Inhaber eines Betriebes im Bruchwiesenweg, als am Mittwoch um 10 Uhr zwei angebliche Zollbeamte in seiner Firma auftauchten. Die Männer präsentierten ihm einen Durchsuchungsbeschluss und einen auf ihn ausgestellten Haftbefehl. Sie durchsuchten das Büro und konfiszierten mehrere tausend Euro Bargeld, Schmuck und Aktenordner. Der Firmenchef wurde daraufhin gebeten, sich gute Kleidung anzuziehen, da man zusammen in der Bank den Safe überprüfen wolle. Während sich der arglose 68 Jahre alte Mann umzog, suchten die falschen Zöllner das Weite.«

Unsere Empfehlung: verlangen Sie vor der Durchsuchung einen biometrischen Ausweis und prüfen Sie, ob der Fingerabdruck des vermeintlichen Beamten zum gespeicherten Muster passt. Wer sich unter einem Vorwand weigert, ist kein Beamter, sondern Terrorist.

Die Zeit über Risikowahrnehmung

Die Zeit beschäftigt sich mit der Risikowahrnehmung und der Rolle der Medien dabei:

»Unsere Risikowahrnehmung unterliegt starken Schwankungen. Waldsterben und Vogelgrippe sind out, jetzt reden alle über Klimawandel und die Gefahren der Ernährung. Eine Analyse des Wechselspiels zwischen Wissenschaft, Medien, Politik und unserem kollektiven Bauchgefühl (…)«

(Risikowahrnehmung: Zwischen Wissenschaft und Bauchgefühl)

Unterschätzte Risiken: leichtgläubige Polizisten und Richter

Mit dem zuweilen übertriebenen Eifer der Strafverfolgungsbehörden haben wir uns hier bereits beschäftigt. Wie ein Artikel von Spiegel Online nun zeigt, beschränkt sich das Problem keineswegs auf die Informationstechnik: Ermittlungsbehörden setzen private Hunde mit privaten Hundeführern in einem wissenschaftlich nicht gesicherten Verfahren ein, um „Täter“ zu „überführen“ – und es gibt Richter, die dem Gebell tatsächlich einen Beweiswert beimessen.

Erich fragt: Grenzwert für die Zuverlässigkeit einer Höllenmaschine?

Overcoming Bias stellt zwei Fragen, von denen die zweite gut zu uns passt:

(1) What is the probability that the LHC will destroy the visible universe?

(2) For what answers to (1) should the LHC be prevented from operating?

LHC, das ist der Large Hadron Collider, ein Teilchenbeschleuniger. Wie wahrscheinlich es ist, dass diese Maschine einen Weltuntergang auslöst, weiß ich nicht. Ich kann nicht mal erklären, was sie überhaupt tut.

Interessant finde ich jedoch die zweite Frage: angenommen, wir hätten eine verlässliche Angabe der Wahrscheinlichkeit, ab welchem Wert würden wir vom Betrieb der Anlage Abstand nehmen? Null wäre eine naheliegende, aber falsche Antwort, denn null ist nicht mal die Wahrscheinlichkeit, dass das Absenden dieses Blogeintrags eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, die mit totaler Vernichtung endet. Eins wäre ebenso falsch, denn wenn es eine Maschine gibt, die zuverlässig das Universum zerstört, dann ist ihr Besitzer ein Superschurke und wir sind ihm ausgeliefert. Zu sagen hätten wir dann nichts mehr.

Wo also liegt ein sinnvoller Grenzwert für die Funktionswahrscheinlichkeit von Höllenmaschinen?

Angsthasenboulevard

Nicht überall, wo Wissen drauf steht, steckt auch Erkenntnis drinSeite aus dem SZ-Wissen 06/2008. Den Beweis liefert jetzt jüngst das Wissenschaftsmagazin der Süddeutschen Zeitung. „Risiko-Atlas Deutschland: Wo es sich gefährlich lebt“ stand auf dem Titel. Dahinter verbirgt sich aber nur eine Ansammlung von Infografiken und Deutschlandkarten, die Starkregen, Blitzschlag und Tornados ebenso abhandeln wie Körperverletzung, HIV, allgemeine Lebenserwartung, akute Atemwegserkrankungen und Depression. Angsthasenboulevard weiterlesen