Theseus brauchte den Ariadnefaden, um aus dem Labyrinth hinauszufinden; Informatiker versuchen es mit Graphen und Backtracking. Und Mediendesigner? Die nehmen einfach Photoshop.
Wahlcomputer: die FAQ als Lackmustest für Bullshit
Woran erkenne ich, wie gründlich jemand nachgedacht hat? Nun, im Netz bietet sich die jeweilige FAQ an, die Liste häufig gestellter Fragen. In der Blütezeit des Usenet und der Mailinglisten, in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts also, handelte es tatsächlich noch um häufig gestellte Fragen. Heute ist daraus ein Stilmittel für Online-Texte geworden und es handelt sich in aller Regel um antizipierte Fragen. Das ist gut, denn eine so entstandene FAQ gibt uns tiefen Einblick in die Gedankenwelt ihrer Autoren. Man kann sie als Lackmustest für das Problemverständnis und die Komplexität einer Lösung verwenden. Das haben wir bereits früher festgestellt. Interessanter als die Antworten sind dabei die Fragen selbst, vor allem auch die nicht gestellten.
Wahlverfahren sind ein Gebiet, auf dem so ein Lackmustest gut funktioniert. Nötig ist er: leider fühlen sich Ingenieure und Informatiker von aktuellen Themen angespornt, mal schnell ein paar Lösungsansätze zu skizzieren. Die sind dann oft nicht zu Ende gedacht; heraus kommen Kindereien wie das Bingo Voting des E.I.S.S. der Uni Karlsruhe. Als wissenschaftliche Fingerübung ist so etwas gewiss akzeptabel, aber der Öffentlichkeit präsentiert man es bereits als Lösung, für welches Problem auch immer. Sogar eine eigene Domain hat man schon reserviert, als wolle man bald eine Firma gründen und ein Produkt daraus machen. Der Heise-Ticker berichtete, und im Forum dazu stehen bereits allerlei kluge Kommentare. Wie gesagt, Diskussion und Untersuchung sind vollkommen legitim, man muss die Sache nur richtig einordnen.
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Flughafensicherheit
Auf dem Wortfeld wachsen Links zu zwei Orten, an denen Airline-Insider ihre Ansichten verbreiten. Natürlich geht es dort auch um die mehr oder minder sinnvollen, auf jeden Fall aber sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen. Das Thema scheint gerade wieder aktuell zu sein, deshalb eine erweiterte Linksammlung:
- Clark Kent Ervin: Where Should Airport Security Begin?
- Dreimal Patrick Smith:
- Confiscating shampoo? Forcing crew members to remove their shoes? The absurdity that is airport „security“ continues
- Why are pilots and flight attendants paraded through metal detectors, but not cleaners and caterers? Plus: Phantom hijackers revisited, and ominous news for your summer travel plans
- The Airport Security Follies
- Peter Mühlbauer: Kontrollen ohne Kontrolle. Sicherungsmaßnahmen in Flughäfen werden nicht ausreichend auf ihre Wirksamkeit überprüft.
- Bei Bruce Schneier sind die Absurditäten der Luftsicherheit und Terrorabwehr sowieso ein Dauerthema.
Guten Flug!
Männer sterben früher
Warum? Guckst du hier.
Neu in der Blogroll: GWUP
Unsere Blogroll ist wieder länger geworden. Neu: die Skeptiker von der GWUP. GWUP, das ist die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V., die es schon länger gibt. Neben ihrer Website betreibt sie seit einiger Zeit auch ein Blog. Warum wir die GWUP brauchen, zeigt uns sehr anschaulich der Bildschirmarbeiter.
Demokratie, Bürgerrechte, Innere Sicherheit. Juli Zeh im Gespräch
Dafür zahlt man doch gern Rundfunkgebühren für seinen PC:
Demokratie, Bürgerrechte, Innere Sicherheit
Die Schriftstellerin Juli Zeh im Gespräch
Deutschlandfunk, 24 Minuten
Wo kommt richtig Geld weg?
