Archiv der Kategorie: Propaganda

Public Relations

Das Vorsorgeprinzip klingt gut, ist aber Bullshit

Jetzt gehen sie sogar Spiegel Online auf den Keks – die Standardargumente der Panikmafia:

„Wir sollten nicht warten, bis eine letztgültige Studie erscheint“

„Wir sollten uns lieber der Sicherheit halber irren, ehe es uns später leidtut.“

Man könne nicht wissen, wie sich die Strahlung nach mehreren Jahrzehnten intensiven Telefonierens auswirke, denn dazu gebe es die Handys noch nicht lange genug.

„Die Frage ist, ob man mit seinem Hirn russisches Roulette spielen will“

„Ich weiß nicht, ob Mobiltelefone gefährlich sind. Aber ich weiß auch nicht, ob sie sicher sind.“

Vorsorgeprinzip nennt man das, und es ist in dieser Form Nonsens. Warum? Die Denkfalle steckt in der Annahme, man könne sich unter völliger Unsicherheit über die Auswirkungen des Handelns dennoch so verhalten, dass positive Wirkungen gegenüber negativen bevorzugt würden. Tatsächlich ist das nicht der Fall. Wir wissen nicht endgültig, ob mehrere Jahrzehnte Mobilfunknutzung zu mehr Krebsfällen führen. Wir wissen aber genauso wenig, ob sich über so einen langen Zeitraum nicht vielleicht positive Wirkungen einstellen, die kurzfristig nicht zu beobachten sind. Das Vorsorgeprinzip klingt gut, ist aber Bullshit weiterlesen

Unterschätzte Risiken: Sonnenangst

Die Angst vor der Sonne. Sommerloch für Sommerloch dürfen sich die Praktikanten aller Medien an diesem dankbaren Thema austoben und die immer gleichen Versatzstücke wiederkäuen: Sonnenbrand, »aggressive« UV-Strahlung, Hautkrebs, Sonnenschutz. Der Tenor ist stets derselbe. Die Sonne sei böse, gefährlich, um jeden Preis zu meiden. Wer sich ihr dennoch auszusetzen habe, der müsse sich radikal schützen, sonst drohten Siechtum und Tod.

Mir geht dieses Theater schon länger auf den Keks. Es riecht zu deutlich nach einer zum Selbstläufer gewordenenmachten Werbekampagne für Kosmetikartikel, eine menschheitsgeschichtlich recht junge Erfindung. Wäre die Sonne tatsächlich so gefährlich, wie sie heute von überforderten Medien gemacht wird, wie konnten unsere Vorfahren dann unter dieser Sonne lange genug überleben, um uns als die Krone der Schöpfung hervorzubringen? Und wer kann eigentlich mit eigener Erfahrung die absurde Empfehlung belegen, man solle selbst unter der Kleidung noch Sonnencreme tragen, sofern es sich nicht um spezielle »Schutzkleidung« handele?

Gesunder Menschenverstand ist nicht notwendig das Gegenteil der Wissenschaft, das zeigt jetzt ein Artikel im Spektrum der Wissenschaft. Darin geht es um Vitamin D, das im Körper vielfältige positive Auswirkungen hat und das unsere Haut in großen Mengen bildet, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss:

»In diesem Zusammenhang ist auch das gestiegene öffentliche Bewusstsein um die Risiken des Sonnenbadens problematisch. Moderne Sonnenschutzmittel verringern das in der Haut produzierte Vitamin D um mehr als 98 Prozent. Um den normalen Bedarf an dem Mikronährstoff zu decken, sollten Menschen mit heller oder bronzener Hautfarbe in Nordamerika oder Europa im Sommer täglich ein ungeschütztes Sonnenbad von 5 bis 15 Minuten zwischen 10.00 und 15.00 Uhr nehmen. Dabei kommt es höchstens zu einer leichten Rosafärbung der Haut.«

und weiter:

»Nach den bisherigen Forschungsergebnissen scheint eine Kampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit über den umfassenden physiologischen Nutzen von Vitamin D daher dringend geboten.«

Das ist eine Ohrfeige für die Panikmafia. Immerhin, nach und nach sickert das Wissen um den Nutzen der Sonne auch in die Sommerlochartikel. Wir dürfen hoffen.

Die Zeit über Risikowahrnehmung

Die Zeit beschäftigt sich mit der Risikowahrnehmung und der Rolle der Medien dabei:

»Unsere Risikowahrnehmung unterliegt starken Schwankungen. Waldsterben und Vogelgrippe sind out, jetzt reden alle über Klimawandel und die Gefahren der Ernährung. Eine Analyse des Wechselspiels zwischen Wissenschaft, Medien, Politik und unserem kollektiven Bauchgefühl (…)«

(Risikowahrnehmung: Zwischen Wissenschaft und Bauchgefühl)

Oliver, Du bist dran!