Phishing-Schäden 2006 in Deutschland:
13.000.000 Euro
Fragwürdige Engagements der Sachsen LB:
43.000.000.000 Euro
How to Become an Early Riser
Geek pride aside: How to Become an Early Riser. Personally, I prefer the Edit Timestamp feature of WordPress.
Angstneurose und Religion
Eine gern gepflegte Angst der Deutschen ist die Angst vor Scientology. Wie jede Angst sollte man auch diese bei Gelegenheit hinterfragen, vielleicht ist sie ja irrational. Das hat Beda M. Stadler auf der Achse des Guten versucht – aus einer atheistischen Position. Seine Schlussfolgerung:
»Wer Scientology verbieten will, muss auch die klassischen Kirchen und sämtliche Sekten abstrafen. Sie alle verfechten merkwürdige Dogmen, nehmen ihre Mitglieder aus, betreiben allerlei Hokuspokus und sind wissenschaftsfeindlich…«
Textverarbeitungen: benutzergerecht und effizient
Es gibt zwei Arten, anders zu sein als die anderen. Die eine besteht einfach darin, sich ein alternatives Leitprinzip, eine nicht mehrheitsfähige Führerfigur oder ungewöhnliche Prioritäten zu suchen, im Rahmen dieses selbstgewählten Alternativsystems jedoch genauso engstirnig zu handeln wie es der Mainstream in seiner grandiosen Durchschnittlichkeit tut. Die andere, beschwerlichere, aber viel interessantere ist, selbst zu denke, immer und immer wieder. Beschwerlich deshalb, weil es auf diesem Weg kaum Rast und selten Gewissheit gibt.
Der Unterschied ist nicht immer leicht zu erkennen, aber ein zuverlässiges Zeichen gibt es doch: den Versuch des Beweises durch Autorität, das Nachplappern, das Umsichwerfen mit Verweisen, kurz, die Hinwendung zur Religion, zur Heiligen Schrift als Schrift des Heils. Wo der eine Zuflucht sucht, damit das Anderssein nicht zu anstrengend wird, wendet sich der andere angewidert ab – oder zerlegt als Fingerübung die Schrift in ihre unsinnigen Einzelteile, dass dem Mainstream-Alternativen das Zitieren vergeht. Dies also will ich hier versuchen.
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Risikokompass
Wovor lohnt es sich, Angst zu haben? Wo lohnt es sich, etwas zu tun und welche Nebenwirkungen möchten wir dafür in Kauf nehmen? Um ein Risiko schnell und grob zu bewerten, kann man es in eine Skala einordnen und uns dann überlegen, ob der Umgang damit ungefähr seiner Position angemessen ist. So eine Skala finden wir im Blog mobifoto.de. Sie deckt für DE den gesamten relevanten Bereich ab, von den fast 400.000 Toten durch Herz- und Kreislauferkrankungen bis zu den 0 (null) Terrorismusopfern im Jahr. Ich habe die Zahlen nicht überprüft, sie sind jedoch hinreichend galubhaft, um zumindest eine grobe Orientierung zu geben.
Der Konvertit des Jahres 2007
Frickeln: ein Problem oder eine Aufgabe mühsam oder kleinteilig zu lösen versuchen, oft in technischer Hinsicht. (Wiktionary)
In den Foren auf heise.de gibt es seit jeher eine Fraktion, die zu jeder Linux-Meldung das Wort Gefrickel auf den Tisch legt. Die Jungs sind Trolle – aber sie haben leider Recht. Inzwischen fallen sogar iX-Redakteure vom Glauben ab, und das will etwas heißen: unter der Überschrift Xid antwortet nicht erklärt Christian Kirsch, was ihm an Linux auf den Keks geht. Es ist, man ahnt es, das unablässige Gefrickel. Wer Linux-Distributionen als Werkzeugkasten einsetzt, der muss sich unablässig mit den Werkzeugen beschäftigen, bevor er an seinen Problemen arbeiten darf, deren Lösung ihm der Computer doch eigentlich erleichtern soll.