UrlaubOliver [für die Leser: das ist mein stiller Co-Blogger], jetzt musst Du mal was schreiben. Ich bin nämlich verhindert, und das für länger.

Das Buch zum Foto gibt es übrigens hier und für die erste Urlaubswoche ist es genau die richtige Lektüre. In der letzten würde ich es lieber nicht lesen, das untergräbt die Arbeitsmoral nach der Rückkehr.

Helmdiskussionsfortsetzung

Oh, die wissenschaftliche Helmdiskussion geht ja weiter. Schade, dass ich nicht zugegriffen habe, als es im Supermarkt Helme für’n Zehner gab, jetzt habe ich nichts, was ich wissenschaftlich in Styroporbröckchen zerlegen kann.

Gut, dass ich dort gesperrt bin, sonst käme ich glatt noch in die Versuchung, deutlich auf die Strohmannargumente hinzuweisen. Glaubt die Frau wirklich, dass wir über die hingehaltenen Stöckchen springen und uns an absurden Verschwörungstheorien abarbeiten?

Update: Im Po8tischen Blog gibt es noch einen Kommentar zur Debatte: Neulich bei Lord Helmchen…, sowie eine Umfrage nach Kopfverletzungen beim Radfahren.

Raubkopien? Christentum!

Das ist doch mal ein schöner Vergleich:

»Wenn man beispielsweise nur die wundersame Brotvermehrung in den Kontext der gesamten Getreide- und Bäckerindustrie stellt, kommen wir _exakt_ in den Bereich der sogenannten “Raubkopie”.«

Gefunden beim NetReaper. Leider habe ich von Religion so überhaupt keine Ahnung, sonst könnte ich das jetzt weiterspinnen. Wäre ein Kopierschutz dann der Leibhaftige oder nur Gotteslästerung? Klärt mich … äh, ich meine, sagt mir, was ihr denkt.

Staatsgeheimnisse

Die taz liefert wieder Feiertagslektüre zum Themenkreis dieses Blogs. Diesmal geht es um Geheimnisse und ihre Träger:

»Thomas de Maizière ist Chef des Kanzleramts und in Berlin für die Geheimdienste zuständig. Bei ihm laufen alle Informationen zusammen. Er liebt es, wenn die Regierung geräuschlos arbeitet. Wenn keiner quatscht. Über viele Geheimnisse darf er selbst seiner Familie nichts erzählen. Wie geht er damit um? (…)«

Tausendmal studiert, tausendmal doch nichts kapiert

[Dieser Eintrag sollte eigentlich ein weiterer Kommentar zur Helmdiskussion hinterm Mond werden. Wie mir erst hinterher auffiel, hat mich die gestrenge Hausherrin dort wegen ungebührlicher Rhetorik nun offenbar endgültig verbrannt und damit im Vorbeigehen gleich noch ihre selbstgestellte Frage beantwortet, ob Wissenschaft ein Glaubenssystem sei: ja natürlich, in der dort betriebenen Form schon, davon zeugt unter anderem der unbedingte Wille, die vermeintliche Gotteslästerung mit szenetypischen Mitteln zu bekämpfen. Q.e.d. Mit ein wenig Abstand geht ja vielleicht auch den anderen Beteiligten auf, dass diese Diskussion in vielem selbstbezüglich ist.]

Was ich bei Ihnen vermisse, Frau Carone, ist die Bereitschaft, Vermutungen, Erkenntnisse, Beobachtungen und anderes zu Schlussketten zu ordnen und diese dann insgesamt zu bewerten. Ihnen genügt es, dass Studien existieren und Sie verlassen sich darauf, dass die dann schon etwas bedeuten werden, und dass dieses Etwas auch Ihren Vermutungen entspricht. Ich versuche seit geraumer Zeit, mit Ihnen darüber zu diskutieren, ob das Tragen eines Styroporhutes beim Radfahren Ihre Chancen auf Weitergabe Ihrer Gene nennenswert erhöht. Sie sind es, die jede vernünftige Diskussion über die relevante Frage verweigert, sich statt dessen auf zweifelhaftes Stückwerk stützt und keinen Zweifel zulässt. Tausendmal studiert, tausendmal doch nichts kapiert weiterlesen

Spaß mit dem Gebührenbeauftragten

Irgendwie warst du ja süß. Wie du hier kreuz und quer durch die halbfertige Reihenhaussiedlung liefst und ab und zu wildfremde Leute ansprachst. Hilfe wolltest du von ihnen, weil dir der Mann da hinterherlief, Zeugenaussagen und Unterstützung beim Notruf, während jener Mann den verdatterten Spielplatzomis freundlich zuwinkte. Ich hatte Spaß daran, ehrlich. Dass du nicht einfach die 110 gewählt hast auf deinem hoffentlich angemeldeten Händi, das war sehr vernünftig. (Hatten dir die Nachbarn tatsächlich die Faxnummer des Polizeireviers gegeben oder hast du dir das nur ausgedacht, um nicht anrufen zu müssen?) Ich hätte den Beamten ganz wahrheitsgemäß erzählt, dass ich dich bereits eine Weile beobachtet habe, wie du herumgelaufen seiest und Leute angesprochen hättest. Ich bin mir sicher, sie hätten dich für einen Irren gehalten und mich für einen harmlosen Spaziergänger. Doch, das war vergnüglich. Für mich jedenfalls. Aber eines muss ich hier doch noch einmal klarstellen: für gewöhnlich ist es so, dass Damen und zuweilen auch Herren mir hinterherlaufen. Und ausgerechnet für einen Vollhorst wie dich, der mich an der Tür überfiel mit der verwegenen Aussage, er solle hier »ein Fernsehgerät zumelden,« habe ich eine Ausnahme gemacht. Bin ich Unterschicht? Natürlich habe ich keinen Fernseher, Fernseher sind 20. Jahrhundert. Meine Unterhaltung ist interaktiv.

Der Helm zum Wetterbericht

Angelegentlich der laufenden Helmdiskussion in Verbindung mit Wettervorhersagen für dieses Wochenende fiel mir ein, dass ich ja selbst einen Helm besitze. Das ist er:

Bauhelm

Gekauft habe ich ihn, um bei einem nicht allzu ernst gemeinten Volkstriathlon nicht mit den Streckenposten diskutieren zu müssen. Wie wir inzwischen wissen, dauern Helmdiskussionen ja manchmal etwas länger, und ich bin so schon kein Spitzensportler. Die gewünschte Wirkung hat der Helm übrigens in 100% seiner bislang 2 Einsätze erzielt, mehr kann man wirklich nicht verlangen. Der Helm zum Wetterbericht weiterlesen

Aus dem Weltbild eines Fahrradhelmträgers

Das Schöne an Blogs ist, dass sie wie Reihenhaussiedlungen funktionieren. Jeder kann in seinem Vorgarten seine persönliche Form des Spießertums zelebrieren und die anderen für schlimme Spießer halten. Das tue ich jetzt auch. Die misslungene Helmdiskussion an anderer Stelle hatte ich bereits erwähnt, ihre Vorgeschichte nehme ich gleich noch mit dazu. Eigentlich gehört so etwas ignoriert, weil es sich um eine Glaubensfrage handelt. Da ich nun aber schon mal mitgemacht habe, lasse ich mir auch das Fazit nicht entgehen, denn das ist aufschlussreich. Ich fasse die Debatte mal aus Sicht der Gegenseite zusammen. Aus dem Weltbild eines Fahrradhelmträgers weiterlesen

Und Bundestrojaner sind auch nicht sooo schlecht

Die taz meint es ernst. Heute ist Manfred Kriener dran, und wie gestern schon seine Kollegin Ulrike Herrmann schreibt er die Titelseite mit Unsäglichem voll:

»Unumstößlich ist: Die Daten wurden weder gestohlen noch gelöscht, sie befinden sich alle unversehrt auf dem Zentralcomputer der Bank. Stehlen kann man aber nur, was nachher nicht mehr da ist. Der Zumwinkel-Vorwurf der „Hehlerei“ geht also ins Leere. Dies war kein Datenklau, sondern eine Datenkopie. Womöglich hat ein Bankangestellter nur eigene Dateien kopiert.«

Na dann ist ja alles gut. Freuen wir uns also auf den Bundestrojaner, denn nach einer Online-Durchsuchung müssen wir nicht monatelang auf die Rückgabe unseres Rechners warten. Das ist doch toll, oder? Und überhaupt, sind ja nur Daten, und die sind auch gar nicht richtig weg, wenn sie jemand stiehlt.

Schade, dass ich kein Abo habe, dafür würde ich es glatt kündigen. Oder auch nicht, denn sobald sie nicht selbst sprechen, kommt doch wieder Vernunft ins Blatt. So wie in diesem Leserbrief, dessen Autor sich ähnliche Gedanken machte wie ich gestern, oder im Interview mit Dieter Wedel, dem man genügend Raum lässt, das Ganze schöner auszudrücken. Gerade noch mal die Kurve gekriegt, würde ich sagen.