Olis Chance
Sicherheitshinweise müssen nicht dröge und belehrend sein. Wie man Kindern beibringt, dass Bahnanlagen kein Spielplatz sind, zeigt der Kurzfilm Olis Chance. Leider lässt er sich nicht einbetten, man kann ihn aber dennoch auf YouTube anschauen.
(gefunden auf bahn-spass.de)
Wieviele Opfer fordern eigentlich durchgeknallte Strafverfolger?
Pünktlich zum Weihnachtsfest, wenn wirklich gar kein Journalist Lust zum recherchieren hat und alle potenziellen Ansprechpartner mit Ahnung keine Lust auf Interviews, genau zur rechten Zeit also wird wieder einmal die Kinderpornosau durchs globale Dorf getrieben. Heise berichtet, Spiegel Online skandalisiert und die Blogosphäre kommentiert. Die Rede ist von 12.000 Verdächtigen. Gut, dass die Polizei nicht schläft? Daran sind Zweifel erlaubt. Udo Vetter kennt als Strafverteidiger die Ermittlungsakten und berichtet darüber im law blog. Kurzfassung: strafbar gemacht hatte sich sein Mandant nicht, Job und Gattin war er trotzdem los.
Das ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines generellen Problems. Wieviele Opfer fordern eigentlich durchgeknallte Strafverfolger? weiterlesen
»Gott ist gefährlich«
Wir lesen weiter Zeitung und stoßen auf eine zweite Risikoanalyse zum Fest. Wieder ist es ein Soziologe, der sich Gedanken macht, diesmal Ulrich Beck in der Zeit. Er analysiert das Konzept Religion und findet darin einen totalitären Kern – ein Risiko für die Gesellschaft. Dieser Gedanke ist nicht neu, aber es schadet nicht, ihn hin und wieder auszusprechen.
»So‘n paar Risiken muss man eingehen«
Wovor haben wir eigentlich Angst und warum? Das ist eine Frage unter anderem für Soziologen. Professor Heinz Bude ist ein solcher. Im Interview in der Weihnachtsausgabe der taz berichtet er, dass seine Studenten ihm nicht glauben, wenn er ihnen eine rosige Zukunft prophezeit.
Das Herzinfarktrisiko beim Marathon …
… wird durch vermiedene Verkehrstote mehr als kompensiert. Das jedenfalls meldet die taz. Eine Studie der Universität Toronto habe herausgefunden, dass 0,8 von 100.000 Teilnehmern an Marathonläufen aufgrund einer Herzstörung stürben, die erforderlichen Straßensperrungen jedoch 1,8 Tote verhinderten. Ob die Studie sauber ist, wissen wir nicht. Eine schöne Idee ist es allemal. Praxistipp: wenn in der Nähe ein Marathonlauf stattfindet, lassen Sie das Auto stehen und schauen Sie zu. 😉
Atomkrebs und die Medien
Mit zunehmendem Abstand zur Studie werden die Artikel sachlicher. Die Zeit machte den Anfang, jetzt folgt die Süddeutsche. Nur die taz tut sich noch schwer mit der Erkenntnis, dass da vielleicht nichts ist, hält alle anderen für Ignoranten und legt ein Interview drauf, in dem Professor Eberhard Greiser der Leiterin der Studie allen Ernstes vorwirft, die Ergebnisse ihrer eigenen Studie zu manipulieren.
Derselbe Eberhard Greiser übrigens, der das Krebsrisiko durch Mobiltelefone für unterschätzt hält – und dort gibt es nachweislich nicht mal theoretisch einen Wirkmechanismus, der überhaupt irgend etwas auslösen könnte. Die elektromagnetischen Wellen des Telefons können es jedenfalls nicht sein, die haben Wellenlängen ungefähr zwischen einem und fünf Kopfdurchmessern und sind damit schlicht zu groß, um in einer Zelle etwas zu bewirken. Derselbe Eberhard Greiser auch der sich früher selber mit windigen, aber zielgerichteten Studien zur Sache Kritik einfing und der Fluglärm für eine Ursache von Krebs und Allergien hält. Auch von einem taz-Journalisten erwarte ich unter diesen Umständen, dass er mir den Befragten nicht als neutralen Experten vorstellt, sondern wenigstens mal einen dezenten Hinweis auf mögliche Voreingenommenheit gibt. Das Attribut atom-kritisch hätte schon genügt.
Klimaglaube und Medienwirkung
69 Prozent der Deutschen erwarten eine Klimakatastrophe, meldete Spiegel Online im Sommer 2006. Inzwischen dürften es noch einige mehr sein, denn 2007 war das Klima ein Dauerbrenner in den Medien. Ein Musterbeispiel gelungener Risikokommunikation auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse?
Keineswegs. Wie wir aus einer anderen Umfrage wissen, sind 70% der Deutschen religiös. Siebzig Prozent unserer Mitbürger glauben also alles, wenn es nur gut genug verpackt ist. Die Kunst des Verpackens aber haben die Medien so weit perfektioniert, dass es sogar Wissenschaftlern unheimlich wird, die eigentlich keine Angst vor den Medien haben und sich auch schon mal mit der Achse des Guten anlegen.
Was auch immer die Wissenschaft herausfindet oder diskutiert, für die Medien ist es bestenfalls ein Anlass zu eigenen Geschichten. Ganz gleich ob man Katastrophiker, Skeptiker, gleichgültig oder etwas anderes ist, die Mainstream-Medien sind eine ganz schlechte Quelle zur Meinungsbildung. Ob wir tatsächlich ein Problem haben oder nicht und wie sicher oder unsicher die Prognose ist, wird man dort nicht erfahren. Wer eine seriöse Risikoschätzung braucht, muss sich selbst mit den Klimaforschern und ihren Kritikern auseinandersetzen. So viel Zeit muss sein.
Kommerzieller Jugendschutz
Alvar Freude hatte einen Anlass, sich mit jugendschutz.net zu beschäftigen. Das hat er dann auch getan: Jugendschutz.net, Moral und Medienkompetenz.
R.I.P.: Die rechtsverbindliche digitale Signatur
[Teil 1 – Teil 2 – Teil 3 – Teil 4]
Kluge Menschen wussten es schon vor Jahren, jetzt ist es amtlich: die rechtsverbindliche digitale Signatur ist tot. Heise berichtet:
Jede vierte Kommune will ihre Verwaltungsvorgänge entsprechend anpassen, sodass man zukünftig etwa Personalausweise oder Pässe elektronisch beantragen kann. Um die Hemmschwelle bei den Bürgern zu senken und die Nutzung zu erleichtern, wollen die Kommunen auf den Zwang zur digitalen Signatur verzichten. Ein Teil von ihnen plant weitere Service-Angebote per E-Mail, zum Beispiel das Beantragen von Beglaubigungen oder Führungszeugnissen, Gewerbe- und KfZ-Anmeldungen sowie Vorgänge zur Abfallwirtschaft.
(Hervorhebungen von mir.)
Wenn selbst die Leute vom Amt vernünftig werden und statt aufgeblasener Technikwichserei lieber etwas nehmen, das funktioniert, dann können wir das Thema getrost abhaken.
Mir passt diese Meldung vorzüglich in meinen Vortrag auf dem CAST-Workshop heute. Geplant ist ein Rundumschlag, der noch etwas weiter reicht. Ich halte den Begriff der Identität in der IT-Sicherheit für überschätzt und damit alles, was mit dem Begriff zusammenhängt: Identitätsdiebstahl, Authentisierung und so weiter. »On the Internet, nobody knows you’re a dog«, das wissen wir schon seit 1993. Langsam begreifen wir auch, dass wir das nicht ändern können, sondern damit leben müssen.
Update: Detlef Borchers berichtet auf heise.de über den CAST-Workshop.
CCC …
… kann auch für Chocolate Chip Cookies stehen.
Hackerparagraphen in Anwaltshand
Ein Paragraph ist immer so gut wie der Anwalt, der ihn benutzt: Oh, eine Virenwarnung bei Udo Vetter im lawblog.